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Nach Gehirn-OP radelte Sven Marx bis zum Papst nach Rom

Reisevortrag in Calbitz Nach Gehirn-OP radelte Sven Marx bis zum Papst nach Rom

Sven Marx war schon immer abenteuerlustig. Als Tauchlehrer arbeitete er in verschiedenen Urlaubsländern und reiste durch die Welt. Bis ihn ein Tumor am Hirnstamm ausknockte. Marx wurde operiert, zum Pflegefall und kämpfte sich in der Reha zurück ins Leben. Eine Behinderung ist geblieben, das Reisefieber auch. Über seinen Weg spricht er jetzt in Calbitz.

Sven Marx vor dem Kolosseum in Rom, einem Etappenziel seiner Radreise.

Quelle: privat

Calbitz/Berlin. Nach überstandener Krankheit in den Urlaub fahren? Machen viele. Auch Sven Marx war schwer krank und hat dennoch Reisepläne geschmiedet. Immer noch bereist der 48-Jährige mit seinem Fahrrad die Kontinente – und das, obwohl er wegen eines Tumors am Hirnstamm operiert und zum Pflegefall wurde. Wie er das Leben und seine Reisen meistert, darüber spricht er jetzt bei einem Vortragsabend in Calbitz.

Dafür gewonnen hat ihn René Wegner. Der Calbitzer traf Marx bei einer Veranstaltung in Dresden und war so beeindruckt, dass er ihn einlud, über seine Geschichte im Lämmchen zu sprechen. „Ich finde es unglaublich, wie sich Sven Marx wieder aufgerappelt hat, nachdem ihn die Ärzte schon als Dauer-Pflegefall abgeschrieben hatten“, beschreibt René Wegner. Der Berliner könne dabei ein Vorbild für viele Menschen sein, sich von Krankheit und anderen Schicksalsschlägen nicht entmutigen zu lassen, findet er. „Höhen und Tiefen sind normal im Leben“, findet auch Sven Marx selber. Er gehe damit offen um. Beim Vortrag am 6. Februar ab 15 Uhr in Calbitz berichtet der gelernte Dachdecker, der nach der Wende Tauchlehrer wurde und mit dem Motorrad in der Welt unterwegs war, wie 2009 ein Tumor am Hirnstamm diagnostiziert und operiert wurde. Nach Monaten auf der Intensivstation, halbseitiger Lähmung und künstlicher Beatmung begann er als Pflegefall seine Reha. „Ich war ein Wrack“, sagt er heute mit Blick auf diese Zeit, „meiner Frau haben die Ärzte gesagt, sie soll sich besser eine Wohnung nehmen“.

Doch weder Marx noch seine Frau gaben auf, der Berliner lernte einfachste Dinge – sitzen, essen, laufen – wieder neu. „Bis heute arbeite ich daran, meine Motorik zu verbessern, damit ich mich sicherer bewegen kann.“ Das ist nicht ganz einfach, vor allem, weil der Globetrotter seit seiner OP beim Sehen stark eingeschränkt ist. „90 Prozent meines Sichtfeldes bestehen aus Doppelbildern – so als würde ich dauerhaft schielen“, beschreibt er. Räumlich sehen könne er dadurch nicht, deshalb würden kleine Unebenheiten schon zu großen Stolperfallen, und auch mit dem Gleichgewicht habe er Probleme.

Klar, dass sich Marx deshalb vom Motorradfahren verabschieden musste. Stattdessen ist er seit seiner Erkrankungen vor allem mit dem Rad unterwegs, hat Europa, große Teile von Russland, Japan und die Route 66 in den USA bereist. „Das Fahrrad ist mein Krückstock. Zu Fuß wird es schwierig und geht nur langsam, mit dem Fahrrad bin ich sicherer unterwegs und kann kleine Unebenheiten gut ausbalancieren“, erzählt Sven Marx. Bevor es auf eine Reise gehe, recherchiere er, um für Schwierigkeiten gewappnet zu sein. Zehn, zwölf Stunden täglich tritt er dann in die Pedale, und schreibt abends Berichte und telefoniert mit seiner Frau. Meistens ist der Berliner alleine unterwegs. „Da kommt man schneller mit Leuten in Kontakt“, hat er erfahren. Angst, dass unterwegs etwas passieren könnte, habe er nicht. „Ich lebe in Berlin, da werden Leute auf offener Straße angegriffen, im Ausland ist mir noch nie etwas passiert. Die Leute haben doch immer nur Angst vor Dingen, die sie nicht kennen.“

Mutig sein, über den eigenen Schatten springen – auch davon wird sein Vortrag in Calbitz handeln. Und von seinen Reisen natürlich. Außerdem nutzt Sven Marx die Aufmerksamkeit, die er dabei bekommt, um für zwei Einrichtungen zu werben, die er unterstützt: Die Diakonische Hilfe direkt fördert gemeinnützige Projekte in Osteuropa, und im Rahmen von „Inklusion braucht Aktion“ wirbt er um Verständnis für Menschen mit Handicap – im Rahmen dieser Initiative radelte er mit Gleichgesinnten sogar zu einer Audienz zum Papst. „Ich möchte einfach leben und etwas erleben und wenn ich dabei noch andere Menschen unterstützen kann, denen es nicht so gut geht, bin ich froh“, sagt der 48-Jährige über sein Engagement.

Bei all dem behält der Familienvater sein nächstes großes Projekt im Blick: Nächstes Jahr, wenn er 50 wird, will er mit dem Fahrrad auf Weltreise gehen.

Von Jana Brechlin

Calbitz 51.3280327 13.0091478
Calbitz
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