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Mühle und Gasthaus Mannschatz

Mühle und Gasthaus Mannschatz

Das Dörfchen Mannschatz nordöstlich von Oschatz an der Döllnitz gelegen, seit 1951 mit Schmorkau zusammengelegt und 1974 gemeinsam mit Schmorkau nach Oschatz eingemeindet, war einst von seinem Rittergut bestimmt und unter anderem durch den Weinanbau, die Merinoschafzucht und eine unterschlächtige Wassermühle über die Dorfgrenzen hinaus bekannt.

Mannschatz.

 

Der angebaute Wein soll nicht von bester Qualität gewesen sein und hat wohl auch nicht den Ausschank in die Gasthäuser gefunden. Anders dagegen die Schafzucht. Der aus Kolochau bei Herzberg/Elster stammende Carl August Gadegast (1791-1865) pachtete 1810 das Oschatzer Thalgut und brachte die bekannten spanischen Merinoschafe aus Lohmen mit, wo er das dortige Gut verwaltet hatte. Die Zucht der Schafe muss sehr lohnend gewesen sein, denn 1817 kaufte Gadegast das Thalgut und 1838 das Rittergut Mannschatz mit der Mühle. So kamen die begehrten Merinoschafe und die Zucht nach Mannschatz. Die Zucht wurde in den folgenden Jahrzehnten von seinem Sohn Robert Carl und Enkelsohn Otto erfolgreich fortgesetzt und erlangte Weltruf.

 

Diese Berühmtheit hat die erstmalig 1399 erwähnte unterschlächtige Mühle, vom Wasser der Döllnitz angetrieben, nie erreicht. Wann in dieser Mühle eine Gastwirtschaft eingerichtet wurde, ist ungewiss. Sicher ist, dass im 19. Jahrhundert der Müller Ernst Strehle neben seiner Mühle schon eine Restauration bewirtschaftete. Er verkaufte das Grundstück 1898 an Anton und Maria Roßberg, die aber mit ihrer "Mühle und Restauration" nicht sehr froh wurden. Zunächst zerstörte ein Brand 1904 das Wohn- und Mühlengebäude und dann erregte die Nutzung der 1905 im Nebengebäude errichteten Kleinviehschlachtanlage Widerspruch und Ärgernis. Die Hausherrin hatte die Absicht, das Schlachthaus auch als "Waschlokal" für ihre Wäsche zu nutzen. Sie wurde angezeigt, zunächst ermahnt, ging bei der Amtshauptmannschaft Oschatz in Einspruch und musste dann bei Strafandrohung klein beigeben. Mit der Hygiene hatte man offensichtlich in dieser Zeit noch nicht so viel im Sinn.

 

In dem nach dem Brand wieder aufgebauten Wohn- und Mühlenhaus wurde im Erdgeschoss eine Gastwirtschaft mit zwei Gastzimmern, Küche und Buffet eingebaut. So konnten Gasthaus, Mühle und Landwirtschaft ihren Besitzern und Pächtern die Lebensgrundlage sichern. Ein erneuter Brand 1912 war trotz des schnellen Wiederaufbaus dem Anwesen nicht zuträglich gewesen. Die weitere Bewirtschaftung der Mühle und der Gastwirtschaft wechselte danach ständig. Nach Richard Reuschel, Gustav Arnold, Heinrich Jentzsch, Bernhard Daume, Alfred Zschäbitz und Johannes Storl erwarb der aus Gebersreuth, heute ein Ortsteil der Stadt Gefell in Thüringen, stammende Franz Wurlitzer 1930 das Grundstück. Die noch wirkende Weltwirtschaftskrise hinterließ auch in der Mühle und Gastwirtschaft ihre Spuren. Zudem herrschte eine dramatische Wohnungsnot. All das wird Franz Wurlitzer 1940 veranlasst haben, den Mühlenbetrieb stillzulegen und die frei werdenden Räume zu Wohnungen umzubauen. Seinen Antrag begründete er allerdings mit seinem Alter und gesundheitlichen Problemen. Die Gaststätte war davon nicht betroffen.

 

Seine Umbaupläne wurden im gleichen Jahr vom zuständigen Arbeitsamt Riesa wegen Materialmangels abgelehnt. Auch sein Versuch, im Oschatzer "Café Preiß" vor den versammelten Entscheidungsträgern der NSDAP seine Pläne durchzusetzen, scheiterte. Er sah dann 1941 von seinem Vorhaben ab und bewirtschaftete Mühle, Landwirtschaft und Gastwirtschaft gemeinsam mit seiner Frau Olga weiter. Die Mühle, zunehmend unrentabel, wurde 1959 stillgelegt und arbeitete danach als Mischfutterwerk bis zur Schließung 1990. Nach dem Tod von Wurlitzer 1954 führte seine Frau gemeinsam mit ihrem Sohn Günter die Gastwirtschaft weiter, bevor dieser das Lokal 1959 übernahm und zu Beginn der 1960er Jahre das Schankgewerbe abmeldete.

Dr. Manfred Schollmeyer

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