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Nach dem Unwetter-Schock: In Terpitz wird immer noch Schlamm geschippt

Unwetter Nach dem Unwetter-Schock: In Terpitz wird immer noch Schlamm geschippt

Die Aufräumarbeiten nach dem Unwetter in Terpitz dauern noch an. Während Straßen und Einfahrten vom Schlamm befreit sind, liegt in den Gärten und Höfen vielerorts jetzt eine dicke Schlammschicht. Auch Häuser sind betroffen. Bürgermeister David Schmidt schätzt, dass es den Ort im ganzen Landkreis am schlimmsten getroffen hat.

Der Teich in der Ortsmitte ist jetzt leer, am Dienstagabend war nicht einmal mehr die Uferbegrenzung zu sehen.

Quelle: Jana Brechlin

Terpitz. Eingebettet zwischen Feldern und Wiesen liegt Terpitz idyllisch in der Junisonne. Unter blauem Himmel grüßt ein Banner, das Besucher zum Sommerfest einlädt. Doch der Schein trügt, die Einwohner haben schlaflose Nächte und tagelange Plackerei hinter sich, seit das Unwetter am Dienstagabend tobte und das Wasser die Grundstücke flutete. Während Wege und Einfahrten wieder frei sind, liegt in Gärten und Höfen eine dicke Schlammschicht, die nun immer fester wird.

Ricarda König war auf dem Weg in die Nachtschicht, als es draußen immer dunkler wurde. „Ich hab zum Küchenfenster rausgeschaut und das Unheil kommen sehen. In einem Wahnsinnstempo kam das Wasser angeschossen“, beschreibt sie. Festgehalten hat sie diesen Moment in einem Video (siehe Link). Als sie am Mittwochmorgen von der Nachtschicht im Pflegedienst nach Terpitz zurückkam, sei der Anblick ein Schock gewesen: „Ich bin mit dem Auto die Dorfstraße entlang gefahren und hab links und rechts nur Schlamm gesehen – furchtbar.“ Weil das eigene Grundstück nahezu verschont geblieben ist, hilft Ricarda König nun ihrer Nachbarin beim Aufräumen: Das Elternhaus von Yvette Quosdorf grenzt am Ortsrand direkt an das Feld, nur ein Graben trennt das Grundstück der Familie von der Ackerfläche. „Der hat uns nichts genützt“, sagt Yvette Quosdorf. Noch kurz vor dem Wolkenbruch stand die Friseurmeisterin in Oschatz in ihrem Geschäft. „Ich hab’ zuhause angerufen und meine Eltern schon nicht mehr erreicht, da war mir klar, dass es schlimm wird“, blickt sie zurück. Gerade so schaffte es die junge Frau mit dem Auto zum Grundstück der Familie und kämpfte sich durch den Regen bis zur Sirene im Ort, die sie dann auslöste. „Da stand bereits die ganze Straße unter Wasser und die Strömung war richtig stark. Ich musste mich auf dem Weg zurück an Gartenzäunen entlang hangeln“, beschreibt sie.

Es sei nichts Neues, dass bei starkem Regen das Wasser im Garten stehe, doch was am Dienstagabend geschehen sei, habe sie noch nicht erlebt: „Das Wasser kam vom Feld, schoss von hinten in unser Haus und lief zur Haustür vorn wieder raus. Der ganze Boden war voller Schlamm, was dort gestanden hat, ist alles hinüber.“

Auch Liebschützbergs Bürgermeister David Schmidt war am Dienstag bis in die Nacht vor Ort. „Ich werde nicht vergessen, dass zum Beispiel ein älterer Mann ganz alleine da stand, weil die Kinder gerade im Urlaub waren. Da war es gut, dass unsere ganzen Wehren im Einsatz waren. Auch die anliegenden Firmen haben mit massiver Technik geholfen und dafür gesorgt, dass zunächst die Straßen wieder befahrbar waren“, berichtet er.

Terpitz sei von den Wetterkapriolen im ganzen Landkreis am schlimmsten betroffen, schätzt er. Am nächsten Tag habe der Abwasserverband dafür gesorgt, dass die Schleusen im Ort gespült wurden. Auch der Bauhof war im Einsatz. Außerdem habe es eine Begehung mit der Bodenbehörde gegeben und eine Zusammenkunft mit dem Landratsamt sei geplant. „Wir haben versucht, so viel wie möglich zu dokumentieren“, so Schmidt. Man werde alles genau auswerten. „Ich habe mir den Graben angeschaut, der konnte das Wasser nicht fassen“, räumt Schmidt mit Blick auf den Ortsrand ein. Eine Möglichkeit, das Problem grundhaft zu lösen, biete das Flurneuordnungsverfahren. „Das haben wir bereits angeschoben, allerdings gibt es auch massive Widerstände“, so der Bürgermeister. Beim Flurneuordnungsverfahren geht es auch um das Anlegen von Wegen, Gräben oder Hecken. Eine Schutzmauer vor dem Zaußwitzer Berg oder ein Grabenring um den Ort, wie ihn manche jetzt fordern, bleiben aber Utopien. Schnelle Lösungen werde es nicht geben, sagt Bürgermeister David Schmidt, wohl aber eine Perspektive, mit hydrologischen Gutachten die richtigen Maßnahmen in die Wege zu leiten.

Das hoffen die Betroffenen wie Yvette Quosdorf. „Etwas Gutes hatte das Ganze: Die Hilfsbereitschaft untereinander war riesengroß. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt die junge Frau.

Von Jana Brechlin

Terpitz Liebschützberg 51.328108 13.1261886
Terpitz Liebschützberg
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