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Oschatz Meistermacher im Fechten: Herbert Wagner in Oschatz
Region Oschatz Meistermacher im Fechten: Herbert Wagner in Oschatz
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15:24 06.04.2012
Herbert Wagner beim Training in Oschatz. Hier kamen ihm allerdings nicht nur Fechter aus dem Oschatzer Verein vor die Klinge, sondern auch Sportler aus der Dresdener Region. Vielleicht ist einer dieser Sportler schon bald der nächste Meister. Quelle: Dirk Hunger
Oschatz/Moers

Von Gabi Liebegall

"Meine Frau und ich haben es nicht bereut, nach Nordrhein-Westfalen gegangen zu sein. Hier stimmt alles: Das soziale Umfeld, die Umgebung, der Fechtclub." Die Fecht-Hochburg Tauber-Bischofsheim in Baden-Württemberg sei für ihn nie eine Alternative gewesen.

Von Anfang an habe er in seinem Bereich frei entscheiden können. "Es hat immerhin neun Jahre gedauert, bis ich feste Strukturen aufgebaut hatte, so wie ich sie wollte." Seine Anstrengungen wurden belohnt. Herbert Wagner hat einige Fechter und Fechterinnen aus dem Moerser Leistungszentrum zu internationalen Lorbeeren gebracht: David Hausmann holte 1999 in Ungarn bei den Weltmeisterschaften (WM) der Junioren Gold im Florett-Einzel und in der Mannschaftswertung. Martha Golebiewski gewann bei dieser WM im Einzel Silber. Schwester Monika holte 2004 mit der Mannschaft bei den Junioren-Europameisterschaften in Plovdiv (Bulgarien) Silber.

Auch Benjamin Kleibrink hat das Fecht-Einmaleins und mehr bei Herbert Wagner erlernt. Er wurde 2008 Olympiasieger, außerdem ist er vierfacher WM-Zweiter, WM-Dritter und Europameisterschafts-Zweiter 2007.

Meister hat Herbert Wagner aber auch zu DDR-Zeiten in Oschatz "gemacht". Erinnert sei an Ute Lorenz, die bei der Junioren-WM 1974 in Istanbul einen sehr guten vierten Platz belegte. Jens Howe landete 1981 bei den WM in Venedig auf dem Silber-Treppchen.

Rüdiger Müller und Sabine Mönch durften 1980 mit zu den olympischen Spielen nach Moskau. Müller erreichte im Säbel mit der Mannschaft einen 6. und Sabine Mönch mit der Mannschaft einen 8. Platz.

Das Oschatzer Trainingszentrum Fechten hatte einen guten Namen. Es war das beste in der ehemaligen DDR - dank der Trainer Günter Pohland (1984 †), Herbert Wagner und der Übungsleiter.

Dem heutigen Vereinsvorsitzenden Christian Fischer ist es zu verdanken, dass wenigstens etwas von der Fechtsport-Tradition gepflegt wird. Herbert Wagner erinnert sich an so manchen Namen von Oschatzer Fechtern: Siglinde Jahn, Gabi Junker, Andreas Lischke, Peter Herzog, Steffen Geisler, Romy Walther, Sören Köstel, Stefan Schmalz und andere.

Aber Meister fallen nicht vom Himmel. Vor dem Erfolg stehen Fleiß, Schweiß und Disziplin. Ein Herbert Wagner lässt sich beim Training nicht auf der Nase herum tanzen. Zu DDR-Zeiten forderte er genau das mit manchmal recht unorthodoxen Mitteln ein. Wenn er heute beim Training aus der Reserve gelockt werde, gebe es einen Urschrei. "Da scheint es, als bleibe jeder an der Decke hängen." Dabei schaut er nach oben und grinst.

Zum Ausdauertraining ging es zum Beispiel im Sommer bei 30 Grad im Schatten eine Stunde lang im Trainingsanzug im Karree am Freibad entlang über das Gelände des heutigen O-Parks und zum heutigen Tischerweg.

Geflucht haben viele Fechtsportler auch, wenn ein Japan-Test auf dem Trainingsplan stand. Hier ging es um Schnelligkeit. Es galt, eine relativ kurze Distanz schnell zu überwinden und jedes Mal die Grenze der angegebenen Strecke mit der Hand zu berühren - und wieder und wieder: 50- oder auch 100-mal.... Aber auf jeden Fall gefühlte 1000-mal. Aus heutiger Sicht: Geschadet hat es offensichtlich keinem der Fecht-Sportler.

Herbert Wagner spricht auch über die gravierenden Unterschiede, die Voraussetzungen, das Niveau des Fechtsports in Oschatz und Moers. Letztendlich lägen Welten dazwischen.

Obwohl der Meistermacher gern in Moers arbeitet, gebe es etwas, für das er seit Jahren kämpfe: Eine neue Fechthalle. Hier hat er viel Kraft gelassen. Aber jetzt soll der Wunsch doch in Erfüllung gehen. Dann sei er bereit, weiter für den Club zu arbeiten. Ansonsten würde Herbert Wagner überlegen, nach über 40 Jahren als Fecht-Trainer nun doch in den Ruhestand zu gehen.

Beim Thema Freizeit muss er lange überlegen, denn wenn er nicht gerade trainiert, ist er mit Moerser Fechtern auf Achse zu Wettkämpfen - auf der ganzen Welt. Dann aber verrät Meistermacher Herbert Wagner doch noch, dass er gern kocht. "Dabei kann ich mich entspannen."

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