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Mehr Suizide im Raum Oschatz – einsame Menschen besonders gefährdet

Statistik Mehr Suizide im Raum Oschatz – einsame Menschen besonders gefährdet

Im Altkreis Torgau-Oschatz haben sich 2012 insgesamt elf Menschen das Leben genommen, in den Jahren 2013 und 2014 jeweils 16 - Tendenz leicht steigend. Bei allen Problemen sind die Ursachen für solche negativen Erfahrungen in den meisten Fällen zu beheben.

Im Altkreis Torgau-Oschatz haben sich 2012 insgesamt elf Menschen das Leben genommen, in den Jahren 2013 und 2014 jeweils 16 - Tendenz leicht steigend.

Quelle: Leipzig report

Oschatz. Sie weint leise. Die Seniorin denkt schon an Weihnachten. Das kommende ist das erste, das sie ganz allein verbringen wird, denn ihr Mann hat sich das Leben genommen. Er war unheilbar krank und hatte keine Kraft mehr. Seine Erlösung sah er in einem Tabletten-Mix mit viel zu viel Kognak.

Es hat Erika K. (Name liegt der Red. vor) viel Überwindung gekostet, mit der OAZ über ihr Schicksal zu sprechen, zum Beispiel darüber, dass das Ehepaar zwei Kinder hatte. Ein Kind ertrank mit sechs Jahren in einem Teich. Und der zweite Sohn kam vor 20 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

Ihr Mann stammt aus dem heutigen Tschechien. "Er hat viele Jahre in einer Abrissfirma gearbeitet, Bauschutt entsorgt und dabei viel Dreck geschluckt, auch Asbest-Staub", schluchzt die 68-Jährige. Das Ergebnis: Lungenkrebs. Als die Diagnose vor neun Jahren feststand, sei alles sehr schnell gegangen. Operation, Therapie, Anschlussheilbehandlung. "Die Ärzte waren zuversichtlich und mein Mann auch." Aber er habe wieder zugeschlagen, der Krebs - diesmal unbesiegbar.

Ihr Mann sei verbittert gewesen. Sehr sogar. Habe immer mehr die Öffentlichkeit gemieden, sich zurückgezogen und vor sich hin gelitten. Was genau dieses Verhalten bedeutete, habe die Frau geahnt und sei verdammt gewesen, genau auf diesen "endlichen Augenblick" zu warten, denn zuletzt sei auch sie nicht mehr an ihn heran gekommen.

Das Schlimmste für sie ist das Alleinsein, denn es gibt keine Familie. Nur eine Freundin kommt ab und zu vorbei. Selbst kann sie keine Ausflüge machen, denn sie ist zu schnell erschöpft. Gesellschaft leistet ihr ein Wellensittich, mit dem sie auch spricht.

Todesfälle hinterlassen immer große Narben auf der Seele von Hinterbliebenen. Besonders viele Fragen stellen sich, wenn ein Mensch plötzlich durch einen Unfall ums Leben kommt, und eine unerklärliche Schwere lässt das Herz krampfen, wenn eine Frau, ein Mann oder ein junger Mensch freiwillig aus dem Leben scheidet.

Im Altkreis Torgau-Oschatz haben sich 2012 insgesamt elf Menschen das Leben genommen, in den Jahren 2013 und 2014 jeweils 16 - Tendenz leicht steigend.

Mit 30 Selbstmorden im Jahr 2013 ist der Landkreis Nordsachsen der in Sachsen mit den wenigsten Suiziden. Die meisten Freitode gab es in demselben Jahr mit 68 in Zwickau. Grundsätzlich waren es immer mehr Männer als Frauen. "Im Jahr 2013 verstarben 664 Einwohner des Freistaates Sachsen durch Suizid, davon 495 männliche und 169 weibliche Personen. Das entsprach gegenüber dem Vorjahr einer Zunahme von 2,9 Prozent", heißt es in einem Bericht des Statistischen Landesamtes Sachsen. Aber was sind die Gründe für einen Selbstmord? Diese Frage beantwortet Dr. Peter Grampp, Chefarzt der Abteilung Psychiatrie und Psychosomatik im Fachkrankenhaus Hubertusburg: "Häufig sind Suizide Folge depressiver Erkrankungen und Störungen. Selbsttötungen sind um so erfolgreicher, je älter jemand wird und hier insbesondere bei Männern." Dabei spielten unter anderem Einsamkeit und Gefühle der Sinnentleerung des Lebens eine Rolle.

"Eine zweite Gruppe mit gehäuften Suizidversuchen oder Suizid ähnlichen Handlungen findet man bei Jugendlichen, jungen Erwachsenen bis zu 30 Jahre." Gründe hier seien Kränkungen, beispielsweise im Falle des Verschmähtwerdens.

Bei allen Problemen sind die Ursachen für solche negativen Erfahrungen laut Grampp in den meisten Fällen zu beheben. Und dann sei es möglich, dass die betroffenen Menschen ein sinnerfülltes Leben führen und für die Zukunft Pläne schmieden können. "Wichtig ist, professionelle Hilfe auch anzunehmen" , betont der Chefarzt.

Gabi Liebegall

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