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Mügelner Heimatgruppe schaut auf 20 Jahre schlesische Traditionspflege zurück

Jubiläum Mügelner Heimatgruppe schaut auf 20 Jahre schlesische Traditionspflege zurück

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden tausende Schlesier in Sachsen heimisch. Doch im Gegensatz zu ihren westlichen Landsmänner war die Traditionspflege in der DDR verpönt. Erst nach der Wende durfte sich in Mügeln die Heimatgruppe Liegnitz-Lüben gründen. Jetzt schauen die verbliebenen 55 Mitglieder der Heimatgruppe auf das 20-jährige Bestehen zurück.

Die Mitglieder der Heimatgruppe Liegnitz-Lüben feierten das 20-jährige Bestehen, 55 Frauen und Männer gehören dazu.

Quelle: Bärbel Schumann

Mügeln. Diesen Nachmittag haben 55 Frauen und Männer seit Wochen in ihrem Kalender vorgemerkt. Die meisten sind hochbetagt, mit grauem, schütterem Haar. Alle eint Heimat. Keine in Sachsen, sondern in Schlesien. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurden sie von dort vertrieben. In Sachsen fanden sie ein neues Zuhause. Denn Heimat ist dort, wo die Wurzeln liegen, bemerkt eine der Frauen erklärend. An diesem Nachmittag wird gefeiert, das 20-jährige Bestehen der Heimatgruppe, die im Mai 1996 gegründet wurde und in der Bundesgruppe Liegnitz organisiert ist. Mügelns Bürgermeister Johannes Ecke wird als Gast begrüßt, doch eigentlich ist er auch einer von ihnen, wie er erzählt. Ein Teil seiner Familienwurzeln liegen ebenso in der fernen, heute polnischen Region. Einige Verse überlieferter Mundart der Großmutter steuert er bei.

„1996 waren wir um die 140 Frauen und Männer“, erklärt Günter Hamann in seinem Rückblick anlässlich des Jubiläums. Seit 1999 lenkt er die Geschicke, unterstützt von einem rührigen Vorstand. Nicht nur aus der Mügelner Region kommen die Mitglieder zu den verschiedenen Veranstaltungen, sondern auch aus Mittelsachsen, Torgau, Grimma oder Meißen. Im August 1946 kam Hamann selbst, damals elf Jahre alt, mit seiner Familie nach Sachsen und zählte so zu den rund 22 000 Schlesiern, die in dieser Region angesiedelt wurden. Viele sind verstorben, nur wenige übrig geblieben, die sich aber noch immer regelmäßig treffen, um Erinnerungen auszutauschen, Brauchtum zu pflegen und so vor allem das Heimatgefühl wach halten. „In den 20 Jahren haben wir viel unternommen. Fahrten führten uns nicht nur in die Heimat. Wir haben uns zu Veranstaltungen getroffen, Mundart-Pflege betrieben, haben Schlachtfeste gefeiert oder Vorträge organisiert“, blickt Hamann auf das Engagement der Heimatgruppe an diesem Tag zurück. Im Jahr waren es mindestens sechs Veranstaltungen und eine Kurzfahrt. Zum letzten Mal führte eine die Heimatgruppenmitglieder 2012 in die Liegnitzer-Lübener Region, wo mancher der Vertriebenen inzwischen sogar Freunde unter den umgesiedelten Polen gefunden hat.

„Es ist aber weniger geworden. Nicht nur weil wir zahlenmäßig weniger geworden sind, sondern vor allem wegen des Alters“, erklärt der Vorstand. Dennoch versuchen viele der Schlesier mit Mühen nach Mügeln zu den Treffen in der „Sachsenkrone“ zu kommen. „Familie Thiele gebührt deshalb ein besonderes Dankeschön an diesem Tag“, sagt Hamann. Es gibt nicht nur dankenden Beifall, sondern auch Blumen für die Unterstützer der Heimatgruppe.

An bekannte Schlesier und verstorbene Gruppenmitglieder wurde an diesem Tag auch gedacht, ja mit Liedern und Versen ihnen eine besondere Reminiszenz erwiesen. Und natürlich darf dabei das bekannte Riesengebirgslied aus der Heimat nicht fehlen. Denn auch im neuen Zuhause werden Traditionen gepflegt. Längst haben in vielen Familien den Staffelstab nachfolgende Generationen aufgenommen.

„Ich hoffe, dass wir unsere Heimatgruppe, das Zusammengehörigkeitsgefühl noch lange erhalten können“, wünscht sich nicht nur Günter Hamann an diesem Nachmittag.

Von Bärbel Schumann

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