Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Oschatz Mügelns gefährliche Umgehungsstraße: Bei Kraftfahrern wächst der Frust
Region Oschatz Mügelns gefährliche Umgehungsstraße: Bei Kraftfahrern wächst der Frust
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:29 25.12.2015
Zuletzt krachte es am 15. Dezember auf der Ortsumgehung Mügeln am Abzweig Schweta, wobei eine Frau schwer und eine Frau leicht verletzt wurden.  Quelle: Foto: Dirk Hunger
Anzeige
Mügeln

 Der Frust über die neue Umgehungsstraße Mügeln/Schweta wird immer größer. Seit der Eröffnung im Januar 2014 haben sich dort bereits mehrere schwere Verkehrsunfälle mit Toten und Verletzten ereignet. Trotzdem sehen die zuständigen Behörden keinen Handlungsbedarf, sprechen sogar davon, dass es sich dort um keinen Unfallschwerpunkt handele. Das bekam Mügelns Bürgermeister Johannes Ecke (Freie Wählervereinigung Mügeln) schwarz auf weiß vom Leiter des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) in Dresden auf Eckes Anfrage für einen Gesprächstermin. Er lehnte lapidar ab, sei nicht zuständig und verwies auf die Kreisbehörde. Deren Leiter des Straßenverkehrsamtes Klaus Huth ließ im August 2014 in einem Schreiben wissen: „Bauliche Defizite der neu errichteten Verkehrsanlage lassen sich bisher nicht feststellen.“ Man werde das Unfallgeschehen aber weiter beobachten und auswerten. Mittlerweile haben sich auf der gefährlichen Piste mehr als zehn Verkehrsunfälle – auch mit Toten und Schwerverletzten – ereignet.

 Die Tatenlosigkeit wollen Mügelns Bürgermeister und besorgte Bürger nicht mehr weiter hinnehmen. „Ich habe mich mit dem Lasuv in Richtung Änderung oder Entschärfung im Kreuzungsbereich, hauptsächlich in Schweta und der Zeichaer Straße, auseinander gesetzt, wollte einen Gesprächstermin, um die Situation zu erläutern. Das ist abgewiesen worden. Polizei und Landratsamt haben jetzt die Zeichaer Straße als Unfallschwerpunkt erkannt und aus allen Richtungen Stopschilder angebracht“, erinnert und informiert Ecke über den jüngsten Stand.

Dennoch habe sich natürlich an der schlechten Einsichtnahme der Fahrbahn sowohl von links als auch rechts nicht geändert. Ecke äußert seinen Unmut darüber, dass seitens der Behörden nicht reagiert werde. „Nichtsdestotrotz werde ich nochmals das Gespräch mit Landratsamt und Polizei suchen, um zu klären, wie wir weiter kommen. Ich sehe dringenden Handlungsbedarf. Wie viele Tote muss es noch geben?“, macht der Bürgermeister seinem Ärger Luft.

Das Thema Todespiste in Mügeln nimmt inzwischen auch auf Facebook einen immer breiteren Raum bei Usern ein. „Ich habe eine Seite ins Leben gerufen, wo sich Menschen über die Gefahrenstellen äußern und austauschen können. Wie viele Menschenleben soll die Straße noch kosten?“, fragt sich auch Kai Scheller aus Mügeln. Nach Recherchen des 32-Jährigen haben sich auf der Straße bei Schweta mindestens vier oder fünf schwere Unfälle ereignet. „Für mich ist es offensichtlich, dass bei der Planung Fehler unterlaufen sind. Wenn man an der zweiten Einmündung von Schweta kommt, behindert der Erdwall im Kreuzungsberich die Sicht. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 Kilometer pro Stunde reicht nicht aus“, ist der Mügelner fest überzeugt. Mit relativ einfachen Mitteln wie Temposchwellen oder dem Einsatz von Blitzern könnte aus seiner Sicht die Situation entschärft werden. „Ein Kreisverkehr wäre ideal, ist aber wohl mehr als unwahrscheinlich. Auf jeden Fall sollte etwas getan werden. Es müssen noch mehr Leute auf die Barrikaden gehen, um die Behörde zu zwingen. Sie müssen schließlich für die Bürger da sein“, verdeutlicht Scheller.

Die Facebook-Seite „Ortsumgehung Mügeln. Unfälle reduzieren. Jetzt.“ dokumentiert seit Mitte Dezember nicht nur das Unfallgeschehen und ruft dazu auf, Vorschläge zu sammeln. Kai Scheller regt zur direkten Auseinandersetzung mit den zuständigen Planern und Behörden an. Mehrheitlich fordern die im Netz Aktiven ebenfalls Ausbesserungen und Maßnahmen gegen Raserei – vom stationären Blitzer über Fahrbahnschwellen bis hin zu Kreisverkehren. Außerdem wird auf der Seite darauf hingewiesen, dass kurz vor Ende der Strecke an der Grundschule „Auf der Höhe“ in Neusornzig ein besonders hohes Unfallrisiko besteht, da hier regelmäßig Kinder unterwegs sind. Aktuell haben 313 Menschen Interesse an der Seite (Stand: gestern).

Einen scharfen Ton schlägt auch Rosemarie Wandersee aus Schweta an. „Ich komme mir vor, als ob wir Menschen zweiter Klasse sind. Wenn ich mit dem Auto vor der Kreuzung in Schweta stehe, fange ich jedesmal an zu zittern. Meine Sportfreundin ist dort tot gefahren worden. Überall werden Kreisverkehre errichtet, warum nicht dort?“ Mittlerweile habe es nach ihrer Kenntnis mindestens vier Tote gegeben. „Auf der gesamten Straße gibt es nichts Verkehrsberuhigendes. An die Tempobegrenzung von 70 Kilometer pro Stunde hält sich niemand und ich habe auch noch nicht erlebt, dass dort geblitzt wird.“ Die 65-Jährige hat 15 Jahre lang im Stadtrat Oschatz gearbeitet und sieht nicht ein, dass an dieser Stelle nichts getan werde. „Es werden so manche Gelder verschwendet, statt sie an der richtigen Stelle einzusetzen. Die Einsicht an der Kreuzung ist sehr schwierig. Dort muss unbedingt ein Kreisverkehr hin. Jeder schiebt die Verantwortung vom Tisch. Das geht so nicht auf und wird auf Kosten der Bürger ausgetragen.“

Von Heinz Großnick und Christian Kunze

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

2011 hat der Oschatzer Stadtrat ein Grundschulkonzept beschlossen. Jetzt haben die Abgeordneten eine Fortschreibung des Konzeptes auf den Weg gebracht. Dieses Konzept beinhaltet auch den Bau einer neuen Zweifelder-Sporthalle für die Oberschule und die Grundschule. Doch bis die Halle kommt, dauert es noch.

25.12.2015

Die sächsische Bildungsagentur prüft, ob an der Grundschule Dahlen eine Klasse, an der für junge Flüchtlinge Deutsch als Zweitsprache (Daz) unterrichtet wird, eingerichtet werden kann. Darüber informierte Bürgermeister Matthias Löwe (WHD) kürzlich die Stadträte. Die Stadt werde zu diesem Vorhaben angehört.

21.12.2015

Der „Wutbürger“ hat es oft gefordert: Sollen Politiker doch selbst Flüchtlinge aufnehmen. Dabei gibt es auch in Sachsen schon Beispiele für häusliche Integration. Der CDU-Politiker Frank Kupfer beherbergt Asylsuchende in seinem Haus in Oschatz, Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) auf ihrem Dreiseithof in Grimma.

21.12.2015
Anzeige