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Liebschützberger Gleitschirmflieger bietet Mitfluggelegenheit

Lufttaxi Liebschützberger Gleitschirmflieger bietet Mitfluggelegenheit

Achim Kretzschmar geht gern in die Luft – und zwar mit seinem Motorgleitschirm. Seit zwei Jahrzehnten ist der 48-Jährige aus Liebschützberg bereits Hobbypilot. Und inzwischen bietet er auch Flüge für „Co-Piloten“ an, für Leute, die gern einmal ihre Heimatregion aus der Luft sehen wollen.

Die romantischen Momente des Gleitschirmfliegens.

Quelle: Thomas Malik

Liebschützberg. Es ist ein Gefühl von Freiheit: Grenzenlose Weiten und eine Aussicht zum Dahinschmelzen. Eine Aussicht, die man mit anderen Menschen gemeinsam erleben möchte. Das dachte sich zumindest der Hobbyflieger Achim Kretzschmar, als er auf seinen Ausflügen durch die Luft mit seinem Gleitschirm beschloss, auch anderen zu zeigen, wie es sich anfühlt, unbeschwert durch die Lüfte zu fliegen. Sicher genug sei es allemal, schließlich ist Kretzschmar bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten Gleitschirmpilot. So legte er sich bereits vor etwa fünf Jahren ein sogenanntes XCitor-Motorschirmtrike zu, mit dem er nun nicht mehr alleine, sondern mit einem „Co-Piloten“ starten kann – als fliegendes Taxi.

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Gleitschirmfliegen in Nordsachsen

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„Es ist derzeit der Mercedes unter den doppelsitzigen Gleitschirmtrikes mit deutscher Zulassung. Im Jahr fliegen um die 100 Gäste mit. Am Anfang waren es nur Freunde und Familienmitglieder. Doch es hat sich herumgesprochen und nun fliege ich wann immer Zeit und Bedingungen es zulassen zu zweit mit dem Skytaxi“, sagt der 48-Jährige.

Dabei spielt das Wetter natürlich die zentrale Rolle. Denn einfach mal einen Wunschtermin in ferner Zukunft auszumachen, der dann auch funktioniert, ist eher die Ausnahme. Wärme, Kälte, Sicht, Thermik, Wind oder Regen. Das sind alles Dinge, die beachtet werden müssen. „Nicht unbedingt die Kälte ist ein Problem, da es beispielsweise in der kalten Jahreszeit bei Inversion in der Höhe wärmer ist als am Boden. Mehr Sorgen bereitet die Wärme. Die Maschine braucht ihre Kühlung. Bis 30 Grad ist das alles gar kein Problem. Dann wird so gekühlt, dass das Triebwerk keinen Schaden nehmen kann. Aber ab 30 Grad ist dann eben jedes Grad ein Grad zu viel. Da könnte es sein, dass die Kühlung nicht mehr ausreicht. Das Risiko gehe ich nicht ein und bleib bei solchen Temperaturen lieber unten“, so Kretzschmar. Windkraftanlagen, die man hierzulande überall sehen kann, geben zusätzliche Sicherheit, denn sie zeigen an, wie sich der Wind in Kürze entwickeln wird. Bauen sich in der Ferne zum Beispiel Wolken zu Gewitterzellen auf, drehen die Windräder dort schneller und es kann noch rechtzeitig und vor allem stressfrei gelandet werden. „Stress ist nämlich das Gift bei der Fliegerei, der sollte immer unten bleiben!“

Ideale Flugzeit morgens und abends

Daher ist Achim Kretzschmar fast immer nur dann unterwegs, wenn auch die Heißluftballonfahrer in der Luft sind. Ideal zum Fliegen sind die ersten drei Stunden am Morgen, nachdem es hell geworden ist, und die letzten drei Stunden am Abend, bevor es dunkel wird. „In den Mittagsstunden ist oftmals zu viel Thermik. Die vertikale Luftbewegung, die die Segelflieger so sehr lieben, ist für die Gleitschirmfliegerei mit Passagieren eher von Nachteil, denn das schnelle Auf und Ab verträgt nicht jeder Fluggastmagen. Man sollte auf keinen Fall auf Teufel komm raus fliegen. Die Sicherheit geht immer vor.“ Der Liebschützberger sollte sich auskennen, hat er doch schon nach seinem Studium im Jahr 1993 mit dem Gleitschirmfliegen angefangen. Stehen alle Parameter auf „grün“, kann es auch schon losgehen.

Für die meisten Gäste ist es kaum vorstellbar, dass sie in den nächsten 15 Minuten in der Luft sein werden, wenn Achim Kretzschmar mit seinem Pkw und dem Fluggerät als Autoanhänger auf den Flugplatz gerollt kommt. Innerhalb dieser kurzen Zeit ist der Flieger aufgebaut und startbereit. Doch der schwierigste Schritt für viele scheint das Platznehmen zu sein. Es kostet einiges an Überwindung, es sich auf dem Soziussitz des 3-D-Mopeds bequem zu machen. „Die Gäste sind mit einer Sprechgarnitur für die Verständigung mit dem Piloten sowie mit einer Schutzbrille gegen den Fahrtwind ausgerüstet. Wenn das Triebwerk mit seinen 70 PS warmgelaufen ist und die Startfreigabe durch die Flugleitung erteilt wurde, kann es losgehen. Ich gebe Vollgas, so zieht sich der Schirm auf und nach nur wenigen Metern Fahrt geht es in die Lüfte“, erklärt der Hobbypilot. Jetzt, wenn sich das Fluggerät noch in etwa einem Meter Höhe im Schwebeflug befindet, hat der Gast immer noch die Möglichkeit sich zu entscheiden, ob er nicht doch lieber wieder landen möchte. Doch das sei bisher noch nie passiert.

Mitflieger kommen meist aus der Region

Die meisten Mitflieger stammen aus der Region. Während man mit einem Einsitzer, dem sogenannten Rucksackmotor, auch andernorts starten könnte, wenn eine Zulassung dafür eingeholt wurde, sind bei einem Zweisitzer die Flugplätze Pflicht. „Das ist aber auch richtig so!“ Dennoch können sich die Gäste aussuchen, von welchem Flugplatz aus sie starten möchten. Nur zu oft hört der Pilot den Satz: „Dort unten steht mein Haus. Da möchte ich drüber fliegen.“ Die Wünsche erfüllt er seinen Mitfliegern nur zu gern. „Die Leute sind einfach nur begeistert. Sie sind voll mit Adrenalin. Bei jedem Flug mache ich Fotos von den Gästen in der Luft. Das ist für sie eine schöne Erinnerung neben der Co-Piloten-Urkunde, die es jeweils nach dem Event gibt. Ich rate den Mitfliegern jedoch davon ab, selbst Unmengen von Fotos zu schießen.“ Denn obwohl Achim Kretzschmar der Meinung ist, dass einem beim Fliegen beziehungsweise Mitfliegen nicht schlecht wird, sieht dies ganz anders aus, sobald die Gäste durch die Kamera blicken. „Wenn die Leute sagen, dass es ihnen durch das Fotografieren schwummrig wird, ist es meistens schon zu spät“, sagt er aus Erfahrung. Es sei so wie mit dem Lesen im Auto. Tüten hat er immer dabei. Doch der Flug geht weiter. Einfach mal „rechts ranfahren“ ist hier nicht möglich.

Trotz dieser Ausnahmen kann Kretzschmar sagen, dass er bisher nur mit glücklichen Menschen zu tun hatte. Durch seine eigenen jahrelangen Erfahrungen und die unzähligen Gespräche mit den Gäste kann er viel Interessantes zur Umgebung erzählen. So wird auch dem Mitreisenden schnell klar, wo er sich gerade befindet. Bei klarem Wetter ist es ein Leichtes, den Fichtelberg in etwa 120 Kilometern Entfernung zu erkennen, Leipzig in 70 oder manchmal sogar den Brocken im Harz in 170 Kilometern. „Oft bekommen die Gäste beim Fliegen gleich Ideen für ihren nächsten Tagesausflug. Viele hätten mit der Anzahl an Klöstern, Schlössern, Burgen, Herrenhäusern, Aussichtspunkten und Naherholungsgebieten in der heimischen Region gar nicht gerechnet.

Wetterkunde und Luftrecht

Achim Kretzschmar gibt seinen Gästen zudem Auskunft auf den Gebieten der Wetterkunde, des Luftrechts und der Flugtechnik. „Wenn wir vom Heimatflugplatz Riesa-Canitz ausgehen, sind die beliebtesten Ziele Riesa, Strehla, Meißen, Diesbar, Lommatzsch und der Collm- und Liebschützberg. Die Gäste wollen aber auch oft nach Wermsdorf, Oschatz, Leisnig, Kriebstein, Wurzen, Grimma, Torgau und Colditz. Diese erreicht man mit dem 55 bis 70 Kilometer pro Stunde schnellen Schirm ohne Probleme in Kürze. Es ist auch möglich, von anderen Flugplätzen zu starten.“ Bei seinem Zweisitzer kann Achim Kretzschmar bis zu 200 Kilo zuladen. Dieser Wert sollte jedoch nicht überschritten werden. Dazu zählt nicht nur das reine Körpergewicht, sondern auch das Gewicht der Kleidungsstücke. Das Durchschnittsalter der Gäste lässt sich nicht bestimmen, so hatte der 48-Jährige bereits einen 85-jährigen Flugbegeisterten mit an Bord. Die meisten Flüge dauern eine halbe bis eine Stunde, obwohl er auch eine Strecke von Riesa, über Wermsdorf, Leisnig, Colditz, Rochlitz, Wechselburg und wieder zurück nach Riesa in zwei Stunden zurücklegt. „Bis zu zwei Stunden kann ich mit Gast, vollem Tank und ohne Thermik in der Luft bleiben“, sagt er.

Die Jahreszeit spielt beim Fliegen keine Rolle. „Jede Jahreszeit hat ihren ganz eigenen Reiz. Im Frühjahr kann man überall die gelben Rapsfelder erblicken. Alles beginnt zu blühen. Im Sommer haben die laue Luft und die fantastischen Sonnenuntergänge ihren ganz eigenen Charme. Der goldene Herbst präsentiert farbenprächtige Bäume und unzählige Stoppelfelder. Doch ich muss zugeben, dass es mir persönlich der Winter am meisten angetan hat. Der Schnee bietet einmalige Kontraste und die Sicht ist herrlich. Zum Beispiel in Oschatz kann man bei Schnee genau erkennen, wo die alte Stadtmauer verlief. Im Winter gibt es zudem häufig Inversionswetterlagen mit warmer Luft in der Höhe.“ Mit diesem überwältigenden Gefühl steckt er auch oft seine Gäste an. So passiert es, dass die „Co-Piloten“, die einmal mitgeflogen sind, wieder und wieder seine Gäste sind.

Von Kristin Engel

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