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Oschatz Luppaer Biohof nutzt Sonnenenergie zum Unkrautjäten
Region Oschatz Luppaer Biohof nutzt Sonnenenergie zum Unkrautjäten
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00:30 09.06.2018
Jana Paulsen vom Biohof Paulsen in Luppa zeigt einen von zwei Solarfliegern zum Unkrautjäten, die derzeit auf den Gemüsefeldern im Einsatz sind. Quelle: Foto: Jana Brechlin
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Luppa/Malkwitz

Mit künstlicher Bewässerung, präziser Spezialtechnik und neuen Anbaukulturen behaupten sich Jana und Dirk Paulsen mit dem Biohof Paulsen in Luppa und dem Agrargut in Malkwitz. Und dort können Besucher am Sonnabend beim Hoffest erleben, was derzeit zum Landbau gehört. Die Veranstaltung sei in erster Linie als Dankeschön für Verpächter und Geschäftsfreunde gedacht, die bereits ab Mittag eingeladen sind und mit denen man ins Gespräch kommen wolle, so die Bauern. „Ab 14 Uhr ist das Hoffest auf dem Malkwitzer Agrargut dann öffentlich und wir freuen uns auf viele interessierte Besucher“, lädt Jana Paulsen ein. Dann könne der Maschinenpark besichtigt werden und es gibt kommentierte Feldrundfahrten. Außerdem bietet am Nachmittag das Mobil der Ölmühle Moog aus Lommatzsch Verkostungen an. Wer lieber Weine probieren möchte, hat dazu ebenfalls Gelegenheit. Ab 18 Uhr spielt die Märchenbühne Dornreichenbach für Kinder, es gibt eine Hüpfburg, für die Großen Disko und für alle zur Stärkung Schwein am Spieß.

Bio-Mais für Popcorn

Das Hoffest sei eine Gelegenheit, die eigene Arbeit vorzustellen, den Besuchern Fragen zu beantworten und sich über die Entwicklung in der Landwirt auszutauschen. „Wir beobachten häufig, dass der Bezug zur Landwirtschaft gerade bei jüngeren Menschen nachlässt, deshalb ist es uns wichtig, solche Veranstaltungen zu nutzen, um zu erklären, wie unsere Lebensmittel entstehen“, sagt Jana Paulsen. Insgesamt bewirtschaften die Landwirte 2800 Hektar, den Großteil davon konventionell und mit dem Biohof in Luppa 700 Hektar. Neben herkömmlichen Getreidesorten wurde hier schon Soja angebaut oder Mais in Bio-Qualität geliefert, der dann zum Beispiel zu Popcorn wird.

Fachkräftemangel auch in Landwirtschaft

Wie in nahezu jeder Branche müsse sich auch die Landwirtschaft mit Fachkräftemangel und Bürokratisierung auseinander setzen. „Wir bauen in diesem Jahr erstmals auf 25 Hektar Fläche Brokkoli an, und allein dafür brauchten wir zehn zusätzliche Helfer“, beschreibt Jana Paulsen und räumt ein: „Es war ein Kraftakt, diese Leute zu finden.“ Aktuell sind 40 Saisonkräfte aus Deutschland, Polen und Rumänien beschäftigt.

Mehr Automatisierung gefragt

Neben Getreide werden sowohl konventionell als auch ökologisch verschiedene Gemüsesorten angebaut, und hier ist vor allem der Bio-Landbau deutlich arbeitsintensiver: Gemüse braucht Wasser, weshalb das Unternehmen auch auf künstliche Bewässerung setzt, die verlegt und gerückt werden muss. Und weil gegen Unkraut keine Spritzmittel eingesetzt werden dürfen, müssen Möhren- und Zwiebelreihen mit der Hand gejätet werden. Früher zog ein Traktor dafür die Hänger mit den Helfern über das Feld, seit diesem Jahr erledigen das zwei sogenannte Solarflieger: Mit Sonnenstrom betriebene Gefährte, die sich leise Zentimeter für Zentimeter vorarbeiten, so dass die Saisonkräfte ohne Motorenlärm das Unkraut ziehen können. „Die Geräte haben wir von einem Start-Up aus Niedersachsen gekauft. Die sind viel leiser und wir sparen eine Zugmaschine und eine Arbeitskraft dafür“, nennt die Landwirtin die Vorteile. Nicht immer sei diese Technik ausgereift, aber der Bedarf dafür steige. Immer größere Maschinen seien dagegen nicht das Ziel, weil Straßen und Feldwege nun einmal begrenzt seien. Wichtig werde, dass die Technik immer präziser wird und so auch Arbeitskräfte eingespart werden könnten. „Unsere Berufskollegen in der Tierproduktion arbeiten schon lange mit Melkrobotern. Irgendwann wird es auch Roboter auf den Feldern geben“, ist Jana Paulsen überzeugt. Allein die Steuerung per GPS eröffne viele Möglichkeiten.

Bürokratie fordert Mitarbeiter

Ohne Arbeitskräfte werde es auch in Zukunft nicht gehen, sind die Luppaer Landwirte überzeugt. Immerhin brauche die Technik kluge Köpfe zur Steuerung. Und auch die zunehmende Bürokratie fordere die Mitarbeiter. „Wir sind sieben Kolleginnen im Innendienst und haben wirklich voll zu tun“, betont sie. Düngemittelverordnungen, Kontrollen und Zertifizierung im Ökolandbau oder Fördermittelanträge würden immer aufwendiger. Viel Arbeit, die hinter dem Getreide und Gemüse steckt, dass dann auf den Feldern um Luppa, Calbitz und Malkwitz geerntet wird. Wie das umgesetzt wird, darüber können sich die Gäste zum Hoffest am Sonnabend ab 14 Uhr auf dem Malkwitzer Agrargut informieren.

Von Jana Brechlin

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