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Oschatz Mit Pinsel und Pinzette: Farb-Forensiker werden auf Schloss Leuben fündig
Region Oschatz Mit Pinsel und Pinzette: Farb-Forensiker werden auf Schloss Leuben fündig
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19:45 27.09.2018
Annika Remmele legt in der unteren Gartenstube von Schloss Leuben ein Stück der historischen Bemalung frei. Quelle: Fotos: Hagen Rösner
Leuben

Schloss Leuben – viele Jahre herrschte hier Ruhe, kämpften die Mitglieder des Schlossvereins um die Sicherung und den Erhalt des historischen Bauwerks. Doch seit einiger Zeit, und vor allem seit einer Woche, wuselt es vor Menschen im Schloss. Eine zehnköpfige Gruppe von angehenden Restauratoren ist angetreten, um dem Schloss die Geheimnisse seiner Wandmalereien zu entreißen und dabei noch viel zu lernen.

Historische Farbreste finden und dokumentieren

„Innerhalb des internationalen Sommerseminars für angehende Restauratoren wollen wir die ehemalige Wandgestaltung im Schloss Leuben näher unter die Lupe nehmen“, hatte der Leiter der Gruppe und Diplomrestaurator Arnulf Dähne vor einer Woche das Ziel definiert. Innerhalb der vergangenen Woche wurden bestimmte Räume des barocken Schlosses genau untersucht.

Einer der Räume diente als Seminarraum für Beratungen. Quelle: Hagen Rösner

Gefunden und freigelegt wurden in den meisten Räumen eine Sockelmalerei, die teilweise noch gut erhalten ist. „Wir legen die Malerei frei, dokumentieren sie und konservieren sie so, damit es später die Möglichkeit gibt, die historische Malerei in das moderne Raumkonzept zu integrieren“, schildert Dähne die Idee, die hinter den Arbeiten steckt. Bei diesem Sommerseminar erhalten die jungen Leute einen Teil des Handwerkszeuges, das sie für ihr späteres Studium benötigen. Das sind einerseits die handwerklichen Fähigkeiten und andererseits das wissenschaftliche Wissen. „Viele Leute sehen Restauratoren als bessere Handwerker, aber das stimmt nicht. 75 Prozent unserer Arbeit haben einen wissenschaftlichen Hintergrund“, so Dähne. Gemeinsam mit Diplomrestauratorin Anja Romanowski betreut Dähne die Praktikanten. Sie zeigen nicht nur die kunstgeschichtlichen Hintergründe der Funde und Befunde auf, sondern vermitteln auch die notwendigen chemischen Kenntnisse beim Umgang mit Farben, Mörtel und anderen Substanzen für die Restaurierung.

Stuck von Decke und Kamin gesichert

Unerwartet fanden die angehenden Studenten beispielsweise im oberen Gartensaal eine Bemalung über der Tür. An den Kamingesimsen wurde Stuck teilweise konserviert und vor dem weiteren Verfall geschützt. An einer Stelle fanden Bauarbeiter in einer Schalung noch Reste der historischen Stuckdecke. Für die Restauratoren ein Glücksfall, denn anhand der Bruchstücke und einiger Fotodokumente lässt sich möglicherweise die neue Decke dem alten Vorbild nachempfinden.

Wände waren wahrscheinlich bespannt

Der ganz große Sensationsfund bleibt auf Schloss Leuben aus. Arnulf Dähne: „Die Flächen über der Sockelmalerei sind meist hell und einfarbig gestrichen.“ Für den Restaurator ist dies der Hinweis darauf, dass die Wände in dem Barockschloss einst auf eine andere Art und Weise verziert gewesen sein müssen. „Wir haben die Theorie entwickelt, dass die Wände mit einem Stoff bespannt waren, vielleicht sogar mit einer frühen Art von Tapete. Dafür gibt es jedoch bisher nur ein paar Indizien“, sagt der Wissenschaftler. So ist es den angehenden Restauratoren gelungen, Nägelchen zu sichern, mit denen die Bespannung befestigt war. „An einem Nagel haben wir noch Faserspuren gefunden. Die werden wir auswerten und so hoffentlich feststellen, welches Material als Bespannung verwendet wurde“, sagt Anja Romanowski.

Vorstellung der Ergebnisse im unteren Gartensaal. Quelle: Hagen Rösner

Für die Diplomrestauratorin ist es gerade diese Spurensuche, die ihre Arbeit so spannend macht. „Wir sind in gewisser Weise Forensiker, wie man sie bei der Polizei kennt. Wir versuchen, aus vielen kleinen Puzzleteilen ein großes Bild zu zeichnen, aus dem sich dann ablesen lässt, wie es früher hier ausgesehen hat“, erzählt sie. Sämtliche Funde und Befunde werden in einem Raumbuch zusammengetragen. Auch wenn in dieser Woche die Zeit des internationalen Sommerlagers endet, sind die Restauratoren immer in Einsatzbereitschaft. Sollte bei den Bauarbeiten ein neuer Befund auftauchen, sind auch die Restauratoren wieder vor Ort.

Von Hagen Rösner

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