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Oschatz Region Oschatz: Mit sturen Eseln gegen hungrige Wölfe
Region Oschatz Region Oschatz: Mit sturen Eseln gegen hungrige Wölfe
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10:17 29.05.2018
Lara Elsner mit Eseln als Wolfsschutz in Schmorkau. Quelle: Christian Neffe
Schmorkau

„Dumm wie ein Esel“, „Stur wie ein Esel“ – den kleineren Abkömmlingen der Pferde werden vom Volksmund selten gute Eigenschaften zugesprochen. Nichtsdestotrotz erfreuen sie sich gerade bei den Jüngeren großer Beliebtheit als Streichelzoo-Insassen. Und erhalten seit einiger Zeit auch verstärkt Interesse aus der Landwirtschaft, insbesondere von Schaf- und Ziegenhirten. Denn Esel – so macht es derzeit die Runde – sollen sich bestens zur Abwehr von Wölfen eigenen.

„Es ist schon immer unser Traum gewesen, ein paar Esel zu besitzen“, erinnern sich Katja Elsner und ihre Tochter Lara. Gemeinsam mit Vater Ralf bewirtschaftet die Familie vier Felder rund um Schmorkau und besitzt zudem eine kleine Koppel mit einem knappen Dutzend Ziegen.

Esel stammen vom Oschatzer Schäfer Lothar Lippert

„Anfangs hielten wir hier noch Schafe“, so die 46-jährige Mutter. Die mussten sie aufgrund der Wolle, die man schlecht loswerde, aber abstoßen und stiegen fortan auf die Ziegen um. Seit einiger Zeit haben die Tiere zwei weitere Mitbewohner: Paula und ihr Halbbruder Emil.

Die beiden Esel stammen vom Oschatzer Schäfer Lothar Lippert. Der hatte sie einst auf Wunsch seiner Enkelin angeschafft, gab sie im vergangenen Jahr aber in die Hände von Familie Elsner. Die hat sie in erster Linie aus purer Freude an den Tieren aufgenommen. Die Abwehr von Wölfen spielte da nur eine kleinere, aber trotzdem gewichtige Rolle.

Esel Emil und Paula schützen Ziegen von Familie Elsner in Schmorkau bei Oschatz

Schäfer Lippert hingegen hält vom Esel als Mittel zur Wolfsabwehr wenig: „Da glaube ich nicht dran. Ich kenne auch keinen Schäfer in Sachsen, der darauf setzt. Wenn, dann geht es immer nur um Hunde.“

Niedersächsisches Pilotprojekt stellt Esel bereit

Andere Schäfer haben da gegenteilige Erfahrungen gemacht. In Niedersachsen beispielsweise, wo der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) einigen Hirten im Rahmen eines zweijährigen Pilotprojekts Esel bereitstellt, die vor allem auf Deichen zum Einsatz kommen sollen. Dort nämlich sind Herdenschutzhunde verboten.

„Aus der Schweiz und den USA wird von positiven Erfahrungen berichtet“, sagte NLWKN-Sprecher Achim Stolz gegenüber Spiegel Online. Der große Vorteil sei der günstige Unterhalt: Ein paar Möhren und ein wenig Heu – mehr benötigen die Tiere nicht. Auch könnten Esel mehr als 40 Jahre alt werden – Herdenschutzhunde könne man hingegen nur wenige Jahre einsetzen. Das Projekt läuft noch bis Ende 2018.

Esel rennen nicht weg, sondern stellen sich dem Wolf

Zur Wolfsabwehr eignet sich der Esel – zumindest theoretisch – durch seine sprichwörtliche Sturheit. Im Gegensatz zu Pferden, die in Stresssituationen flüchten, neigen Esel zum Innehalten und bleiben oft wie angewurzelt stehen. Grund dafür ist ihr natürlicher Lebensraum: Im schroffen Ödland und in felsigen Gebirgen würde eine kopflose Flucht zum Tode führen.

„Der Esel rennt nicht weg, er stellt sich dem Wolf“, berichtete auch der niedersächsische Schäfermeister Tino Barth. Seine Esel seien schon mehrere Male an der Innenseite des Zauns neben dem Wolf hergelaufen, hätten geschrien und getreten. „Ein Esel ist eine lebende Alarmanlage.“

Gegenüber Menschen schmusebedürftig

Zurück in Schmorkau. Lara Elsner schätzt Paula und Emil eigentlich wegen ihrer Geselligkeit: „Man kann sich auf die Wiese legen und die beiden kommen an und wollen kuscheln.“ Als die 15-Jährige die Koppel betritt, lassen die Tiere Laras Worten Taten folgen, lassen sich umarmen, streicheln und genießen das sichtlich.

Mit Wölfen haben es die Halbgeschwister zum Glück noch nicht zu tun bekommen. Bei einem der Hunde aus der Nachbarschaft würden sie aber auch schon mal zuschnappen, wenn der sich dem Gehege nähert, berichtet Lara.

Lamas sollen sich besser eignen

Ob das aber heißt, dass Paul und Emil auch im Ernstfall so reagieren und einen Wolf in die Flucht schlagen würden, ist ungewiss. Gegen einzelne Tiere könnten sich Esel wehren, gegen ein Rudel aber seien sie chancenlos, so Tino Barth.

Auch Ralf Elsner ist skeptisch: „Das könnte klappen – muss es aber nicht. Viele sagen ja auch, Lamas seien dafür besser geeignet.“

Von Christian Neffe

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