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Oschatz Malkwitzer befürchten Lärmbelästigung
Region Oschatz Malkwitzer befürchten Lärmbelästigung
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12:57 31.08.2018
Der Verkehr im Zusammenhang mit der Bestückung von Biogasanlagen sorgt für Ärger. Quelle: dpa
Wermsdorf/Malkwitz

So viele Besucher sind selten: Unter den Gästen, die am Donnerstag zur Ratssitzung ins Alte Jagdschloss nach Wermsdorf gekommen waren, saßen auch ein Dutzend Malkwitzer. Sie waren wegen der ersten Beschlussvorlage - Billigung und Offenlegung des Entwurfs Bebauungsplan Gewerbegebiet Malkwitz mit Biogas - gekommen.

Ein Bebauungsplan wird nötig, weil Baumaßnahmen zur Betriebsführung erforderlich sind, erklärte Alexander Müller vom Planungsbüro. So müssten Gärreste aus der Biogasanlage nach einer neuen Verordnung länger gelagert werden, weshalb ein zusätzlicher Behälter gebraucht werde. Vorgesehen sind außerdem Arbeiten an der Fahrsiloanlage und einem Blockheizkraftwerk, um den Betriebsablauf flexibel anpassen zu können.

Verkehr überschreitet erträgliches Maß

Dr. Rolf Dottermusch trug im Namen der Malkwitzer Einwände dagegen vor, die bereits zur Papier gebracht wurden, im vorliegenden Entwurf allerdings keine Beachtung gefunden haben. Schon jetzt überschreite der Verkehr zum Gewerbegebiet über die Feldstraße und die Milchstraße für Anwohner das erträgliche Maß, abgesehen davon lasse die Fahrbahnbreite keinen Begegnungsverkehr zu. Nachts anrollende Laster, die mit laufendem Motor tanken, von Fahrzeugen beschädigte Grundstücksbegrenzungen sowie Schilder und sogar von einem Strommasten, der gerammt wurde, war die Rede. Er kritisierte, dass für das Gutachten keine Messungen durchgeführt, sondern nur theoretische Werte angenommen wurden. Bei eigenen Messungen habe er nachts Spitzenwerte von 63 Dezibel festgestellt, so Dottermusch.

Anwohner fordern eine Umgehung

Die Anwohner fordern eine Umgehung, die von der Kreisstraße direkt zum Gewerbegebiet führt, eine 30er-Zone auf Milch- und Feldstraße und dort ein Verbot von Fahrzeugen über 7,5 Tonnen und die Einhaltung der Betriebsruhe außerhalb der Ernte sowie ein Straßengutachten.

Der Intervention der Malkwitzer, den Beschluss ganz von der Tagesordnung zu nehmen, folgte der Gemeinderat nicht. „Mit dem Beschluss werden keinerlei Tatsachen geschaffen“, versicherte Bürgermeister Matthias Müller (CDU) und fügte hinzu, man teile die Bedenken der Anwohner und sei bestrebt, eine für beide Seiten annehmbare Lösung zu schaffen. Zur kurzfristigen Entlastung kündigte er an, die Milchstraße auf dem ersten Stück bis zur hinteren Einfahrt ins Gewerbegebiet für Lkw zu sperren. Bei der neuerlichen Offenlegung hätten alle die Chance, ihre Einwände geltend zu machen. Ohne den Plan ändere sich nichts, mit dem Bebauungsplan habe man die Möglichkeit, Lösungen herbei zu führen, die den Anwohnern und den wirtschaftlichen Interessen gerecht werden.

Auch Landwirt Dirk Paulsen, der mit seinem Agrargut den B-Plan vorantreibt, warb um Zustimmung. „Wir müssen gewährleisten, dass die geforderten Maßnahmen eingehalten werden“, sagte er. Ohne den zusätzlichen Behälter für die Biogasanlage werde sich der Verkehr durch die An- und Ablieferung sogar noch erhöhen. Am Standort werde schon seit vielen Jahren vor der Wende Landwirtschaft betrieben, mittlerweile ändern sich die Anforderungen an einen Betrieb ständig.

Für Offenlegung

Gemeinderat Georg Stähler (CDU) kündigte an, er wolle für die Offenlegung stimmen. „Sie haben dann die Chance, einen besseren Stand als jetzt zu erreichen“, wandte er sich an die Malkwitzer, „wenn man nichts tut, ändert sich auch nichts.“ Günter Schmidt (Linke) zückte dagegen die rote Karte. Bisher habe sich keiner für die Belange der Malkwitzer interessiert, er zweifle daran, dass sich das künftig ändert. Ursula Fritzsche (SPD) versicherte den Anwesenden, man mache sich das nicht leicht, habe die verschiedenen Interessen im Blick.

Mehrheitlich, bei zwei Gegenstimmen (Kurt Müller, Günter Schmidt), folgten die Räte dem Beschlussvorschlag der Verwaltung. Der Entwurf wird im Herbst öffentlich ausgelegt und kann dann von jedermann eingesehen werden, bevor dann voraussichtlich im Dezember erneut darüber befunden wird.

Zufrieden konnten die Malkwitzer damit angesichts ihrer Forderungen nicht sein. Unversöhnlich ging man dennoch nicht auseinander. Ortschaftsratsvorsitzender Günter Grosch schlug vor, dass Einwohner und Landwirt unter Moderation der Gemeinde zu Gesprächen zusammenkommen. „Wir möchten auf keinen Fall so auseinander gehen, dass wir uns nicht mehr in die Augen sehen können. Wir freuen uns über das Erreichte in Malkwitz“, sagte er.

Von Jana Brechlin

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