Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Oschatz Naturgewalten in Südamerika: Junge Ganzigerin kämpft mit Sonne, Regen und Eis
Region Oschatz Naturgewalten in Südamerika: Junge Ganzigerin kämpft mit Sonne, Regen und Eis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:32 09.04.2018
Sophie Jähnigen schlägt sich derzeit nach Feuerland durch und durchquert dabei Patagonien. Quelle: Foto: Sophie Jähnigen
Patagonien


Im Januar hat Sophie Jähnigen aus Ganzig begonnen, sich ihren Lebenstraum zu erfüllen: Sie geht auf Weltreise. In ihrem ersten Text berichtete sie von ihrer Reise-Motivation, in ihrem zweiten von ihren Erlebnissen in Chile. Um nach Feuerland zu gelangen, muss sie Patagonien durchqueren. Ein schwierige, aber lohnenswerte Wanderung.

Donner. Ganz nah. Wie kann es denn auf einmal donnern? Ich bin auf dem Weg durch das Valley Frances – das „Französische Tal“. Es geht bergab und der Gletscher Frances zeigt sich bereits. Patagonien ist ja für schnelle Wetterwechsel bekannt. Aber es sieht gar nicht nach Gewitter aus. Nur dieses unverkennbare Rumpeln. Irgendwie bedrohlich und so nah. Ich lasse den Blick schweifen. Da sehe ich es: Ein riesiges Stück Eis löst sich vom Gletscher und rutscht mit donnerndem Getöse ins Tal. Gebannt blicke ich ihm nach. Dann: Stille. Wahnsinn!

Durch Täler und Gletscher

Es ist Tag drei meiner Wanderung durch den berühmten Nationalpark Torres del Paine. Ein letzter liegt noch vor mir. Die Wanderung verläuft W-förmig durch den Nationalpark. Die drei Hauptziele – die „Torres del Paine“ (die Türme des blauen Himmels), das „Valley Frances“ (das französische Tal) und der Gletscher Grey – stellen die oberen Punkte des „W“ dar.

Der zweite
Teil von Sophies Reisebericht ist am 22. Februar erschienen.

Wie viel Zeit man sich bei der Erkundung lässt und wie komfortabel man seine Tour ausstattet, ist jedem selbst überlassen. Vom Luxustrip mit Gepäcktransport und Vollverpflegung bis hin zum Campingabenteuer mit Selbstversorgung ist alles möglich.

Die Gipfel des Fitz Roy. Quelle: Sophie Jähnigen

Ich, die kein eigenes Zelt hat, entscheide mich den Mittelweg. Ich übernachte im gemieteten Zelt, das schon bezugsfertig bereit steht, sobald ich auf dem Campingplatz ankomme. Wenn es regnet, ist das ein echter Hauptgewinn. Mit der Aussicht auf einen trockenen Schlafplatz kann ich auch entspannter die Natur genießen – und die ist wahrlich atemberaubend.

Die Kombination aus Bergmassiven, Gletschern und Gletscherseen ist unfassbar schön. Einen etwas bitteren Beigeschmack hinterlassen lediglich die überteuerten Preise und das dem Abenteuer vorausgehende Reservierungschaos für die Übernachtungsplätze.

Den Naturgewalten auf der Spur

Mit Torres del Paine bin ich fast am Ende meiner Reise durch Patagonien, jener 765 000 Quadratkilometer großen Landfläche im Süden Südamerikas. Knapp 25 Tage habe ich mich mit Bussen, Fähren und per Anhalter von Chaiten im Süden Chiles bis hier her durchgeschlagen. Zunächst über die Carretera Austral und dann zu Fuß weiter von Candelario Mancilla in Chile über die argentinische Grenze.

Beeindruckende Gletscher brechen donnernd auseinander. Quelle: Sophie Jähnigen

Hier zeigte sich mir auch zum ersten Mal der Fitz Roy, ein beeindruckendes Bergmassiv, das den Torres del Paine in nichts nachsteht. Die gesamte Natur ist von Gletschern durchzogen, deren Schmelzwasser in tiefblaue Lagunen mündet. Stundenlang könnte man die Gletscherzungen beobachten, um zu sehen, wie ein Stück Eis von ihnen abbricht.

Wechselhaftes Wetter

Patagonien bietet unzählige Optionen und oft weiß man gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Das einzig Unangenehme, das man hier aushalten muss, ist das Wetter. In kürzester Zeit kann strahlender Sonnenschein in ergiebigen Regen umschlagen – oder umgekehrt.

Nicht verwunderlich also, dass ich mehr als einmal richtig nass geworden und knöcheltief im Matsch versunken bin. Sonne, Wolken, Wind, Regen und Schnee – mit allem muss man rechnen, in den unterschiedlichsten Kombinationen.

Den Gletschern ganz nah. Quelle: Sophie Jähnigen

Die Natur gibt ihre Schönheiten nicht leichtfertig preis. Das wird einem spätestens dann bewusst, wenn einem der eisige Gletscherwind und Schneeregen ins Gesicht peitschen, während man bergauf und bergab über Steinfelder und Gletscherläufe klettert. Patagonien hat eine raue Seite, kein Zweifel.

Am Ende aber zeigt sich die Natur meist doch gnädig und belohnt die Strapazen mit einem unbezahlbaren Ausblick. Und wenn man, mit Helm und Steigeisen ausgerüstet, auf Gletschern gewandert ist, den Sonnenaufgang in den Bergen erlebt hat und mit dem Kajak durch Marmorhöhlen gefahren ist, fragt man sich: Was soll jetzt eigentlich noch kommen? 

Patagonien, du lässt mich beeindruckt zurück. Jetzt fehlt in Richtung Süden lediglich noch das sogenannte „Ende der Welt“: Feuerland.

Von Sophie Jähnigen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Maschinenbautechniker und Metallgestalter Steffen Bieler betreibt in der Horstsee-Gemeinde seit 1995 eine Metallkunstwerkstatt. Ungewöhnliche Objekte entstehen bei denen jedes Teil, jedes eingesetzte Material seine besondere Bedeutung hat.

09.04.2018

Autofahrer, die auf der B 6 zwischen Oschatz und Lonnewitz unterwegs sind, müssen sich ab dem 10. April auf Einschränkungen einstellen. Wegen Bauarbeiten ist dieser Abschnitt nur als Einbahnstraße befahrbar.

08.04.2018

Die Barmer Gesundheitskasse und weitere Partner fördern die Bewegung von Grundschülern. Beim ersten Kindersprint in Oschatz treten am 14. April junge Läufer aus sechs Einrichtungen der Region gegeneinander an. Die besten qualifizieren sich für das Schuljahresfinale im Juni in Leipzig.

08.04.2018