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Luppaer Metallbauer entwirft Kanone und trifft bei EM ins Schwarze

Meisterhandwerk Luppaer Metallbauer entwirft Kanone und trifft bei EM ins Schwarze

Der Luppaer Metallbauer Robert Krasselt hat eine Kanone nach historischem Vorbild gebaut. Damit erreichte er Bestnoten in der Meisterprüfung und stellte deren Tauglichkeit bei der Europameisterschaft der leichten Feldartillerie unter Beweis.

Die Lafette nach historischem Vorbild hat bei den Europameisterschaften bereits Zielsicherheit bewiesen.

Quelle: Dirk Hunger

Luppa. Ein Flügeltor, ein Profigrill oder ein Treppengeländer – es gibt so einiges, was ein Metallbauer als Meisterstück abliefern kann. Doch das alles hat Robert Krasselt nicht interessiert. Der Luppaer, der den Beruf im Familienbetrieb gelernt hat, wollte seine Meisterausbildung mit etwas Besonderem krönen. Und das ist dem 27-Jährigen gelungen, denn er hat eine Kanone gebaut und damit einen Volltreffer gelandet.

Zweimal gelang Robert Krasselt mit seiner Kanone ein Schuss in die Zehn

Zweimal gelang Robert Krasselt mit seiner Kanone ein Schuss in die Zehn.

Quelle: Dirk Hunger

Wie um alles in der Welt kommt jemand auf so eine Idee? Robert Krasselt lacht. Die Frage hat er schon öfter beantwortet und dabei immer betont, dass es eher Zufall war: In der Werkstatt seines Vaters Günther Krasselt, bei dem er auch gelernt hat, stand die Kanone des Strehlaer Schützenvereins. „Dort sollten die Beschläge erneuert werden. Ich hab mir die genau angeschaut und gedacht ’das wäre etwas für mich’“, beschreibt der Metallbauer. Eine Kanone als Meisterstück also, aber keinesfalls nur ein Deko-Stück. „Die Arbeit sollte nicht nur aussehen wie eine Kanone, sondern auch richtig schießen“, stand für Robert Krasselt fest.

Bevor aber überhaupt die Konstruktion entwickelt oder gar in der Werkstatt Hand angelegt werden konnte, musste recherchiert werden. Denn Baupläne für Kanonen nach historischem Vorbild sind keine Bastelbögen, die man an der nächsten Ecke bekommt. „Hier haben mich die Strehlaer Kanoniere toll unterstützt. Sie haben eine alte Zeichnung aufgetrieben, mit der ich tatsächlich etwas anfangen konnte“, so der Metallbauer.

Ein Monster aus Stahl und Holz

Ein Monster aus Stahl und Holz: Robert Krasselts Kanone.

Quelle: Dirk Hiunger

Etwa ein halbes Jahr verging, in dem der Luppaer auf dem Papier an der Konstruktion feilte, rechnete und die Kosten kalkulierte. Für die eigentliche Bauzeit standen dann nur ein paar Wochen zur Verfügung. „Da ist so manche Überstunde draufgegangen“, blickt Krasselt, der im Metallbaubetrieb Flügel im Oschatzer Fliegerhorst Werkstattmeister ist, zurück. Mit Unterstützung von Vater Günther und Ehefrau Ulrike, die dem angehenden Meister den Rücken frei gehalten hat, konnte das ehrgeizige Projekt tatsächlich umgesetzt werden.

400 Kilo Stahl für das Kanonenrohr

Zweimal vergab die Handwerkskammer dafür die Note Eins. „Ein fantastisches Ergebnis“, lobt Krasselt senior. Aus knapp 400 Kilogramm Stahl baute der Jungmeister das Kanonenrohr, das nach der Bearbeitung und Bohrung noch 150 Kilogramm auf die Waage bringt. Über 250 Nägel mussten selbst geschmiedet und eine Vielzahl Muttern gefeilt werden.

Das verarbeitete Eisen und die verwendeten Messingteile bekamen zum Schluss eine Leinölpolitur, mit der auch das Holz der Kanone behandelt wurde. Für die Achse wurde Eiche, für den Rahmen Esche ausgewählt. Dabei setzte Robert Krasselt auf die Fertigkeiten eines Profis aus dem Freundeskreis: Der Luppaer Sebastian Beier ist Zimmermann und half seinem Kumpel gern.

Scharfer Beschuss ist mit der Kanone möglich

Das Kanonenrohr musste vom Beschussamt im bayrischen Mellrichstadt kontrolliert und abgenommen werden. Nicht ohne Stolz, betont Robert Krasselt, dass mit seinem Meisterstück scharfer Beschuss möglich ist. „Hier kommen keine Böller rein, sondern Stahlkugeln, die mit jeweils 120 Gramm Schwarzpulver gefüllt und mit Zündkraut angezündet werden“, unterstreicht er. Während im Beschussamt vor allem der Sicherheitsaspekt eine Rolle spielte und geprüft wurde, ob das Kanonenrohr der Belastung gewachsen ist, wollte Krasselt nun auch die Zielgenauigkeit seiner Arbeit testen.

Stilecht bis zum Zubehör ist die Arbeit des Luppaers

Stilecht bis zum Zubehör ist die Arbeit des Luppaers.

Quelle: Dirk Hunger

Die Gelegenheit dazu bot sich bei der Europameisterschaft der leichten Feldartillerie, die im Juni vom Verband der Deutschen Schwarzpulver Kanoniere auf dem Bundeswehrübungsplatz in Sondershausen ausgerichtet wurde. 122 Kanonen wurden dabei abgefeuert. Bei der Teilnahme in Thüringen erhielt Robert Krasselt erneut Unterstützung von den Strehlaer Schützen, die den Luppaer mit der vorgeschriebenen historischen Uniform ausstatteten.

Bis auf 300 Meter genau kann er zielen

Aus einer Entfernung von 133 Schritten und ohne Visier sollte der Meister dort seine Kanone auf eine Zielscheibe abfeuern – ohne Probeschuss. „Der erste Treffer ging gleich in die Acht“, sagt er und zeigt auf die Scheibe. Fünf Schuss? Zu sehen sind aber nur vier Einschläge. Krasselt lacht sein Siegerlachen: „Ja, weil ich zweimal in die Zehn getroffen habe.“ Premiere gelungen, erster Platz gesichert. Dabei musste das Meisterstück nach jeder Zündung neu ausgerichtet werden, so stark ist der Rückstoß. Bis auf 300 Meter kann er mit der Kanone genau zielen, insgesamt schafft diese eine Reichweite von drei Kilometern.

Womöglich wird seine Arbeit bei weiteren Meisterschaften zum Einsatz kommen, das gute Stück ist aber auch für Historienspektakel oder Filmsets geschaffen. Als Ausstellungsstück macht sich das auch ziemlich gut. „Mal sehen“, sagt der Luppaer Metallbauer, „ich bin einfach froh, dass es so gut gelungen ist.“ Kann er auch sein.

Von Jana Brechlin

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