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Oschatz Fans aus der Collm-Region entdecken Transsibirische Eisenbahn
Region Oschatz Fans aus der Collm-Region entdecken Transsibirische Eisenbahn
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00:23 28.09.2018
Ein Selfie vor der Abfahrt: Günter Schmidt (l.) und Gundolf Schmidt sind bereit für die Transsibirische Eisenbahn. Quelle: Foto: privat
Wermsdorf/Moskau/Krasnojarsk

„Schmidteinander“ in der Transsibirischen Eisenbahn: Der Wermsdorfer Lehrer Gundolf Schmidt und der Collmer Marathonläufer Günter Schmidt reisen mit der Transsibirischen Eisenbahn einmal quer durch Russland. Was man dabei erlebt, davon ist im jüngsten Reisebericht zu lesen:

Es geht los. Moskau-Krasnojarsk 66 Stunden. 13.10 Uhr begann unsere Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn. Ohne einen Pfiff ging es einfach los. Am überraschendsten war die Tatsache, dass niemand unsere Fahrkarten sehen wollte. Der Pass reichte aus. Eigentlich alles unspektakulär. Warten auf den Zug, einsteigen, Sachen auspacken, Bett beziehen und Toilette suchen. Ein erster Besuch beim Samowar war schon das Aufregendste in den ersten zwei Stunden gewesen. Unsere unmittelbaren Bettnachbarn sind nett und hilfsbereit. Erste Lektion: Wie steige ich in mein Bett richtig ein. Beim zweiten Mal klappte das immer noch nicht reibungslos. Verwundert bin ich über die Sachlichkeit in dem Großraumwaggon und der Ruhe in den ersten drei Stunden. Sind ja nur noch 63 Stunden bis zum ersten Ziel. Mein Reich im Oberstübchen ist eingeräumt. Lesen, lesen nochmals lesen wird wohl mein Programm für die nächsten Tage werden.

Günter Schmidt in der Transsibirischen Eisenbahn. Quelle: privat

Nun sind es schon sieben Stunden Eisenbahnfahrt. Ich weiß gar nicht, wenn ich das letzte Mal so viele Stunden auf Schienen unterwegs gewesen bin. Der Zug wurde schon mal erkundet. Den Samowar für heißes Wasser gibt es tatsächlich, zwei Toiletten werden wohl für 52 Reisende ausreichend sein müssen und eine Dusche gibt es natürlich nicht. Das Fenster lässt sich öffnen und der Speisewagen ist drei Wagen entfernt. Es gibt Bier und eine ausführliche Speisekarte mit Saftrak-Frühstück und Spezialitäten wie zum Beispiel Butterbrot. Dummerweise haben wir Brot und Wurst eingekauft, so muss der Speisewagen noch ein wenig warten.Nur ein Bier und eine Cola wurden trotzdem gezischt. Und es gibt tatsächlich noch was zu kaufen auf den Bahnsteigen: Einige wenige Lebensmittel, aber viel Tinnef wie Armbänder und eine Riesenvase.

Resolute russische Reisende

Die Stimmung im Umfeld ist gut, niemand macht Krach, selbst der Zug rattert leise vor sich hin. Die erste Nacht steht bevor. Es ist 3.42 Uhr. Das sagt schon viel aus. Bis 2 Uhr schleppte sich die Nacht so dahin. An Schlafen war immer nur phasenweise zu denken. Aber es ging irgendwie, doch dann schlug die russische Wirklichkeit zu. Unsere schöne Kasanerin, die aus Weißrussland schon zwei Tage unterwegs gewesen war, stieg leider aus und das Unheil begann. Zwei sehr resolute russische Frauen sorgten erst mal für Stimmung. Die gesamte Umgebung wurde in Trab gehalten. Irgendwann war Ruhe an der weiblichen Front. Jetzt wurde gefrühstückt.

Doch das war ja völlig harmlos im Vergleich zum einzigen Schnarcher im gesamten Waggon. Dumm nur, der liegt neben mir. Ohrstöpsel nicht dabei, Klopapier half nicht und Musik auf den Ohren nur, wenn sie sehr laut war. Das Beruhigende an der Sache: Ich habe immer noch 52 Stunden, um mich auszuschlafen. Also kein Stress.

Unterwegs im offenen Abteil

Auch die längste Nacht in der Transsibirischen Eisenbahn geht einmal zu Ende. Jammern hilft nicht, wir haben es ja so gewollt. Platzkartny wollten wir fahren, also fahren wir mit 50 anderen Reisenden im offenen Abteil durch Russland. Jeder hat trotzdem sein kleines Privatreich und wer hier keinen neuen Freunde findet, ist selber Schuld. Abends Fremde, morgens Freunde. Wann kann ich schon behaupten, mit so vielen Frauen in einem Raum geschlafen zu haben? Wenn da nicht der russische Bär gewesen wäre. Günter hat natürlich ein unschlagbares Privileg, er schläft unten, das heißt, er kann auf seinem Platz sitzen und auch Gäste empfangen. Kaum habe ich ihn mal allein gelassen, hat er sich schon Nadeshda aus Irkutsk eingefangen. So ist das in der Transsibirischen Eisenbahn.

Nur noch 48 Stunden. Wo kann man nach dem Frühstück wieder ins Bett gehen? Na klar, in der Transsibirischen Eisenbahn. Und so schlummerte ich ein Stündchen trotz Brummattacken des russischen Schnarchbärs. Aber ich hatte einen Termin, mein erstes Frühstück im Speisewagen wartete auf mich. Für 700 Rubel (neun Euro) verputzte ich ein großes Spiegelei samt Naturkaffee und doppeltem Pfirsichsaft. Auch lernte ich ein deutsches und ein russisches Frühstück kennen. Deutsch: Kaffee und Spiegelei, russisch: ein Baltika 7, ein Starkbier. Zum Schluss bekam ich noch das Du von Sveta angeboten. Also wenn es irgendwo leicht ist, Frauen kennenzulernen, dann hier. Ganz nebenbei stellte sich heraus, mein Frühstück war auf einmal ein Mittagessen geworden, denn wir hatten die erste Zeitzone, mit plus zwei Stunden überschritten.

Endlich himmlische Ruhe

Leider ging es sehr unerfreulich weiter. Irgendetwas habe ich mir zugezogen. Alles will wieder raus. Erst wollte ich das Klo der Platzkartny gar nicht nutzen und dann saß ich im Minutentakt drauf. An Bildermachen war gar nicht zu denken. Das Wort Speisewagen wurde verbannt aus meinem Wortschatz.

Ansonsten ist das Leben am zweiten Tag in der 3. Klasse ganz unspektakulär verlaufen. Keine Durak-Spieler, keine Saufgelage und auch keine deutsch-russische Verbrüderung. Die Sauberkeit in den Wagen ist überdurchschnittlich gut, selbst die der Toiletten. Und seitdem unser Schnarchbär ausgestiegen ist, herrscht im Wagen Nummer 17 tatsächlich eine himmlische Ruhe.

Der dritte Tag der Zugfahrt beginnt mit viel Schlaf und einem Mittagessen, das aus Soljanka und Fruchtsaft besteht. Bis jetzt geht es mir ausgesprochen gut. Erstmals konnte ich eine Stunde lang die Landschaft betrachten. Birken, Birken und nochmals Birken ist das Ergebnis meiner Besichtigung. Unterbrochen immer wieder von typischer Sumpflandschaft mit viel Wasser, und ab und zu fliegt auch ein Dörfchen vorbei.

Von Gundolf Schmidt

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