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Oschatz Leibniz-Institut untersucht Dorfentwicklung in Treptitz
Region Oschatz Leibniz-Institut untersucht Dorfentwicklung in Treptitz
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00:28 09.01.2016
Antonia Morgenroth (l.) und Laura Stähler vom Leibniz-Institut haben in Treptitz verschiedene Interviews geführt. Quelle: Jana Brechlin
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Treptitz

Was macht einen Ort aus? Woher kommen der Zusammenhalt und die Motivation, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen? Fragen wie diese Treiben die Forscher des Leibniz-Institutes für Regionalentwicklung und Strukturplanung um. Um Antworten zu finden, nehmen Mitarbeiter des Instituts kleinere Dörfer und Gemeinden unter die Lupe, besuchen Veranstaltungen, verfolgen Aktionen und Sprechen mit den Menschen vor Ort. Seit die Treptitzer ihre Abwasserentsorgung und Wärmeversorgung selbst organisiert und dafür bundesweit Beachtung gefunden haben, ist das Dorf auch für das Leibniz-Institut von Interesse (wir berichteten).

Ergebnis der gemeinsamen Arbeit: Die Treptitzer eröffnen gemeinsam mit Gästen ihre Vererdungsanlage. Quelle: Dirk Hunger

Seit dem Sommer haben Mitarbeiter bereits mehrere Gespräche geführt. Man untersuche innovative Projekte in strukturschwachen ländlichen Regionen – da passe das Cavertitzer Ortsteil sehr gut dazu, hatte Anita Noack vom Institut zu Beginn der Untersuchungen erklärt. Aktuell widmet sich Laura Stähler dem Geschehen im Dorf. „Uns interessiert dabei zum Beispiel unter welchen Bedingungen neue Konzepte umgesetzt werden, welche Unterstützung die Menschen vor Ort erfahren oder ob sie sich auch gegen Widrigkeiten durchsetzen müssen“, beschrieb sie die Ziele Leitfaden gestützter Interviews und schriftlicher Befragungen. Die Bereitschaft zum Mitmachen sei in Treptitz groß – und das wohl auch ein Zeichen, wie stolz die Einwohner auf das Erreichte sind. „Wir haben hier gemeinsam etwas geschafft, das sich sehen lassen kann“, fasste Tilo Sahlbach vom Verein zur ökologischen Gewässerbewirtschaftung einmal den Konsens zusammen. Der Verein hat zunächst zwei Gemeinschaftskläranlagen gebaut, anschließend die Wärmeversorgung über die Biogasanlage im Ort organisiert und im vergangenen Herbst auch noch eine Vererdungsanlage eingeweiht.

„Mein Eindruck ist schon, dass das Kläranlagenprojekt die Menschen hier zusammengeschweißt hat“, meinte Laura Stähler nach den ersten Gesprächen in Treptitz. Auch in anderen Regionen sind die Wissenschaftler unterwegs. So wurden nicht nur in Sachsen, sondern auch im benachbarten Sachsen-Anhalt, in Hessen, Thüringen, Brandenburg oder Rheinland-Pfalz Orte besucht, in denen Menschen etwas auf die Beine stellen. Die Projekte sind dabei ganz verschieden. Neben Ideen zur Versorgung, Nutzung von Leerstand geht es auch um kulturelle Angebote – oder um die gemeinsam gebauten Kläranlagen in Treptitz. „Die konkreten Projekte sind sehr verschieden, um die Orte dennoch vergleichen zu können, haben wir die Dörfer nach bestimmten Faktoren ausgewählt: Alle liegen in strukturschwachen Regionen, haben mit schrumpfender Einwohnerzahl, eher unterdurchschnittlicher Infrastruktur zu tun oder befinden sich in schwer erreichbaren Randlagen“, so Laura Stähler. Nicht immer würden alle Faktoren zutreffen, doch gebe es häufig ähnliche Rahmenbedingungen.

„Wie genau unter diesen Voraussetzungen etwas Neues und Innovatives entsteht, ist Schwerpunkt unserer Forschung“, sagte Antonia Morgenroth, die ein Praktikum beim Leibniz-Institut absolviert. Um das herauszufinden müsse man fragen, fragen, fragen. Und das klappt, versichern die Mitarbeiter. „Wir sind hier sehr herzlich aufgenommen worden und werden auch zu Veranstaltungen – etwa im Dezember zum Stollenanschnitt – eingeladen“, fügte sie hinzu. Die Ergebnisse der Untersuchungen und Feldaufenthalte sollen künftig auch veröffentlicht und damit weiter bekannt gemacht werden. So soll sich die Arbeit etwa in der Doktorarbeit von Laura Stähler und einem Buch wiederfinden, außerdem sind Praktikerworkshops geplant, bei denen ein Austausch stattfinden soll. Womöglich könnte sich die Treptitzer Initiative dann auch für andere Dörfer Vorbildcharakter haben.

Von Jana Brechlin

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