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Oschatz Marktplatz Oschatz: Sigrid Herrmann verkauft Tischdecken
Region Oschatz Marktplatz Oschatz: Sigrid Herrmann verkauft Tischdecken
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06:00 31.10.2018
Kissenhüllen hat Sigrid Herrmann auch im Angebot Quelle: Katharina Stork
Oschatz

„Wollen Sie die große Decke lieber in der Farbe Cappuccino oder Champagner?“ Zwei verschiedene Stoffbahnen hält Sigrid Herrmann der Kundin hin, die sich dann doch für eine dritte Farbe entscheidet. Neben der Beratung, welche Größe für welche Tischform am passendsten ist, bleibt immer noch Zeit für einen kurzen Plausch am Tischdeckenstand am Oschatzer Marktplatz. Das Gespräch wird immer wieder übertönt von Herrmanns hellem, perlenden Lachen, das die Kunden sofort ansteckt. Dass die 77-Jährige um vier Uhr aufgestanden ist, um von Leipzig nach Oschatz zu fahren und dort ihre Waren anzubieten, merkt man ihr gar nicht an, so aufgeweckt und energetisch sie ihre Ware an den Mann oder die Frau bringt. „Der Markt ist mein Lebenselixier. Man bleibt jung und die Kunden freuen sich“, sagt sie.

„Die Frau ist toll!“

Hannelore Naumann, eine vorbeieilende Kundin, sagt bestimmt: „Die Frau ist toll! Bei ihr habe ich auch immer mal wieder eingekauft.“

Nach der Wende ist die gebürtige Grimmaerin Herrmann durch einen Bekannten per Zufall zum Tischdeckenverkauf gekommen, nachdem ihre eigentliche Tätigkeit nicht mehr viel abwarf: das Bemalen von Holz und Porzellan. Seitdem ist sie fester Bestandteil des Oschatzer Marktbildes. Immer korrekt frisiert, mit Perlensteckern in den Ohren und einem breiten Lächeln im Gesicht, begrüßt sie ihre bekannten Kunden schon von weitem. Dabei hatte sie schon einmal aufgehört. „Aber nach einem halben Jahr, da ging es wieder los. Ich kann es einfach nicht lassen“, sagt sie und lacht laut auf. Auf den Weihnachtsmarkt stellt sie sich jedoch nicht mehr, das hat sie auf Drängen ihres Mannes aufgegeben. Zehn Jahre lang stand sie in Halle auch bei 20 Grad minus, jetzt bringt sie die Kälte nicht mehr an den Stand. Dann bleibt sie daheim, wenn es regnet oder zu kalt ist.

Der Markt in Oschatz bessert ihre Rente auf

Jetzt sieht Herrmann den Markt nur noch als Hobby und als gute Möglichkeit, ihre Rente ein bisschen aufzubessern und ist zweimal die Woche am Markt, in Döbeln und Oschatz. „Aber wenn ich jetzt mit dem Markt aufhören müsste, dann wäre ich traurig“, sagt sie und eine gehörige Portion Wehmut schwingt in ihrer Stimme mit, die sie sofort mit ihrem Lachen vertreibt.

Diese Entscheidung, auch mit 77 noch zu arbeiten, verstehen nicht alle in ihrem Umfeld. Aber zu viel Herzblut steckt in ihrem Stand, zu viel Spaß und Freude an der Ware. Tischdecken hätten ihr schon immer Spaß gemacht. Die Entscheidung beim Großhändler in Apolda, von dem sie ihre Tischdecken und Kissenbezüge herbezieht, was denn ins Sortiment aufgenommen wird, fällt Herrmann aus dem Bauch heraus. Sie geht nach ihrem eigenen Geschmack, achtet aber auch darauf, auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen und auch modernere Stücke für junge Leute anzubieten.

Auch wenn sich nach der Wende ihr Leben gewandelt hat und sie anfangs skeptisch dem Marktverkauf gegenüber stand, kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, dass Sigrid Herrmann nicht vor ihrer bunten Auslage steht. „Es war eine gute Entscheidung, der Tischdeckenverkauf.“ Und das sieht man an ihrem strahlenden Gesicht.

Von Katharina Stork

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