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Oschatz Mügelner Pferd Cappuccino geschlachtet - Staatsanwalt ermittelt
Region Oschatz Mügelner Pferd Cappuccino geschlachtet - Staatsanwalt ermittelt
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17:11 08.08.2012

Cappuccino hieß das Pferd. "Wir haben ihn mit der Flasche aufgezogen", erzählt Silvia Morgner. Die Mügelner Pferdezüchterin hat sich mit ihrem Lebensgefährten Ralf Kirschner liebevoll um das Tier gekümmert, nachdem dessen Mutter bei der Geburt starb. Dann erlitt Cappuccino auch noch einen Hüft- riss, als er einer anderen Stute aus der Zucht zu nahe trat. Tagelang bangte Silvia Morgner, ob sich das Fohlen wieder aufrappeln könnte. Das Leben des Tieres stand auf der Kippe, konnte aber gerettet werden. Das Pferd tollte auch wieder herum. In dieser Phase bekam der Knabstrupper noch seinen zweiten Namen: Plumps. "Er ist immer überall reingefallen, sogar in den Wassertrog", erinnert sich Silvia Morgner lächelnd. Von der Verletzung war ein Hüftschiefstand geblieben. "Zum Reiten konnte man ihn nicht nutzen, aber als Beisteller." Genau als solcher sollte Cappuccino den Rest seines Lebens verbringen. Mitte Januar 2012 gab Silvia Morgner das Tier mit der Stute der Oschatzerin

Annett Loth in die Hände des Langenauer Pferdezüchters und Hufschmieds Siegfried Degenhardt. "Herr Degenhardt meinte, dass es sinnvoll sei, beide Tiere gemeinsam bei ihm unterzubringen. Da sie zuvor schon auf einer Weide standen." Etwas Negatives konnte die studierte Juristin nicht über den Harthaer herausfinden. Guten Gewissens habe sie ihr Pferd weggegeben.

Beide Parteien handelten einen Schutz- und Schenkungsvertrag aus. Ein Punkt darin: "Sollte das Pferd aus verschiedensten Gründen nicht beim Beschenkten verbleiben, soll es zunächst der Schenkerin zur Rücknahme angeboten werden." In einem Internetforum ist zu lesen, dass diese Schutzverträge das Papier nicht wert seien, auf dem sie stehen. Zusätzlich wurde ein Besuchsrecht vereinbart.

"Schon am folgenden Wochenende wollten wir das Pferd besuchen", sagt Ralf Kirschner: Doch bereits vorher erhielten die Mügelner einen Anruf durch eine Bekannte. Der Knabstrupper Plumps sei woanders aufgetaucht und über ungeklärte Wege zu einem Schlachter gelangt. Der machte kurzen Prozess.

"Das Pferd war einfach nicht lebensfähig. Es konnte nicht laufen. Sobald es aufgestanden ist, fiel Plumps wieder um", sagt Siegfried Degenhardt. "Hätte ich das beim Aufladen mitbekommen, hätte ich es nie mitgenommen." Der Harthaer Hufschmied behauptet: Er hat Zeugen, dass er die Rücknahme des Pferdes angeboten hat. Doch das habe Frau Morgner nicht interessiert. Die Mügelnerin habe im Nachhinein überall Stress gemacht. In Zukunft laufe alles über einen Anwalt. Als Hintergrund der ganzen Geschichte vermutet Degenhardt die schwierige Lage auf dem Pferdemarkt. Es werde alles ein wenig zurückgefahren - Deck- und Zuchtkosten stiegen. Zudem: "Hufschmied und Hufpfleger verstehen sich eben nicht", sagt Degenhardt. Der Harthaer ist Hufschmied. Der Mügelner Ralf Kirschner sei Hufpfleger.

Doch der Kampf am Maschendrahtzaun der Pferdekoppeln hat noch eine weitere Dimension. "Ich war damals schwanger, und Herr Degenhardt hat mich am Telefon bedroht. Er meinte, wenn wir nicht Ruhe geben, dann brennt er unseren Stall ab", sagt Silvia Morgner. Dazu winkt Degenhardt nur ab, bedroht habe er niemanden.

Die Mügelnerin Silvia Morgner erstattete Anzeige bei Gericht. Der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft erklärte: Das Verfahren und die Ermittlungen laufen noch.

Hochrechnungen des Markforschungsinstitutes Ipsos haben ergeben, dass es in Deutschland mehr als eine Million Pferde und Ponys gibt. Damit hat sich die Pferdepopulation in Deutschland in den vergangenen 40 Jahren etwa vervierfacht.

Nach Angaben des World Conservation Monitoring, einer internationalen Datenbank für Naturschutz unter dem Dach der Vereinten Nationen, gibt es derzeit weltweit mehr als 60 Millionen Pferde.

Rund 1,24 Millionen Menschen ab 14 Jahren betreiben regelmäßig Pferdesport. Rechnet man Jugendliche bis 14 Jahre hinzu, ergibt sich eine Gesamtzahl von 1,6 bis 1,7 Millionen Reitern, Fahrern und Voltigierern in Deutschland.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (Fédération Equestre Nationale, FN), der nationale Dachverband des Pferdesportes, ist die weltweit größte Pferdesport-Vereinigung. Innerhalb des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) rangiert die Deutsche Reiterliche Vereinigung mit 727 980 Mitgliedern in 7707 Reit- und Fahrvereinen an achter Stelle.

www.pferd-aktuell.de

Matthias Pöls

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