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Oschatz Mühlentag in Nordsachsen wird Pfingstmontag in Großwig eröffnet
Region Oschatz Mühlentag in Nordsachsen wird Pfingstmontag in Großwig eröffnet
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14:01 18.05.2018
An der Mühle Großwig wird der Mühlentag eröffnet. Quelle: privat
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Großwig

Großwig hofft auf Westwind. Bläst es kräftig aus dieser Richtung, würde die Bockwindmühle das tun, was sie laut bekanntem Volkslied tun sollte: klappern. Doch egal wie Petrus’ Launen auch sein mögen – das 600-Seelen-Dörfchen nahe Torgau freut sich auf Pfingstmontag. Erstmals ist es Ausrichter der Eröffnungs-Veranstaltung am Deutschen Mühlentag in Nordsachsen.

Tausende sind zu den Mühlen unterwegs

Ein Fakt, den Bürgermeister Wolfgang Sarembe und seine Leute seit geraumer Zeit umtreibt: „Ja, die letzten Wochen waren nicht gerade stressfrei“, umschreibt es Sarembe, um schmunzelnd hinzuzufügen, dass er von Andrea Heyn, Geschäftsführerin des Vereins Mühlenregion Nordsachsen, in dem Großwig seit 2013 Mitglied ist, „vorsichtig auf das Kommende vorbereitet“ worden sei. Denn es werden einige Tausend sein, die an diesem Tag die zwischen 1845 und 1847 neu erbaute Mühle besuchen

Diese Mühlen öffnen

Bockwindmühle Großwig 10 Uhr: Zentrale Eröffnung. Musikalischer Auftakt mit Fichtbergmusikanten und Schülern der Grundschule. Danach Besichtigungen und Mühlenführungen Vorführungen alter Handwerkstechniken, wie Hufschmied, Zimmermann, Imker. Gemeinsames Singen mit dem Kirchenchor um 11 Uhr. 13 bis 17 Uhr Buntes Programm mit Tanz, Anhaltiner Musikanten und Überraschungsgast, 15.30 Uhr Aufführung eines Mühlentheaterstücks der Laienspielgruppe. Für Kinder gibt es kreatives Handwerk mit Laubsägearbeiten und Korbflechten, Strohburg, Streichelgehege, Filzen.

B 183 zwischen Süptitz und Großwig

Paltrockwindmühle „Ebbecke“ Audenhain Besichtigungen und Mühlenführungen von 10 bis 18 Uhr, 11 bis 12 und 13.30 bis 14.30 Uhr Roggenvermahlung zu Mehl, Grieß, Dunst und Kleie, 13 bis 13.30 Uhr Auftritt des Spielmannszuges der Feuerwehr. Zwischen 10 und 15 Uhr Beschäftigungsangebote für Kinder wie Töpfern und Filzen. 15 bis 16 Uhr Puppenspiel „Der Froschkönig“ mit Theater Globus Leipzig. Ausstellung zur Geschichte des Mühlenstandortes Ebbecke mit Fotos der Hobbyfotografen aus Torgau, Literatur- und Bücherverkauf.

Heide 47 in Audenhain

Mühle „Fiehn“ und Mühle „Ludwig“ Authausen 10 bis 18 Uhr Besichtigungen beider Bockwindmühlen. In der Mühle „Ludwig“ finden Führungen statt. Den musikalischen Rahmen setzen Helmut und Gabi Hillert. Kranzreiten findet ab 13 Uhr statt. 14.30 bis 16.30 Uhr spielen die Authausener Blasmusikanten. Ausstellung zur Geschichte der Windmühlen.

Görschlitzer Straße 7 und 8 in Authausen

Bergschiffmühle Bad Düben 10 bis 18 Uhr Besichtigungen und Führungen. Im Landschaftsmuseum der Dübener Heide Burg Düben (wegen Sanierung geschlossen) ist Vorschau zur Sonderausstellung „Je weniger Klingen, je größere Herzen – 400 Jahre Dreißigjähriger Krieg: Wissen für die Zukunft?“. NaturparkHaus: 10 bis 16 Uhr multimediale Ausstellung zu Wildtier, Klimawandel und Bürgerengagement.

Neuhofstraße 3 in Bad Düben

Ehemalige Niedermühle Bad Düben – Bäckerei Paetsch Ab 10 Uhr Rast im Niedermühlenhof und backen wie anno 1900 im altdeutschen Backofen.

Niedermühle 1 in Bad Düben

Obermühle Bad Düben und Dübener Windmühle 10 bis 18 Uhr geöffnet. Ein Ökumenischer Gottesdienst findet 10 Uhr an der Bockwindmühle statt. Zu jeder vollen Stunde lädt Norbert Britze zum Volksliedersingen ein. Klettern mit Ingo, historischer Waschplatz sowie Traktorfahren für Kinder. Die Laienspielgruppe des Vereins Museumsdorf Dübener Heide präsentiert 11 und 15 Uhr das Theaterstück „Max & Moritz“. Infos zum Bau der Schauwerkstätten, ggf. Baustellenbesichtigung, Erfahrungsaustausch im Mühlgarten sowie Stände mit regionalen Angeboten und Handwerk.

Parkstraße 1 in Bad Düben

Stadtmühle „Schüßler“ Bad Düben Besichtigungen und Mühlenführungen gibt es von 10 bis 16 Uhr.

Am Lauch 1, Bad Düben

Holländermühle Beilrode Besichtigung und Mühlenführungen von 10 bis 18 Uhr, kulturelles Vormittagsprogramm mit den Dancing-Kids, Züllsdorfer Musikanten. Streichelzoo, Ponyreiten, Kinderschminken. Für die großen Besucher wird es eine Tombola des Heimatvereins und Kremserfahrten geben.

Ernst-Thälmann-Str. 160 in Beilrode

Dorfmühle „Prätzel“ Dahlenberg Besichtigungen und Mühlenführungen von 10 bis 18 Uhr. Ausstellung.

Haupstraße 9 in Dahlenberg

Motormühle Gerbisdorf Mühlenbesichtigungen und der Besuch einer kleinen Ausstellung zur Geschichte des Mühlenstandortes sowie das Zuschauen beim Schauschmieden von 10 bis 18 Uhr.

Kirschstraße 2 in Gerbisdorf

Ross-/Göpelmühle Hohenprießnitz
(in der Heimatscheune) 10 bis 17 Uhr Führungen. Vorführungen in der Göpelmühle. 10 Uhr Gottesdienst mit dem Kirchspiel Krippehna. Kerzenziehen und Familienwiegen. Ausstellung über Geschichte der Handwerker, Bauern Hinter der Schlossbreite 2 in Hohenprießnitz

Bockwindmühle Hohenroda 10 bis 18 Uhr Besichtigung und Mühlenführungen mit Unterhaltungsmusik, von 13 bis 15 Uhr Spiel und Spaß für Kinder und Erwachsene, ein Tiergehege, große Spiellandschaft mit Mega- Hüpfburg sowie eine Ausstellung über historische Landwirtschaftstechik. Krensitzer Straße 24a in Hohenroda

Paltrockwindmühle „Wernicke“ Kyhna Von 10 bis 18 Uhr stündlich Mühlenführungen, 13.15 Uhr Open-Air-Gottesdienst mit Pfarrer Taatz und einem kleinen Blasorchester, Bastelstraße und Aktionen mit der Jugendfeuerwehr..

Windmühlenweg 1 in Kyhna

Bockwindmühle „Döbler“ Löbnitz 10 bis 18 Uhr Mühlenführungen, ab 10 Uhr treffen sich Oldtimer-Fans aus Nordsachsen, 11 bis 13 Uhr Löbnitzer Männerchor, 14 bis 16 Uhr gibt es Blasmusik mit dem Delitzscher Bläserquartett „LoberKrainer“ sowie Kinderaktionen.

Delitzscher Straße 28 in Löbnitz

Sächsische Turmwindmühle „Friedemann“ Paschwitz 10 bis 18 Uhr Mühlenführungen, Unterhaltungsmusik und viele Bastelangebot für Kinder. 14 bis 16 Uhr spielen die Röcknitzer Blasmusikanten.

Mühlweg 4 in Paschwitz

Werbeliner Bockwindmühle Reibitz Ab 11 Uhr Führungen, Live-Musik, Führungen durch das Schullandheim, Auftritte der Akrobatikgruppe des LSV Mörtitz und Tanzgruppen der Volkssolidarität Delitzsch, Aktionsprogramme für Kinder, altes Handwerk, wie Schafscheren, Imkerei, Spinnen, Backen am Holzfeuerofen, Korbmacherei und Schmiede sowie Ausstellungen, landwirtschaftliche Maschinen, hauswirtschaftliche Gegenstände, Reptilienausstellung.

Am Schullandheim 1 in Reibitz

Bockwindmühle Zwochau Besichtigungen und Mühlenführungen von 10 bis 18 Uhr. 13 bis 15 Uhr Schaumahlen mit der alten Schrotmühle und Blasmusik. Für Kinder gibt es Fahrten mit der Mini-Eisenbahn und dem Bauern-Cabriolet. Ein kleiner Mühlenmarkt bietet den ganzen Tag ländliche Produkte. Am Sportplatz in Zwochau

Die Mühlen in der Region Oschatz beteiligen sich nicht am Mühlentag, einige haben dennoch geöffnet:

Bockwindmühle Zeuckritz/Gemeinde Cavertitz lädt die Besucher am Pfingstmontag von 14 bis 17 Uhr ein.

Mühle Liebschützberg: Ab 14 Uhr gibt es an neu errichteten Wetterschutzhütte neben der Windmühle Kaffee und Kuchen. 15 Uhr: Mühlensingen. Die Bockwindmühle ist ab 13 Uhr geöffnet.

Bockwindmühle Schmannewitz hat am Montag geöffnet. Führungen gibt es um 10, 14 und 18 Uhr.

Müllerfamilie Hübner nutzte sie in mehreren Generationen gewerblich bis gegen 1970. Zuletzt erfolgte der Antrieb der Mahlwerke mit Elektroenergie. 1989 verkaufte Frieda Hübner das Gehöft. Um den weiteren Verfall der Bockwindmühle zu verhindern, kaufte die Gemeinde Dreiheide 1999 die Mühle und ließ sie rekonstruieren. Die Bockwindmühle ist funktionstüchtig und wurde am 26. Mai 2000 wiedereröffnet.

Die kleine Theatergruppe aus Großwig übt für das Stück „Der Goldene Degen". Es wird zum Mühlentag aufgeführt. Quelle: Wolfgang Sens

Das Dorf steht hinter seiner Mühle

Für Wolfgang Sarembe, der seit 2007 ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Dreiheide ist, war dies ein logischer Schritt. „Großwig war einmal das Dorf der vier Mühlen, zwei Wasser- und zwei Windmühlen gab es. Und so sollte wenigstens diese letzte noch erhalten bleiben, um mit dem Bauwerk auch das Müller-Handwerk zu bewahren.“ Der Ort steht hinter seiner Mühle. Der Satz muss zum einen Jahr für Jahr mit Leben erfüllt, Geld im Haushalt eingeplant werden, damit notwendige Erhaltungsmaßnahmen realisiert werden können. Zum anderen gibt es verschiedene Projekte, bei denen sich die Einwohner einbringen. Beispiel Mühlen-Theater: Eigentlich gibt es gar kein festes. „Es haben sich lediglich zu diesem Fest ein paar Bürger aus Großwig ansprechen lassen, eine alte Sage , die sich um den Ort rankt, nachzuspielen“, erzählt Karsta Niejaki, eine der Intiatoren. Wolfgang Sarembe führt die Zuschauer als Erzähler durch das rund 20-minütige Stück: Zur Zeit der Schlacht auf den Süptitzer Höhen um 1847 trieben Soldaten ihr Unwesen in benachbarten Orten. Doch zuvor tobte ein Sturm und zerbrach Teile von Hübner’s Mühle. Als Soldaten vorbeizogen, zerstörten diese die Mühle gänzlich, denn es sollte kein Korn mehr gemahlen werden und es galt, die Bevölkerung auszuhungern. Dabei wurde der General von einem schweren Mühlenteil erschlagen. Viele Jahre später erzählten sich Bauern, dass der General einen goldenen Degen besessen haben soll. Vielleicht liegt er ja noch dort. Die Bauern machen sich in der Abenddämmerung auf und graben an der Mühle. Ohne Erfolg. Der ersehnte Reichtum blieb den Bauern verwehrt. So war es wohl doch nur eine Sage ...

Singen kann das Dorf auch noch. Bewiesen ist dies zumindest beim Kirchenchor. An die 20 junggebliebenen Mädels, wie sie Bürgermeister Sarembe liebevoll nennt – viele haben die 60 und 70 schon überschritten – gehören ihm an. Doch am Mühlentag will Großwig zeigen: Wir haben auch Stimme. Am Donnerstag verteilten deshalb Freiwillige Zettel in den Briefkästen, die zum Mitsingen einladen. Bei 574 Einwohnern könnte es also laut werden – zumal Süptitzer und Weidenhainer auch schon ihr Kommen angekündigt haben.

Essen und Trinken aus heimischer Produktion

Mühle, Theater und Musik – sind damit schon mal drei Besonderheiten, die den Eröffnungsort auszeichnen. Und es gibt noch einen vierten – das lukullische Drumherum. Denn vieles davon stammt aus dorfeigener Produktion, beispielsweise der örtlichen Agrar GmbH, die eine eigene Fleischerei betreibt. Und dann wartet die Schäferei Weber mit einer Besonderheit auf: dem Mc Mäh. Der seltsame Name muss an dieser Stelle reichen. Was sich genau dahinter verbirgt, wollte Wolfgang Sarembe nicht verraten.

19 Mühlen laden in Nordsachsen ein

Insgesamt 19 Mühlen laden in Nordsachsen ein. Die 1841 erbaute Motormühle in Gerbisdorf ist erstmals geöffnet. Erst seit Januar sind die Rand-Schkeuditzer Mitglied im Verein. Bis 1976 befand sich die Mühle in Besitz der Familie Mähnert, vor 20 Jahren kaufte der Schmiedemeister Johannes Niesmann das Grundstück und nutzte die Mühle als Lagerstätte. Mähnerts Enkel Thomas Gründling, den der Beruf des Müllers schon als Kind faszinierte, ist froh darüber, weil das Bauwerk samt alter Technik so doch erhalten blieb. In all den Jahren blieb er Ort und Mühle verbunden, mittlerweile wohnt der Landwirt mit seiner Familie wieder dort. Auch, wenn in Gebäude und Technik noch viel investiert werde müsse: Die gesamte Familie widme sich voll Enthusiasmus dem technischen Denkmal, freut sich auch der Mühlenverein um Andrea Heyn auf die Premiere.

Von Kathrin Kabelitz

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