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Landwirte in der Oschatzer Region kämpfen gegen Nachtfrost – zur Not mit Feuer

Landwirtschaft Landwirte in der Oschatzer Region kämpfen gegen Nachtfrost – zur Not mit Feuer

Eisige Kälte hat den Landwirten mit Freistaat schlaflose Nächte beschert. Egal ob Obst, Wein oder Rosen – der Frost ist der Feind der offenen Blüten. Doch Obstbauern und Winzer greifen auf verschiedenste Gegenmaßnahmen zurück.

Schnee und Kälte sind Gift für die jungen Triebe und Blüten von Sachsens Obstbäumen.

Quelle: Volkmar Heinz

Collm-Region. „April, April, der weiß nicht, was er will.“ Wie viel Wahrheit in dieser alten Bauernweisheit steckt, bewies abermals das Wetter in dieser Woche: Frostige Nächte und gebietsweise bis zu 15 Zentimeter Neuschnee, der für chaotische Verhältnisse auf Sachsens Straßen sorgte.

Doch nicht nur um Blechschäden musste sich dieser Tage gesorgt werden: Auch Botaniker – professionelle wie hobbymäßige – ließ der nächtliche Temperatursturz zittern. Wenn Frost auf offene Blüten trifft, ist der Verlierer dieser Begegnung schnell ermittelt. Doch die Obstland Dürrweitzschen AG, besser bekannt unter dem Namen Sachsenobst, gibt Entwarnung: Der (hoffentlich) letzte Odem des Winters habe auf den Feldern in Nordsachsen keine größeren Schäden hinterlassen.

„Wir haben bereits mit leichtem Frost gerechnet. Unsere Wetterstationen auf den Feldern haben uns mitgeteilt, dass auch genau das eingetreten ist“, erklärt Jan Kalbitz, Geschäftsführer der Bio-Obst GmbH, ein Tochterunternehmen der Obstland Dürrweitzschen AG. Sein Fazit: „Die vergangenen Nächte haben wir gut überstanden.“

Die wichtigste Nachricht: Die Blüten der Apfelbäume, die die Hauptkultur im Portfolio von Sachsenobst ausmachen, sind noch geschlossen. Temperaturen von zwei bis drei Grad unter Null sind deshalb kein Problem. Auch für zwei weitere Gewächse gibt es Entwarnung: Sowohl Pflaume als auch frühe Süßkirsche haben ihre Blütenphase bereits hinter sich.

Sorgen bereiten den Obstbauern jedoch die Sauerkirsche sowie die Birne – beide Kulturen stehen gerade in Vollblüte und reagieren deshalb überaus empfindlich auf Temperaturen im Minus-Bereich.

Doch der Mensch wäre nicht Mensch, würde er sich nicht zu helfen wissen. Die eingesetzten Gegenmaßnahmen umfassen den Einsatz von Hagelnetzen, außerdem wurde das Gras auf den Plantagen kurzgemulcht, damit der Boden mehr Wärme abstrahlen kann. Ein weiteres Mittel ist der Einsatz von Fön-ähnlichen 360-Grad-Ventilatoren, die die Felder mit Warmluft überziehen. Der Schaden lässt sich damit zwar nicht annullieren, aber immerhin eindämmen.

Auf den Weingütern am Schloss Wackerbarth und in Sörnewitz hat man bereits 2016 auf eine ungewöhnliche Abwehrmaßnahme gegen den Frost zurückgegriffen: Auch in diesem Jahr wurden in den eisekalten Nächten kleinere Feuer zwischen den Rebstöcken entfacht. „Jede Nacht etwa 200 kleine Feuer auf insgesamt acht Lagen in Diesbar-Seußlitz und Radebeul“, erklärt Martin Junge vom Schloss Wackerbarth. Die Knospen seien bereits so weit entwickelt, dass bei Frostschäden ein Komplettausfall der Ernte drohe, der sich auf Jahre hinaus auswirken könnte.

In Oschatz waren die kalten Nächte noch einmal gnädig. „Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, resümiert Dag Müller, Produktionsleiter in der Baum- und Rosenschule Müller. „Wir konnten die Pflanzen nur mit Flies abdecken, was sie wohl gerettet hat.“ Das Kirschblütenfest am kommenden Wochenende sei also nicht gefährdet.

Bis kommende Woche soll es kühl und feucht bleiben, die Nächte werden aber wieder milder. Doch Vorsicht: Laut einer Bauernregel muss noch bis zu den Eisheiligen Mitte Mai mit Frost gerechnet werden.

Von Christian Neffe

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