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Oschatz Mügelner Clique seit 28 Jahren zu Christi Himmelfahrt gemeinsam auf Tour
Region Oschatz Mügelner Clique seit 28 Jahren zu Christi Himmelfahrt gemeinsam auf Tour
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00:17 27.05.2017
Ralf Müller ,Torsten Haase, Holger Britt, Arne Schreiber und Falk Diettrich (von links) sind ein eingeschworenes Team und seit 28 Jahren zu Christi Himmelfahrt mit dem Drahtesel auf Tour. Quelle: Sven Bartsch
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Mügeln

Zum Großkampftag haben die Akteure des Himmelfahrtsvereins 1989 Mügeln GV seit nunmehr 28 Jahren Christi Himmelfahrt erklärt. Die Männer sind alle 46 Jahre alt und kennen sich seit 45 Jahren – seit der gemeinsamen Zeit in der Kinderkrippe. Die Schulzeit in Mügeln absolvierten sie ebenfalls zusammen, bevor jeder seinen eigenen beruflichen Weg ging. Doch eine eingeschworene Gemeinschaft sind sie auch heute noch. Jeder hilft jedem, wenn Unterstützung gefragt ist. Da könne man sich hundertprozentig auf jeden Einzelnen verlassen, sind sich die Männer einig.

Nicht so bierernst ist dagegen ihr ungewöhnlicher Verein zu nehmen, der in keinem Vereinsregister zu finden ist. Und Holger Britt, Falk Diettrich, Arne Schreiber, Torsten Haase, Ralf Müller, Michael Körner und Heiko Zwartek wollen es dem Spürsinn der Leser überlassen, was sich hinter der seltsamen Abkürzung GV im Vereinsnamen verbirgt.

Seit 28 Jahren ist die Mügelner Truppe am Himmelfahrtstag unterwegs, ein Rekord, den ihnen wahrscheinlich weit und breit niemand streitig machen kann. In jedem Jahr wird eine andere Route ausgewählt. Sie waren es beispielsweise auch, die als erste den Collmer Hochzeitsmarkt ansteuerten und sich dort von Standesbeamten Günter Schmidt für einen Tag trauen ließen – miteinander. Denn Frauen spielten dabei keine Rolle.

Morgen wird in Torgau gestartet und von dort geht es dann etappenweise zurück nach Mügeln, natürlich nicht, ohne unterwegs mit ihrem Outfit mächtig aufzufallen und zur Stärkung auf ein Bierchen einzukehren. „Grundsätzlich gibt es jedes Jahr eine andere Anzugsordnung. Aber kurze Hosen und Nicki sind Pflicht – egal, wie das Wetter wird“, sagt Holger Britt. „Wir sind schließlich Männer und keine Flachzangen“, kommt prompt ein Einwurf. So sei es beispielsweise vorgekommen, dass die Truppe bei heißen Temperaturen schweißgebadet unterwegs war oder auch bei sieben Grad Celsius im Regen mit gelben Säcken übergestülpt sich nicht die gute Laune nehmen ließ. Den heutzutage üblichen Begriff T-Shirt haben die Männer absichtlich aus ihrem Sprachschatz verbannt. „Wir legen wert darauf, Ossis zu sein, und da gab es Nickis“, erinnert Britt augenzwinkernd an frühere Zeiten. Schließlich sei man in der DDR groß geworden und dort auch nicht unglücklich gewesen. Geradelt wird stets mit Fahrrädern ohne Gangschaltung und aus DDR-Produktion stammend.

Natürlich wird der Tag umfassend vor- und nachbereitet. Dazu gibt es im Jahr fünf Termine. Zur ersten Himmelfahrtsbesprechung werden der Gruppenführer und der Kassenwart gewählt, jedesmal übernimmt das ein anderer. Außerdem gibt es Absprachen, wer Werkzeug, Sanitätsausrüstung, Telefon und Fotoapparat mitzubringen hat. Kurz vor dem Männertag findet dann das gemeinsame Räderschmücken in der Werkstatt von Dachklempnermeister Ralf Müller statt. Der Höhepunkt des Jahres ist für alle sieben der Himmelfahrtstag selbst. Da gelten für die Truppe eigene strenge Gesetze, auch was das weibliche Geschlecht betrifft. „Man kann an 364 Tagen im Jahr etwas mit Frauen unternehmen, aber nicht am Himmelfahrtstag“, spricht Britt deutliche Worte. Frauen seien an diesem Tag ausschließlich als Bedienpersonal gefragt. „Wer es dennoch wagt, eine Frau anzusprechen, zahlt ein Strafgeld.“ Das komme der gemeinsamen Kasse zugute. Ziel des Tages sei es, lediglich unter Männern gemeinsam Spaß zu haben, ohne Streit und um unterwegs beim Einkehren ein gepflegtes Bier zu trinken. Schnaps sei dagegen an diesem Tag völlig tabu. Während der Kassenwart in den Schänken stets die Zeche zahlt, die von der Startgebühr von 70 Euro pro Person beglichen wird, hat der Gruppenführer dafür zu sorgen, dass alle unbeschadet und ohne Blessuren den Tag überstehen sowie ordentlich und nicht sturzbetrunken wieder zu Hause ankommen. Diese verantwortungsvolle Aufgabe ist diesmal Falk Diettrich zugewiesen worden.

Schließlich darf die Nachbesprechung nicht fehlen und gibt es abschließend einen Chronikabend, denn alle Touren werden in Wort und Bild festgehalten.

Übrigens kneifen gilt nicht bei der jährlichen Tour. Wer sich drückt – nur Krankheit zählt – muss 55,55 Euro in die Gemeinschaftskasse blechen.

Von Heinz Großnick

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