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Leipziger Künstlerin zieht nach Ochsensaal

Kultur Leipziger Künstlerin zieht nach Ochsensaal

1990 ging die Leipziger Künstlerin Heinke Binder in Ochsensaal spazieren – und war fasziniert vom alten Schulhaus in dem kleinen Ort bei Dahlen. Nun, 26 Jahre später, ist sie nach Nordsachsen gezogen und hat ihre Werkstatt in dem einstigen Schulgebäude eröffnet. Entstanden ist hier eine einzigartige Oase der Kunst.

Heinke Binder mit ihrer Kunst.

Quelle: Dirk Hunger

Ochsensaal. Heinke Binder hat den ersten Bauabschnitt geschafft. In ihrem neuen Zuhause im alten Ochsensaaler Schulhaus hat sie sich eine Werkstatt eingerichtet. Bad und Küche funktionieren, auch wenn sie noch nicht so gemütlich ausgestattet sind wie die Wohnstube. Dabei sind der Umzug von Leipzig nach Ochsensaal und die umfangreiche Bautätigkeit der Künstlerin Folge eines Spazierganges vor 26 Jahren.

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Die Künstlerin und ihre Kunst: Heinke Binder arbeitet nun im alten Schulhaus von Ochsensaal.

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„Als die Birnenallee noch stand, es muss 1990 gewesen sein, bin ich hier mit meiner kleinen Tochter im Kinderwagen lang spaziert“, erzählt Heinke Binder. Dabei sei sie genau auf dieses Haus zugelaufen und habe sich gedacht, dass das ein „wunderschöner Ort“ sei.

Zwanzig Jahre später habe sie am „Garten der Engel“ bei Jana Heistermann in Börln mitgearbeitet. „Ich hatte Jana in meine Leipziger Werkstatt mit reingenommen. Ihr Projekt in Börln fand ich interessant und bin deshalb hierher gekommen“, schildert sie ihr Wiedersehen mit der Region. Dann habe sie sich aufs Fahrrad gesetzt und wollte nach 20 Jahren mal sehen, ob es diesen schönen Ort noch gibt. Den Ort Ochsensaal fand sie noch immer wunderschön, auch weil er seinem Namen, der mit dem Ochsen nichts zu tun hat, sondern mit etwas Umschlossenen – hier eine vom Wald umschlossene Siedlung –, alle Ehre macht. Das Haus stand noch, kein Märchenschloss, aber ein Gebäude mit Charakter und obendrein mit einem kleinen Schild „zu verkaufen“ im Fenster.

Dem Modernisierungswahn entgangen

Ihre Tochter, längst dem Kinderwagen entwachsen, hätte sie darin bestärkt, zu kaufen und ihren Lebensmittelpunkt hierher zu verlegen. „An diesem Haus ist zum Glück der Modernisierungswahn vorbeigegangen“, stellte Heinke Binder fest. Im alten Klassenzimmer, an dem man noch die Stelle erkennt, an der einst die Tafel hing, fand sich auf den Dielen unter dem Linoleum noch ein authentischer Tintenfleck.

Heinke Binder sei nicht gleich nach dem Kauf des Hauses 2011 an den Umbau gegangen. „Ich habe über ein halbes Jahr überlegt, wie ich das Haus und seine Räume nutze“, erzählt sie. Schnell sei klar gewesen, dass der größte Raum mit dem meisten natürlichen Licht ihre neue Werkstatt werde. Sie sei nicht so groß wie jene, die sie in Leipzig aufgegeben habe. Aber hier habe sie nicht nur einen schönen Ort, sondern auch eine langfristige Perspektive.

Die Werkstatt ist gut gefüllt mit fertigen und halb fertigen Arbeiten, Schränken, Tischen und Regalen für Material und Arbeitsgeräte. Nichts davon stammt aus diesem Haus, aber alles hat Geschichte. „Ich habe auf Burg Giebichenstein studiert und seit meinem Abschluss als keramische Bildhauerin 1987 immer in diesem Beruf gearbeitet. Da sammelt sich eine Menge an“, stellt Heinke Binder fest.

Aus der Zeit, in er die alte Schule als Kulturraum für die Urlauber diente, seien noch jede Menge Stühle im Haus gewesen. Auf einem sitzt Heinke Binder und erzählt, wie sie nach Ochsensaal gekommen ist und sich dieses Baudenkmales angenommen hat. „Es hat lange gedauert, bis ich diese Unzahl von Stühlen losgeworden bin“, schildert die Künstlerin eines der kleineren Probleme rund um den Bau. Original erhalten sind auch noch Schilder, die ihre neue Küche als Gesundheitsstube und das Bad als Büro ausweisen. Mit Freude denke sie daran, sich eines Tages einmal dem Rosenornament im Vorsaal widmen zu können, das alle früheren Versuche, es vom Putz zu waschen, glücklicherweise widerstanden hätte. „Das werde ich auf jeden Fall restaurieren“, sagt Heinke Binder.

Erst einmal Baupause

Jetzt sei allerdings erst einmal Baupause. Sie habe sich da etwas viel zugemutet, auch körperlich – der Rücken... Finanziell sei es ebenfalls ein Kraftakt gewesen, ein denkmalgeschütztes Haus in diesem Zustand wohnlich herzurichten. „Ich habe zwei Kinder großgezogen und hatte nun kaum mehr als drei Knöppe in der Hosentasche“, blickt sie auf den Beginn der Bauphase zurück. Es habe dabei ein paar weniger angenehme Überraschungen gegeben: „Ich hatte gedacht, dass sich das Dach umdecken lässt und nur ein paar Ziegel ergänzt werden müssten.“ Die Diagnose des Fachmannes sah anders aus. „Aber wissen Sie, was das für ein schönes Gefühl ist, wenn es regnet und man hört, wie das Wasser durch die Dachrinne rauscht – ohne Angst, dass es irgendwo zum Dach reinläuft“, schildert sie einen wichtigen Erfolg der ersten Bauarbeiten am Haus.

Dankbar sei sie dafür, dass es in Trebsen ein Bergelager gab, in dem alte Bauteile aufbewahrt wurden. „Ich habe mein ganzes Haus durchstöbert, aber die Vorsatzfenster waren nicht aufzutreiben. Und ohne pfeift es hier im Winter ganz schön kühl herein“, erinnert sich Heinke Binder. In Trebsen sei sie fündig geworden, so dass jetzt ehemals Altenburger Winterfenster an der Ochsensaaler Fassade hängen. „Günstiger als ein teurer denkmalgerechter Nachbau und eben doch ein Original“, meint die Künstlerin.

Im Haus hat die Keramikerin inzwischen eigene Spuren hinterlassen. Natürlich muss der Künstler auch das Handwerk beherrschen und wissen, wie eine Fliese hergestellt wird. Aber auch die drei Fische, die von der Wand zur Badewanne schauen, sind ihr Werk.

Nordsachsen tickt anders

„Nordsachsen tickt anders als der Rest der Welt und holt manchmal an der falschen Stelle auf“, attestiert Heinke Binder ihrer neuen Heimat. Dass die Gegend so entschleunigt sei, komme ihr entgegen. Für ihren Beruf brauche sie ein friedliches Umfeld, das habe sie hier gefunden. In Leipzig sei zudem der Platz, den man als Künstler benötigt, sehr teuer geworden. Dass es hier mit dem Mobilfunk manchmal schwierig sei, könne sie verschmerzen. „Die Zeit, in der ich hier arbeiten konnte, dabei aber auf fließend Wasser und manchmal auch Strom verzichten musste, ist nun vorbei“, freut sich Heinke Binder. Nun könne sie genießen, dass sie einen kleinen Garten am Haus habe, zum Hacken und Unkrautziehen, zum Arbeiten und für die nötigen Pausen dazwischen. Übrigens stammt die Tür, die sich aus dem Haus in die kleine grüne Oase öffnet, ebenfalls aus dem Bergelager, sieht aber so aus, als hätte sie schon immer in dieses Haus gehört.

Von Axel Kaminski

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