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Nach 16 Jahren wieder Auftritt der Braunfäule

Nach 16 Jahren wieder Auftritt der Braunfäule

1791 hieß der Ort noch Naundorf bey Casabra. 1806 brannte in Naundorf das Hufengut Haus Nr. 12, am Montag, dem 13. Oktober, des selben Jahres abends um 7 Uhr ein Hufengut und ein Halbhufengut Nr.

3 und 4. Das Feuer war bei dem Hüfner Wittig Haus Nr. 3 in der Scheune ausgebrochen, heute Straße der Einheit 23. 1807 brannten das Halbhufengut Haus Nr. 19, 1809 Haus Nr. 41 und die Windmühle sowie 1815 Haus Nr. 6 und Haus Nr. 24 ab.

 

Ein Blitz verursachte einmal ein Feuer. Im Jahr 1850 schlug er in den Kirchturm ein, doch das Feuer konnte noch rechtzeitig von herbei eilenden Bürgern gelöscht werden. Zwischen 1806 und 1850 wurden mehr als drei Dutzend Brände registriert. Feuersbrüste waren bedauerlicherweise an der Tagesordnung, bedingt durch die Bauweise der Häuser - viel Holz, Strohdächer, schwarze Küchen, offene Feuer in Haus und Scheune sowie durch Unaufmerksamkeit.

 

Neben Blitz und Feuer sorgte man sich zu dieser Zeit in Naundorf aber besonders wegen Einbrüchen und bedeutenden Diebstähle. In den Jahren um 1800 bis nach der Völkerschlacht sah man sich veranlasst, energische Maßnahmen zu ergreifen.

 

Naundorfer Bürger begaben sich aufs Amt nach Oschatz. Das Amt entschied: "In der Nacht sollten Naundorfer Bürger patrouillieren und insbesondere die kleinen engen Gassen und Felder überwachen. Jeder Passant ohne brennende Laterne war als verdächtige Person sofort zu arretieren. Bürger ohne Beherbergungsrecht dürfen keine fremden Personen mehr aufnehmen. Verwandte mussten sich mit ihren Pässen ausweisen. Der Gasthof und die Schankwirtschaften würden durch Polizeidiener regelmäßig inspiziert. Bei Fremden werden die Pässe kontrolliert. Kann sich einer nicht ausreichend legitimieren, wird er sofort in Haft genommen. Der Wirt, der seiner Kontrollpflicht nicht nachkommt, wird bestraft."

 

Es gab auch andere Gefahren. Den Landleuten diente der Collm als weithin sichtbare Wetterfahne. Die Regel war: Solange die Bergkuppe umnebelt ist, tritt nie beständig gutes Wetter ein. Am Freitag, dem 31. Mai 1816, hatte sich wieder eine mächtige Gewitterwolke hinter dem Collm gebildet.

 

Bald trennte sich das Gewitter. Ein Teil walzte gegen 21 Uhr über Limbach, Naundorf, Casabra, Schweta, Stennschütz, Clanschwitz und Wutzschwitz heran und richtete schwere Schäden an - insbesondere an Häusern, Dächern, Zäunen und Bäumen. Starke Äste brachen ab wie ein altes Schwefelholz. Der sehr heftige Regen mit zahlreichen Schloßen beschädigte große Teile des Wintergetreides so, dass man es für ratsam fand, es völlig abzuhauen. Alle Kulturen hatten darunter zu leiden. Die Halmfrüchte waren für den menschlichen Verzehr fast ungenießbar.

 

Am Dienstag, dem 27. August 1816, kündete sich erneut ein noch nicht erlebtes Unwetter an. Es kam aus Richtung Leipzig über Wermsdorf bis nach Naundorf und Lommatzsch. Eisklumpen - 200 bis 300 Gramm schwer - prasselten vom Himmel. Viele Strohdächer und Fenster der Häuser, Schule und Kirche wurden zertrümmert. Der Schaden war unübersehbar.

 

Auf den Feldern waren Hafer, Erbsen und Wicken nicht mehr zu erkennen. Das nährstoffreiche Grummet, wegen seines hohen Eiweißgehaltes besonders für Milchvieh als Futter geeignet, war auf den Wiesen minderwertig geworden. Der Rasen war abgeschält. Die Kartoffeln waren nicht verwendbar. Die Ursache war die viele Nässe und die Braunfäule. Etwa 16 Jahre war die Braunfäule im Raum Naundorf nicht aufgetreten. Die Fäule war in den Vorratskellern und Mieten nicht aufzuhalten, und das drei Jahre nach der Völkerschlacht bei Leipzig. Der Franzosen-Kaiser hatte damals unumstritten viel Not, Leid und Elend in seinem Gefolge. Fortsetzung folgt

Claus Schimmel

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