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Oschatz Mehr als 10 000 Menschen pendeln zur Arbeit
Region Oschatz Mehr als 10 000 Menschen pendeln zur Arbeit
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00:41 29.04.2018
Viele Pendler nutzen die S-Bahn und gelangen so zum Beispiel in 35 Minuten von Oschatz bis zur City-Tunnel-Station Hauptbahnhof in Leipzig. Quelle: André Kempner
Region Oschatz

70 bis 90 Minuten – so lange verbringt Sabine Bernard täglich im Auto. Um von Liptitz bis zu ihrer Arbeit beim Leipziger Thomanerchor und wieder nach Haus zu gelangen, muss sie jeweils 57 Kilometer zurücklegen und dafür rund 40 Minuten einplanen. Vorausgesetzt, die Fahrt über die A 14 verläuft staufrei. „Das ist immer seltener der Fall“, sagt sie.

Bernard gehört zu einer Gruppe von Menschen, die immer größer wird: Pendler. Rund 60 Prozent aller Arbeitnehmer in der Bundesrepublik – mehr als 18 Millionen – müssen täglich eine größere Strecke zwischen Arbeits- und Wohnort zurücklegen. In Sachsen sind es rund 140 000.

Pendler-Anteil rund um Oschatz im Bundesdurchschnitt

Die Region Oschatz bildet da keine Ausnahme. Die offizielle Pendler-Statistik der Agentur für Arbeit (AfA) erfasst alle, deren Wohn- und Arbeitsort unterschiedliche Postleitzahlen haben. Diese Angaben werden der Behörde von den Arbeitgebern zur Verfügung gestellt.

Hier geht es zur großen LVZ-Pendler-Reportage „Immer auf Achse“.

Rund um Oschatz entsprach der Pendler-Anteil 2017 dem bundesweiten Durchschnitt: Von 15 378 Arbeitstätigen mussten 10 702, also zwei Drittel, ihre Gemeinde verlassen, um auf Arbeit zu gelangen. Lediglich bei 4676 lagen Wohn- und Arbeitsort in derselben Gemeinde.

„Arbeitsmarkt macht nicht an einer politischen Grenze halt“

„Die Anzahl der Arbeitsplätze in der Region ist nicht ausreichend für alle, die Arbeit suchen“, erklärt Volkmar Beier diese Zahlen. Pendeln sei ein fester Bestandteil der modernen Arbeitswelt, so der Pressesprecher der Oschatzer Arbeitsagentur. „Der Arbeitsmarkt macht nicht an einer politischen Grenze halt.“

Und nicht alle sind bereit, ihren Wohnort für einen neuen Job aufzugeben: In Zeiten steigender Großstadtmieten überlegen sich viele Arbeitnehmer gut, ob sich ein Umzug lohnt. Dabei sind es gerade die Großstädte, die zusätzliche Arbeitskräfte anziehen – und damit die Umlandbewohner ins Auto oder die Regionalbahn zwingen.

Durchschnittliche Pendel-Strecke misst 20 Kilometer

Viele seien aber auch schlicht mit ihrem Heimatort verwachsen. „Diese Leute wollen aus ihrer Heimat nicht wegziehen“, so Thomas Pütz vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BSSR).

Laut der Pendlerkarte des BSSR liegt die durchschnittliche Strecke, die Pendler aus der Region Oschatz zurücklegen, bei 20 Kilometern. Viele zieht es nach Leipzig, Riesa und Torgau.

Deutlich mehr Aus- als Einpendler

Die Statistik der AfA zeigt zudem, dass es in allen Gemeinden rund um Oschatz deutlich mehr Aus- als Einpendler gibt: In Naundorf, Liebschützberg und Cavertitz sind es jeweils drei mal so viele. In Dahlen und Mügeln beträgt das Verhältnis zwei zu eins, in Wermsdorf sind es knapp eineinhalb mal so viele.

Einzige Ausnahme ist Oschatz selbst: Hier stehen 3088 Auspendler 3889 Einpendlern gegenüber. Die große Gemeinsamkeit: In allen Gemeinden liegt die Anzahl der Menschen, die ihren Wohn- und Arbeitsort in derselben Region haben, weit unter der Anzahl der Pendler.

Dauerhaftes Pendeln schadet Gesundheit

Experten sind überzeugt, dass dauerhaftes Pendeln der Gesundheit schade. „Ab 45 Minuten pro Strecke sind Sie gefährdet“, sagt Hannes Zacher, Professort für Arbeitspsychologie an der Universität Leipzig. Entscheidend sei, ob man zum Pendeln gezwungen werde oder dies freiwillig tue. Letzteres federe negative Effekte ab.

Sabine Bernard gehört seit ihrem Umzug von Leipzig nach Liptitz zu den freiwilligen Pendlern. Zwar muss sie nun eine größere Strecke zurücklegen, was aber nicht viel mehr Zeit in Anspruch nimmt. „Im Leipziger Berufsverkehr habe ich fast genau so lange gebraucht wie jetzt.“ Und so kann sie wenigstens das nervenzehrende Stop-and-Go des Innenstadtverkehrs vermeiden.

Von Christian Neffe

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