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Oschatz Michelle Schnelle ist die Eselflüsterin im Oschatzer Ortsteil Striesa
Region Oschatz Michelle Schnelle ist die Eselflüsterin im Oschatzer Ortsteil Striesa
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00:20 27.07.2017
Paula und Emil sind die neuen Hingucker auf dem Hof von Schäfer Lothar Lippert. Michelle Schnelle kümmert sich um die beiden Esel-Babys. Quelle: Foto: Kristin Engel
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Striesa

Die beiden drolligen Eselkinder sorgen auf dem Hof von Schäfer Lothar Lippert im Oschatzer Stadtteil Striesa für Aufsehen. Sie spielen und springen ausgelassen über die Wiese. Vor gerade einmal drei und vier Wochen sind sie zur Welt gekommen. An die Tage der Geburt erinnert sich die 16-jährige Michelle Schnelle noch sehr gut. Die Enkeltochter des Schäfers hat die knapp zwölfmonatige Schwangerschaft der beiden Eseldamen genau verfolgt und kümmert sich liebevoll um die Tiere.

Für Emil wird neues Zuhause gesucht

„Die Kleinen heißen Paula und Emil“, sagt die Schülerin. „Ich verbringe viel Zeit mit ihnen und streichle sie. Nur so verlieren sie ihre Scheu und werden zutraulich“, erklärt sie. Für Paula wurde bereits ein neues Zuhause gefunden, wenn sie in etwa vier bis fünf Monaten ihre Mutter verlassen kann. Für Emil werden noch liebe Menschen gesucht, die ihn bei sich aufnehmen. „Die Jungtiere sollen etwa ein halbes Jahr bei ihrer Mutter bleiben, da sie noch lange Milch trinken. Es ist natürlich möglich, sie eher abzugewöhnen, doch das würde das Wachstum und die Gesundheit beeinflussen.“

Paula und Emil heißen die Baby-Esel von Striesa. Quelle: Kristin Engel

Doch was suchen Esel bei einem Schäfer? „Mein Opa hat mal einen Schäfer gesehen, der auch Esel hatte. Der Anblick gefiel ihm. So bekamen wir unsere älteste Stute Daisy, die mit in die Schafherde integriert wurde. Damit sie nicht so einsam war, holten wir die Stute Maggy – die Mutter vom Eselkind Paula – dazu. Wir konnten ja nicht wissen, dass sich Daisy in Gegenwart anderer Tiere wohler fühlte, als unter Artgenossen“, Michelle lacht. Denn Daisy suchte sich eine Ziege als neuen besten Freund aus.

Es stehen aber noch drei weitere Esel bei Lothar Lippert. „Wir haben Maggy mal von einem Eselhengst decken lassen. Daraus entstand Elsa, die Mutter von Eselkind Emil. Vor fünf Jahren kam Hengst Pacco hinzu, der Papa der Eselkinder. Von ihm und Maggy stammt Motte“, erklärt die 16-Jährige kurz die Konstellation bei den Lipperts.

Lautstarker Pacco wurde verschenkt

Was sie hier jedoch noch nicht erzählt hat, ist die enge Verbindung, die sie zum neunjährigen Hengst Pacco hat. „Wir haben Pacco aus Merkwitz geholt. Er lebte auf einem Hof. Wenn Pacco etwas sieht, gibt er laute Geräusche von sich. Das hat die Nachbarn gestört und er sollte weg. So habe ich ihn geschenkt bekommen.“ Am Anfang war Pacco scheu, ließ sich nicht gern berühren. Mittlerweile haben die Beiden ein enges Band geknüpft. „Er ist mein Seelentier“, sagt sie lächelnd. Wenn Pacco seine Besitzerin Michelle sieht, kommt er ihr freudig entgegengelaufen, weicht ihr nicht von der Seite. Die Beiden sind ein Herz und eine Seele.

Wenn Pacco seine Besitzerin Michelle sieht, kommt er ihr freudig entgegengelaufen, weicht ihr nicht von der Seite. Quelle: Kristin Engel

„Ich verbringe fast jede freie Minute hier in Striesa bei den Tieren. Eigentlich wohne ich in Luppa. Die Schäferei und die Landwirtschaft interessieren mich sehr. Mein Freund ist ebenfalls Schäfer. Es wäre natürlich schön, wenn wir irgendwann mal die Schäferei von Opa weiterführen könnten. Doch das ist heute nicht mehr so leicht.“

Überbrückungsjahr in der Berufsschule

Michelle Schnelle selbst startet in drei Wochen ein Jahr Berufsschule. Doch eigentlich handelt es sich hierbei nur um ein Überbrückungsjahr. „In der Zukunft sehe ich mich in der Landwirtschaft oder vielleicht im sozialen Bereich“, überlegt Michelle. Doch es sind viel mehr die Tiere, die für sie die Welt bedeuten. „Ich kann hier entspannen, arbeite aber auch gerne. Ich fühle mich hier einfach verbunden.“ Dann stört es sie auch nicht, bei Wind und Wetter mit auf den Feldern unterwegs zu sein, Zäune aufzubauen und auch Rechnungen und Pachtverträge zu schreiben. „Das ist total mein Ding. Ich habe mich in den letzten drei Jahren hier sehr gut reingefitzt.“ In den Ferien versucht sie, viele Praktika zu absolvieren, um ihren Berufswunsch ein Stück näher zu kommen.

Sobald die Esel der Kinderstube entwachsen sind, kommen sie auch alle wieder zurück zu den Schafen auf die Weide. Pacco bleibt auf dem Hof bei den Ziegen. Und Michelle? Sie wird man wohl noch lange mit ihrem Opa zusammen bei den Tieren sehen können.

Von Kristin Engel

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