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Oschatz Mügelner Ziegenbauern setzen auf handgemachten Käse
Region Oschatz Mügelner Ziegenbauern setzen auf handgemachten Käse
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06:04 30.04.2018
Eine Weide mit Ausblick: Im Obstland südlich von Mügeln lebt die Ziegenherde des Caprinenhofs Lichteneichen von Sven Kloy (Foto) und Katja Loßner.
Lichteneichen

Gerade einmal zwei Häuserzeilen machen Lichteneichen aus. Der winzige Ortsteil im Süden von Nordsachsen gehört zur Stadt Mügeln und ist das Zuhause von nicht einmal 100 Einwohnern. Und 50 Ziegen. Die gehören zum Caprinenhof von Sven Kloy und Katja Loßner und sind täglicher Lieferant von Ziegenmilch, aus der die angestellte Tierärztin und der Kfz-Mechaniker verschiedene Käsesorten herstellen. In Handarbeit und Bio-Qualität.

Seit 2013 baut das Paar den kleinen Hof im Nebenerwerb in der hügeligen Obstlandgegend auf. Obwohl beide immer schon mit Tieren zu tun hatten – Sven Kloy war früher Rassegeflügelzüchter – waren Ziegen Neuland für sie. „Purer Zufall“ sei das gewesen, erinnert sich Kloy an den Abend vor einigen Jahren, als er beim Durchschalten der Fernsehkanäle an einer Sendung über einen Berliner Diskobesitzer hängenblieb, der in der Hauptstadt seine Zelte abbrach, ins Allgäu zog, um dort Ziegenkäse herzustellen. „Das hat mich begeistert“, blickt der 37-Jährige zurück. Die Geflügelhaltung sei kein einträgliches Hobby gewesen, die Aussicht, sich mit Tieren tatsächlich ein zweites Standbein aufbauen zu können, habe ihn gereizt.

Ziegen auf dem Caprinenhof Lichteneichen bei Mügeln. Quelle: Jana Brechlin

Zuerst sind zwei Ziegen auf dem Hof eingezogen, mit deren Milch fortan an Rezepten gefeilt wurde. „Wir haben uns in Büchern informiert, Stück für Stück gelernt und mit unseren Freunden immer wieder Käse verkostet“, blickt Sven Kloy auf die Anfänge zurück. Aktuell gehören 50 Tiere zum Bestand, davon 18 melkende Ziegen. Ziel ist es, die Zahl der melkenden Tiere schrittweise auf 40 zu erhöhen. Dann will Kloy auch eine Schulung beim Milchverband absolvieren, um sich seine Käserei-Kenntnisse schriftlich geben zu lassen.

21 Liter Milch pro Melkgang

Wenn die Herde deutlich gewachsen ist, hält voraussichtlich auch eine Melkanlage Einzug auf dem Hof in Lichteneichen. Im Moment melken Katja Loßner und Sven Kloy ihre Tiere zweimal am Tag noch per Hand. Rund eine dreiviertel Stunde brauchen sie dafür und gewinnen so bei jedem Melkgang durchschnittlich 21 Liter Ziegenmilch – wobei die Milchleistung übers Jahr variiert. Und die ersten acht Wochen nach der Geburt der Ziegenlämmer sind für den Nachwuchs reserviert.

Anglo-Nubier geben gehaltvolle Milch

Die Anglo-Nubier geben eine gehaltvolle Milch, weiß der Züchter: Viel Fett und Eiweiß und dazu ein milder Geschmack bilden die Grundlage für die späteren Käseprodukte. „Man schmeckt sogar, ob die Tiere den Winter über Heu fressen oder im Sommer Wiesenkräuter“, versichert Sven Kloy. In der eigenen Küche kommt ausschließlich Ziegenmilch auf den Tisch. „Die wenigsten Menschen kennen doch einen Pudding, der aus echter Vollmich gemacht wird. Hier wird nichts tot gekocht – und das schmeckt man.“

Ursprünge in Nordafrika und England

Entstanden sei die Rasse, weil Engländer einst aus Ägypten widerstandsfähige Tiere mitgebracht hatten, die sich in Nordafrika hauptsächlich von Baumrinde ernährten. Auf den britischen Inseln wurden die Tiere dann mit englischen Landziegeln gekreuzt. Dabei sind langbeinige Tiere in allen Fellzeichnungen und mit den typischen Schlappohren heraus gekommen. Es gibt die Ziegen mit und ohne Hörner – in Lichteneichen setzt man auf die ungehörnte Variante. „Damit können wir auf dem Caprinenhof von Anfang an Verletzungen ausschließen.“ Der Hofname leitet sich übrigens vom lateinischen Begriff für Ziege ab. „Der Name ,Ziegenhof’ war uns zu schnöde, ,Caprinenhof’ klingt doch viel schöner“, ist sich das Paar einig.

Zutrauliche und ruhige Tiere

Neben der milden und reichhaltigen Milch war es auch das Wesen der Anglo-Nubier, das die jungen Hofbetreiber überzeugte. „Das sind ganz liebe, ruhige Tiere, die kaum meckern – man hört sie fast nicht“, beschreibt Katja Loßner. „Sie sind sehr zutraulich, wollen gestreichelt werden und einfach dabei sein.“ Die 38-Jährige war früher selbst kein Freund von Ziegenkäse – zu „ziegig“ seien ihr die meisten Produkte gewesen. Anders der Joghurt und Käse, die in der kleinen Hofkäserei auf dem Caprinenhof entstehen. „Ich selber bin auch bekehrt worden, einfach weil die Milch viel sahniger und milder schmeckt, als man es von Ziegen erwarten würde“, beschreibt sie. Der Vorteil sei zudem die gute Bekömmlichkeit. „Zu uns kommen Menschen, die mit Laktose-Intoleranz zu kämpfen hatten und den Käse von uns aber gut vertraten. Diese Kunden sind sehr dankbar, dass sie so etwas jetzt wieder essen können“, hat Katja Loßner erfahren.

Den Wetterbericht im Blick

Knapp fünf Kilogramm Weichkäse werden täglich in Handarbeit hergestellt, dazu kommen noch einmal zwei- bis dreimal pro Woche jeweils sieben Kilogramm Frischkäse. Mittlerweile sitzen die dafür nötigen Handgriffe – vom Pasteurisieren über das Salzen und Verpacken – ganz automatisch. Trotzdem bleibt der tagelange Prozess, bis der fertige Käse ausgeliefert werden kann, spannend. „Käse braucht ein konstantes Klima. Ein Sommergewitter ist das Schlimmste, was passieren kann“, berichtet Sven Kloy von seinen Erfahrungen, „da kann man schnell eine ganze Käseproduktion verlieren.“

Kurze Wege zur Vermarktung

Ausgeliefert werden die handgemachten Leckereien nur in die nächste Umgebung: Zum Biohofladen von Axel Heinze in Thalheim etwa oder in den Hofladen Paulsen nach Luppa, in den Grünen Laden Mügeln, ins Hofgut Pulsitz oder in die Küche des Motorsoul Resorts nach Mutzschen. „Kurze Wege zum Verkauf passen zu unserer Philosophie von Bio-Landwirtschaft. Außerdem sind wir auf Frischemärkten und freuen uns, wenn wir dort auch mit Kunden ins Gespräch kommen und die Gelegenheit haben, uns vorzustellen“, sagt Sven Kloy.

Langsam, aber gesund wachsen

Die Nachfrage sei sehr gut, nicht immer sei jeder Käse verfügbar. „Aber wir wollen langsam wachsen“, hat sich das Paar vorgenommen. „Alles, was wir bisher verdient haben, fließt wieder in den Betrieb“, sagt Kloy. Auf mittlerweile 14 Hektar Fläche weiden seine Anglo-Nubier um Lichteneichen, zum Beispiel auf kleinen Stücken der Obstlandbauern, die sich sonst kaum bewirtschaften lassen. Aus einem alten Bienenwagen wurde ein Stall, der Melkstand ist selbstgebaut und die Internetseite des Caprinenhofs betreut eine Freundin der Familie. „Hier hilft einer dem anderen“, freut sich Kloy und räumt ein, dass dieser Weg, den Betrieb im Nebenerwerb zu entwickeln, sicher langwierig sei. „Aber dafür brauchen wir auch keinen großen Kredit und wachsen in gesundem Tempo.“

Naturnahe Tierhaltung

Auch von Anfang an konsequent auf Bioqualität zu setzen, sei richtig gewesen. Das oft gehörte Argument, das Biolandwirtschaft mehr Arbeit mache, könne sie nicht nachvollziehen, meint Katja Loßner. „Wir leben das von Anfang an und wollen so natürlich wie möglich produzieren“, sagt sie. Denn viele Kunden interessiere tatsächlich, wie der angebotene Käse hergestellt werde. „Auch die Tierhaltung ist Verbrauchern wichtig“, hat Sven Kloy erfahren, „wir können aus erster Hand berichten, wie unsere Ziegen leben.“ Dazu gehört, dass die Herde immer ins Freie kann, aber nicht muss: Die Anglo-Nubier sind Schönwetter-Freunde. „Ein klarer Wintertag macht ihnen nichts aus, Regen aber mögen sie nicht unbedingt. Ihnen fehlt das Wollfett, wie es zum Beispiel Schafe haben. Das heißt: Wenn eine Ziege im Regen steht, wird sie nass“, berichtet Kloy.

Der Caprinenhof Lichteneichen ist gemeinsam mit weiteren Anbietern am 28. April, 9 bis 14 Uhr, auf dem Biobauern-Frühlingsmarkt im Kloster Marienthal in Sornzig bei Mügeln.

Von Jana Brechlin

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