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Mügelns Altbürgermeister bastelt an Oldtimer-Motorrad

Technik Mügelns Altbürgermeister bastelt an Oldtimer-Motorrad

Einst war Gotthard Deuse Bürgermeister von Mügeln, heute schraubt der 67-Jährige lieber an seinem Oldtimer-Motorrad herum. Die 1956 gebaute Sport-AWO stammt noch von seinem Vater. Und: Sie ist nicht der einzige Oldtimer im Besitz des Schwetaers.

Gotthard Deuse mit seiner AWO.

Quelle: privat

Schweta. Stolz blickt Gotthard Deuse auf eines seiner Erbstücke, ein Motorrad aus dem Jahr 1956. „Es ist nicht einfach nur ein Motorrad. Es ist eine Sport-AWO. Es ist beeindruckend. Diese Modelle haben einen Viertakt-Motor – der Einzige, der zu DDR-Zeiten gebaut wurde. Sonst gab es nur noch die MZ. Diese besaß aber nur einen Zweitakt-Motor“, erklärt der Schwetaer. Die Sport-AWO stammt noch von seinem Vater. Später kam ein Seitenwagen aus dem Jahr 1961 hinzu. Es ist ein Familienstück, das Gotthard Deuse später einmal an seinen Enkelsohn, heute 13 Jahre alt, weitergeben möchte. Dafür möchte er das Motorrad weitestgehend in seinem ursprünglichen Zustand belassen. „Ich möchte den Nachkommen zeigen, wie diese Maschine früher aussah. Obwohl ich zugeben muss, dass ich als junger Bursche auch einige Teile verchromt habe – die Lampenhalter, die Felgen und die Seitenbleche des Werkzeugkastens. Die ursprünglichen Teile sind aber noch da und können wieder ausgetauscht werden.“

Beim Begutachten der Sport-AWO gerät der 67-Jährige ins Schwärmen. „Die Maschine hat einen Magnetzünder. Unabhängig von der Batterie ist der Zündfunken zum Starten des Motors durch den Zündmagneten erforderlich. In den Tank wird kein Gemisch gefüllt, sondern blankes Benzin. Bei einem Zweitaktmotor wird mit Öl gemischt“, erklärt er. Noch heute fährt der Mügelner Altbürgermeister mit diesem Fahrzeug. Angemeldet ist es von April bis Oktober. „Früher haben wir die ganze Familie damit transportiert. Meine Frau und ich auf der Sport-AWO und die beiden Kinder im Seitenwagen. Mit einem solchen zu fahren ist nicht einfach. Man muss sich richtig in die Kurven legen. Fährt man ohne Seitenwagen, muss ein anderer Kardan-Antrieb genutzt werden, der die Übersetzung anders darstellt. So kann man eine Geschwindigkeit von bis zu 120 Kilometer pro Stunde erreichen. Mit dem Wagen etwa 80 Stundenkilometer.“

Mit der Sport-AWO in den Urlaub

Mit Sport-AWO und Seitenwagen ging es dann auch in den Urlaub. Ab bis zum Knappensee bei Hoyerswerda und zu vielen anderen Orten in der Region. Schöne Erinnerungen seien das. Auch daran, dass sein Enkelsohn erst gar nicht in den Seitenwagen steigen wollte. „Er hatte Angst. Doch nachdem wir etwas auf dem Hof gefahren waren, wollte er sofort, dass ich auf die Straße fahre und mit ihm einen kleinen Ausflug mache.“ Gotthard Deuse muss schmunzeln. Ja, einiges haben sie mit dem Motorrad erlebt. Doch die Sport-AWO ist nicht der einzige Oldtimer, den er auf seinem Grundstück stehen hat.

Denn direkt daneben steht ein Tatran-Roller aus dem Jahr 1968 aus Tschechien. Diesen haben sie von einem Bekannten abgekauft. „Den möchte ich über den Sommer wieder flott machen. Der Zweitakt-Motor muss geöffnet werden. Hier wird über ein Kübelgehäuse Luft rausgesaugt. Wenn der Simmerring nicht in Ordnung ist, fährt er nicht. Ich muss den Auspuff erneuern, die Bremsen überholen und neue Batterien einsetzen. Auch die Fußbleche müssen neu gespritzt werden. Andere Teile vielleicht auch. Aber ich würde es lieber alles so belassen, wie es mal war. Lackieren werde ich höchstens die Stellen, auf denen ich Rostschutz aufgetragen habe.“ Deuse will das Spiegelglas ersetzen und neue Speichen fehlen auch noch. „Die Speichen sind schon sehr alt und vergammelt. Es müssen neue Felgen her. Die Reifen haben aber noch ein gutes Profil“, sagt er, während er sie mit einem starken Händedruck überprüft. Die Arbeit am Roller sei überschaubar. Noch in diesem Jahr will er die Maschine vom Tüv abnehmen lassen.

Studium an der Fachhochschule für Dieselmotoren

Warum Gotthard Deuse sich so gut auskennt? Er selbst hat nach dem Abitur mit Berufsausbildung „Landmaschinen-Traktorenschlosser“ und nach seiner Armee-Zeit 1969 ein Studium zum Diplom-Ingenieur an der Fachhochschule für Dieselmotoren absolviert. „Was man einmal gelernt hat, vergisst man nicht – das ist wie mit dem Fahrrad fahren. Ich mache das sehr gerne. Es ist ein schöner Ausgleich. Ich denke, dass ich die Arbeiten bis zum Herbst geschafft haben werde.“

Der Tatran-Roller aus dem Jahr 1968

Der Tatran-Roller aus dem Jahr 1968.

Quelle: privat

Doch zurück zum Roller: „Der hat schon einen Starter mit Schlüssel. Also keinen Kickstarter. Der Roller war damals die ideale Anschaffung für meine Tochter. Sie hat die Maschine hauptsächlich gefahren“, so Gotthard Deuse. Sie war es auch, die den Roller mit einem großen grünen Kleeblatt verzierte. „Es war für sie ein Glücksbringer. Und er hat ihr auch immer Glück gebracht. Toi, toi, toi, es ist nie etwas passiert“, sagt er und klopft auf Holz. Gotthard Deuse hat auch immer ein Auge auf den Roller geworfen um sicher zu gehen, dass er einwandfrei in Schuss ist. Doch nun wurde er schon seit Langem nicht mehr in Betrieb genommen. Das soll sich ändern.

Später kam noch ein etwas größerer Oldtimer hinzu. Dieser fährt statt auf zwei auf vier richtig großen Reifen. Er half bereits beim Gestalten des Hofes, schleppte schwere Steine und gelegentlich mäht er auch mal den Rasen. Gotthard Deuse schaffte sich den Traktor Yanmar an, da er einen Frontlader besitzt. Die Zulassung ist da, aber bevor es diese gab, musste der Traktor noch ausgerüstet werden. Es gab neue Lampen, Blinklichter wurde angebaut. „Ich habe mir einen Schneepflug zugelegt. So bekomme ich ohne Weiteres den Schnee vom Hof runter. Auch zwei Gabelstaplerlatschen kann man anbringen. Es ist ein Traktor, den man wirklich vielseitig einsetzen kann.“ Für den Straßenverkehr war die Maschine ursprünglich nicht zugelassen. So wurde alles neu verkabelt und nun kann der Altbürgermeister damit auch auf der Straße fahren. „Der Traktor ist aus Japan, ich schätze, das Baujahr war 1985. Ich habe ihn mir vor knapp fünf Jahren zugelegt und auch vom Tüv abnehmen lassen“, sagt er zufrieden. Damit ist seine Sammlung an Oldtimern fast abgeschlossen.

Maßnahmen gegen Langfinger

Um sicher zu gehen, dass keine Langfinger versuchen, seine Errungenschaften zu stehlen, hat er auf seinem Grundstück verschiedene Maßnahmen ergriffen, um diese zu schützen. Er habe für Freunde auch schon einmal einen alten Trabant 601 überholt. Dabei mussten der Motor und die Bremsanlage repariert werden. Der Trabant fährt nun am Bodensee weiter. Ob er sich irgendwann noch mal eine Maschine zulegen möchte, kann der Schwetaer heute noch nicht sagen. Vorstellen kann er es sich, liebt er es doch, diese wieder fahrtüchtig zu machen. Das weckt in ihm Erinnerungen.

„Als junger Bursche waren wir viel mit unseren Motorrädern unterwegs. Während ich auf der Sport-AWO saß, fuhr mein Bruder eine 150er MZ“, erinnert er sich. Mit den Kumpels ging es dann gemeinsam an die Ostsee, nach Kühlungsborn. „Als Jugendliche sind wir ständig gefahren. Natürlich auch, um den Mädels zu imponieren“, sagt er lachend. Für seinen Enkel will er noch einmal in seiner Garage nachsehen. Denn irgendwo hier hat sich noch eine Simson S 51 versteckt. Die Maschine stammt aus dem Jahr 1984. „Die Simson will ich überholen und wenn er alt genug ist, meinem Enkelsohn Dominik zur Verfügung stellen.“

Gemeinsam sind die beiden viel unterwegs. Die anfängliche Angst vor dem Motorrad ist längst verflogen. Gemeinsam meistern sie den Schulweg, gehen in den Wald, mit dem Hund spazieren und packen auf dem Hof mit an. Und vielleicht, ja vielleicht wird Gotthard Deuse eines Tages gemeinsam mit Dominik an einem nächsten Oldtimer herumschrauben.

Von Kristin Engel

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