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Oschatz Naundorfer Neuntklässler haben japanischen Mitschüler
Region Oschatz Naundorfer Neuntklässler haben japanischen Mitschüler
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05:03 10.11.2018
Masaya Kobiki (sitzend) aus Fukuoka lernt sein Anfang September an der Werkschule Naundorf – neben Mathe oder Geografie vor allem Deutsch. Quelle: Axel Kaminski
Naundorf

Rund 14 Flugstunden entfernt von seiner Heimatstadt Fukuoka besucht Masaya Kobiki seit Anfang September die Werkschule Naundorf. Der junge Japaner hat schon eine Menge von der Welt gesehen, hat im Rahmen von Austauschprogrammen bereits in Sri Lanka, Australien, Taiwan und den USA gelebt. In Europa ist er hingegen zum ersten Mal.

Täglich Brot überrascht Gast

„Ich war überrascht davon, dass die Deutschen jeden Tag Brot essen. Das ist bei uns zuhause nicht so“, schildert Masaya Kobiki seine ersten Eindrücke hier. In seiner Heimat, die näher am Meer liege als Naundorf, stehe öfter Fisch auf dem Speiseplan. Damit er das nicht so sehr vermisse, hätten seine Gasteltern zu seinem 16. Geburtstag, den er kürzlich feierte, extra für ihn Sushi zubereitet.

Erlernen der Sprache leicht gemacht

Hört man dem jungen Japaner zu, dann ist es kaum zu glauben, dass er kein Wort Deutsch sprach, als er hier ankam. Das Erlernen der Sprache werde ihm hier leicht gemacht, denn seine Gasteltern sprechen kaum Englisch und seine Muttersprache sowieso nicht. Auf Englisch verständige er sich meist dann mit seinen Mitschülern, wenn sein Deutsch noch nicht ausreiche, um den Unterrichtsstoff oder die Alltagsgespräche zu verstehen. Auf seinem Zeugnis aus der Heimatschule steht die Bestnote 5 für Englisch.

Lieblingsfach Mathe

Das Gleiche gilt auch für Mathematik, derzeit sein Lieblingsfach an der Werkschule. Hier werden gerade Sinus, Cosinus und Tangens durchgenommen – damit kenne er sich schon aus. Masaya wird dieses Schuljahr in der 9. Klasse absolvieren. „Vom Alter her gehört er in die 10. Klasse. Aber er soll hier bis Ende Juni am Unterricht teilnehmen. Das wäre bei einem Abschlussjahrgang, der Prüfungen schreibt und vorher Konsultationen hat, nicht gegeben“, erläutert Schul-Geschäftsführer Tobias Leißner. Er war übrigens 1988 mit dem Kreuzchor drei Wochen in Japan – in dem Bewusstsein, dass er unter den politischen Verhältnissen, so wie sie damals waren, nie wieder in dieser Land würde reisen können.

Bereicherung für Lehrer und Schüler

Seither ist eine Menge geschehen und Tobias Leißner freut sich über den Hauch von weiter Welt, den Masaya nach Naundorf und in die Werkschule bringt. „Ihm hier neues Wissen in Mathe oder Geografie zu vermitteln, steht nicht an erster Stelle“, betont der Geschäftsführer. Wenn er noch etwas besser Deutsch sprechen könne, seien Projekte, in denen er sein Land und seine Kultur vorstellt, wünschenswert – gern unter Zuhilfenahme der neu eingerichteten Lernküche. „Ich denke, es ist für Lehrer und Schüler eine Bereicherung, wenn wir hier einen Gast aus einer anderen Kultur haben“, meint Tobias Leißner. Er habe das Gefühl, dass seine Mitschüler stolz auf Masaya sind und ihn gern unterstützen. Jedenfalls habe niemand die beiden Schülerpaten Hermine Hamann und Markus Bollmann zu dieser Aufgabe „verdonnern“ müssen. Seitens des Kollegiums sei Englischlehrerin Peggy Franke Patin des Gastschülers.

Bei den ersten Schritten in der deutschen Sprache habe es sehr geholfen, dass man hier von einem Verlag Musterlehrmaterialien für „Deutsch als Zweitsprache“ erhalten habe. Mit seinen Gastgebern hat Masaya schon Dresden, Leipzig und Bautzen besucht. Als Fußball-Fan würde er sich während seines Aufenthaltes in Deutschland gern noch ein Bundesliga-Spiel live anschauen. Fußball kennt der Gast aus Japan allerdings nicht nur vom Fernsehen. Dienstags uns Donnerstags trainiert er beim SV Merkwitz.

Ja heißt in Deutschland ja

Von Deutschland habe er zuhause gehört, dass es ein freundliches Land sei. Angela Merkel habe in den Nachrichten gelegentlich eine Rolle gespielt. Seine Erfahrung ist, dass die Deutschen sehr geradeaus sind. Wenn sie ja sagen, dann meinen sie ja und nicht vielleicht. Das sei in seiner Heimat ein wenig anders. Anders als zuhause könne hier vielleicht das Winterwetter sein. „Schnee habe ich schon gesehen, aber nicht in großen Mengen “, erzählt Masaya.

Dass derzeit ein junger Mann aus Fukuoka in Naundorf lernt und lebt, geht in gewisser Weise auf einen Naundorfer zurück. Konstantin Voigt war bereits mehrmals mit dem Verein AFS Interkulturelle Begegnungen unterwegs. Seine Eltern haben im Gegenzug für den AFS Gastschüler bei sich aufgenommen. Sie haben auch den Kontakt zwischen dem Verein und der Schule, in dessen Förderverein Axel Voigt Mitglied ist, hergestellt.

Von Axel Kaminski

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