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Oschatz Nach Beißattacke auf Elfjährigen bei Naundorf: Peta fordert Hundeführerschein
Region Oschatz Nach Beißattacke auf Elfjährigen bei Naundorf: Peta fordert Hundeführerschein
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16:00 13.03.2018
Glück gehabt: Dieser Schäferhund beißt nur in ein Trainingsspielzeug. Quelle: Foto: dpa
Naundorf

Der Angriff eines entlaufenen Schäferhundes auf einen Elfjährigen vergangenen Donnerstag im Naundorfer Ortsteil Reppen hat ein Nachspiel: Die Tierschutzorganisation Peta fordert nun die Einführung eines Sachkundenachweises – eines sogenannten Hundeführerscheins – für alle Hundehalter in Sachsen.

Falsche Haltung kann zur Gefahr für Mensch und Tier werden

Dieser sieht vor, dass künftige Halter bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, bei dem sie das notwendige Fachwissen über tiergerechte Haltung erwerben. Daran soll sich ein Praxisseminar für Halter und Tier in einer Hundeschule anschließen. Ein solcher Nachweis, so die Peta, könne sicherstellen, dass Hundehalter sachkundig mit ihrem Tier umgehen und dessen Signale richtig deuten.

Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter sei unerlässlich, um Beißattacken zu verhindern: „Viele Halter können ihre Hunde nicht richtig einschätzen. Somit ist die wahre Ursache für Beißattacken bei ihnen zu suchen – nicht beim Tier. Der Hund hätte gar nicht entkommen und frei herumlaufen dürfen“, so Jana Hoger, Fachreferentin bei der Peta. „Jeder Hund, der falsch gehalten und behandelt wird, kann zu einer Gefahr für Mensch und Tier werden.“

Vorbild Niedersachsen

Niedersachsen hat 2013 als erstes Bundesland einen Sachkundenachweis für alle Halter beschlossen, die sich erstmals einen Hund zulegen wollen. Dort habe diese Maßnahme zu einer spürbaren Reduzierung von Zwischenfällen geführt, informiert der Leiter des Tierschutzzentrums der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Hansjoachim Hackbarth. Auch der Deutsche Tierschutzbund hält das niedersächsische Gesetz für sinnvoll.

In Sachsen hingegen muss ein Sachkundenachweis nach aktueller Gesetzeslage nur vorliegen, wenn der Hund laut Landesrasseliste als gefährlich eingestuft wird. Dies betrifft jene Tiere, die landläufig mit Kampfhunden assoziiert werden, beispielsweise American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Pitbull Terrier und deren Kreuzungen. Viele Untersuchungen hätten jedoch bestätigt, dass es primär vom Wissen des Besitzers abhänge, ob ein Hund aggressiv sei oder nicht, so Hackbarth.

Die Mehrkosten für einen generellen Sachkundenachweis könnten durch eine zeitweise Befreiung von der Hundesteuer kompensiert werden. Dies ist bereits in München und Mannheim der Fall, liegt jedoch im kommunalen Verantwortungsbereich.

Meinungen unter Hundebesitzern gespalten

Unter den Hundebesitzern selbst sind die Meinungen gespalten. Der Thalheimer Dieter Ahrens hält die Einführung eines Hundeführerscheins für „Unfug“. „Ich bin sehr dafür, dass Hundehalter eine Hundeschule besuchen sollten, um eine Einheit zwischen Mensch und Tier herzustellen, bei größeren Tieren sollte das auch verpflichtend sein. Aber einen Führerschein an sich empfände ich als Bevormundung“, sagt der langjährige Hundehalter. Andere halten den Vorschlag der Peta zumindest ab einer bestimmten Körpergröße des Tieres für sinnvoll.

Weniger Beißattacken im O-Schatz-Park

Im O-Schatz-Park war es vor einiger Zeit vermehrt zu Beißattacken gekommen: Vor allem 2016 wurden mehrmals Passanten von freilaufenden Hunden angegriffen, ein Tier ist sogar von einem anderen getötet worden – trotz Leinenpflicht.

Dass die Zahl der Fälle im O-Schatz-Park zuletzt merklich abgenommen hat, führt Leiterin Katja Bachmann auf ein gesteigertes Bewusstsein in der Öffentlichkeit zurück: „Ich denke, das liegt daran, dass so oft darüber berichtet wurde. Es freut uns, dass die Besucher nun mehr auf diese Dinge achten.“ Von einem generellen Hundeverbot im O-Schatz-Park, das nach einem der letzten Vorfälle kurzzeitig im Gespräch war, ist die Parkleitung inzwischen abgerückt.

Weiterer Vorteil: Weniger Impulskäufe

Die Peta sieht in der möglichen Einführung eines Hundeführerscheins einen weiteren Vorteil: „Sie kann Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit dem Thema Hundehaltung auseinander gesetzt haben, von einem eventuellen Impulskauf abhalten. Jedes Jahr landen 80 000 Hunde in deutschen Tierheimen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt angeschafft wurden.“

Von Christian Neffe

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