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Navi findet Alte Panzerbrücke nicht - Oschatzer Notärzte verzweifeln an falschen Angaben

Navi findet Alte Panzerbrücke nicht - Oschatzer Notärzte verzweifeln an falschen Angaben

Notfall-Fahrzeug und Krankenwagen verlassen mit Sondersignal den Standort Rettungswache an der "Collm Klinik". Die Retter werden zu einem Unfall gerufen. Sie müssen laut Rettungsdienstgesetz innerhalb von zehn Minuten vor Ort sein.

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Schnelle Hilfe gibt es nur bei richtigen Ortsangeben.

Quelle: Roland Halkasch

"Wir haben ganze 39 Minuten gebraucht, um dem Verunglückten helfen zu können", erinnert sich Ronny Henger (36), Leiter der Rettungswache Oschatz und seit 1. August 2015 stellvertretender Rettungsdienstleiter. Der Grund: Das Navi hat die Stelle nicht gefunden, weil es die offiziell gar nicht mehr gibt - die Alte Panzerbrücke in Schmorkau.

Auch wenn die im Volksmund so heißt, für Fremde ist das keine Adresse. "Einige von uns wissen auch nichts von der ehemaligen 'Tinte'." Der Rettungsdienst ist auf genaue Angaben angewiesen. "Wir benötigen Informationen zu: Was ist wo passiert? Wie viele Menschen sind verletzt? In welcher Straße ist es passiert? Und die Hausnummer."

Letzteres ist auch gleich das nächste Problem für die Retter. "In den Städten haben wir damit kein Problem. Die Hausnummern sind sichtbar angebracht", lobt Henger. So sollte es überall sein. Probleme gibt es in den ländlichen Gefilden. "Ich möchte niemandem zu Nahe treten, aber in Ganzig, Leckwitz oder Zaußwitz zum Beispiel ist das schon schwieriger." Hier gebe es Dreiseitenhöfe, die Mauern seien mit Wein oder anderen Kletterpflanzen verdeckt und oft auch die Hausnummern.

Dann müssten die Retter noch einmal in der Rettungsleitstelle in Delitzsch nachfragen und die Kollegen wiederum beim Anrufer. Entweder bekämen die Ärzte und Rettungskräfte dann weitere Angaben. "Oder wir bitten, dass sich jemand auf die Straße stellt und auf uns wartet."

In den Dörfern sei es deshalb schwierig an den "Tatort" zu finden, weil die Nummerierung der Häuser eine andere ist als in der Stadt. "Das System mit den Hausnummern rechts und links der Straße gibt es in kleinen Orten meist nicht. Da kommt nach der 2 nicht unbedingt die 4", erklärt der Rettungswachenleiter.

Richtig läuft es so: Der Notfall kommt per Meldeempfänger von der Rettungsleitstelle an. Im Handumdrehen sitzen die Retter in ihren Fahrzeugen. In dieser kurzen Zeit ist das Navi bereits eingerichtet, so dass sofort losgefahren werden kann.

Wenn der mit unkorrekten Daten gefüttert wird, kann das für den Patienten fatale Folgen haben. "Denn bei schweren Unfällen oder Herzinfarkt geht es wirklich um jede Sekunde."

Auf der Fahrt ins Krankenhaus sind die Verunglückten oder akut erkrankten Menschen in guten Händen. Arzt und Rettungsdienstpersonal können den Patienten bereits versorgen. Die Ausrüstung des Rettungsfahrzeuges ist auf modernstem Stand, Rettungsassistenten und -sanitäter ausgebildete Fachleute.

Dr. Horst Wunder, langjähriger leitender Notarzt, befindet sich zwar im Ruhestand, steht aber dennoch der Gruppe der leitenden Notärzte im Landkreis Nordsachsen mit Rat und Tat zur Seite.

Die Zahl der Einsätze steige von Jahr zu Jahr. Ronny Henger begründet das mit dem steigenden Altersdurchschnitt der Bevölkerung und zunehmenden chronischen Erkrankungen. Außerdem versorgen die Mediziner auch verletzte Personen, die in eine Straftat verwickelt sind.

Aus der Oschatzer Allgemeinen Zeitung vom 25.09.2015

Gabi Liebegall

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