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Lothar Flehl hielt als erster Oschatzer die neuen D-Mark-Scheine in der Hand

Lothar Flehl hielt als erster Oschatzer die neuen D-Mark-Scheine in der Hand

Er rangiert nicht nur Güterwaggons der Deutschen Bahn, sondern schreibt auch ein kleines Stück Oschatzer Geschichte: Lothar Flehl (58) war zur Währungsunion vor 25 Jahren der erste Bürger der heutigen Großen Kreisstadt, der am 1. Juli 1990 in der Sparkasse in der Sporerstraße die D-Mark bekommen hat.

Oschatz.

Von Gabi Liebegall

 

Damals titelte die Leipziger Volkszeitung "Aus dem Kreis Oschatz": "Ein denkwürdiger Tag, der 1. Juli 1990. Mit Inkrafttreten des ersten deutsch-deutschen Staatsvertrages erhalten die Bürger die D-Mark. Ab 8 Uhr gab's am Sonntag bei allen Banken und der Post die wertvollen Scheine, die bekanntlich weltweit einen guten Ruf haben."

 

Aus aktuellem Anlass sprach die OAZ nach 25 Jahren noch einmal mit Lothar Flehl: Sind seine damaligen Wünsche in Erfüllung gegangen? Gab es auch Enttäuschungen? Um es gleich vorweg zu nehmen: Das T-Shirt mit dem Alf-Motiv, das er am 1. Juli 1990 trug, gibt es nicht mehr. "Das habe ich schon lange nicht mehr", sagt er.

 

Der 58-Jährige erinnert sich, dass er aus der Nachtschicht aus Riesa kam und sich gleich an der Filiale angestellt hatte. "Das hat sich so ergeben." Nach etwa 20 Minuten habe sich dann langsam eine Schlange gebildet.

 

Er habe sich sehr gefreut, dass er der erste Bürger in Oschatz mit der D-Mark war. Das kann er dann seinen Enkeln erzählen. Schließlich ist das so etwas wie ein kleines Stück Geschichte. "Ich habe mich sehr gefreut und gehofft, dass es die D-Mark lange gibt", erklärt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

 

Als erstes habe sich Familie Flehl einen Farbfernseher gekauft, der Tochter finanziell bei der Wohnungseinrichtung geholfen und vier Tage in Frankfurt am Main verbracht. "Viel Geld auf einmal ausgeben - das haben wir nicht gemacht. Wir sind sehr sparsam."

 

Der Oschatz sagt stolz, dass er noch nie einen Kredit in Anspruch genommen und auch noch nie aus einem Katalog bestellt habe. "Wir leben nicht über unsere Verhältnisse, sondern geben nur das aus, was wir haben." In diesem Zusammenhang erzählt der Rangierer, dass er auch seinen Mercedes-Jahreswagen bar bezahlt hat. "Das war gespartes Geld." Dass das schon so lange und gut funktioniert, freut ihn. Darauf ist der Oschatzer stolz.

 

Gut mit Geld umzugehen, falle seiner Frau und ihm auch nicht schwer. Er hat das schon zu Hause gelernt, denn die Familie hatte elf Kinder. "Ich war der Jüngste."

Gabi Liebegall

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