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Oschatz Neue Ausstellung zeigt Witziges und Wissenswertes rund um das stille Örtchen
Region Oschatz Neue Ausstellung zeigt Witziges und Wissenswertes rund um das stille Örtchen
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13:38 01.07.2018
Über das was im Nachttopf landet, spricht man eher selten. Die Leiterin des Oschatzer Stadt- und Waagenmuseums Dana Bach will das mit der neuen Schau ändern. Quelle: Foto: Christian Kunze
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Oschatz

Schon im alten Rom traf man sich auf der Toilette, um „sein Geschäft zu verrichten“. Egal ob groß oder klein, diesen Ausdruck für den Gang zum Klo gibt es noch heute. Seinen Ursprung hat er im Römischen Reich. Dort ging man nicht etwa allein auf’s Klo, nein, man traf sich in speziell dafür gebauten Kabinen, saß auf Granit oder Marmor und kam während des Stuhlgangs ins Gespräch – und schloss dabei auch das ein oder andere Geschäft mit dem Sitznachbarn ab.

Zu sehen in der Ausstellung des Stadt- und Waagenmuseum Oschatz Drauf geschissen - Die Geschichte des stillen Örtchens. Quelle: Kristin Engel

Der Treffpunkt Toilette in den Hochkulturen früherer Zeit ist nur ein Aspekt der neuen Sonderausstellung rund um das Abort. Im Stadt- und Waagenmuseum Oschatz heißt es seit Sonnabend ganz provokant „Drauf geschissen – Die Geschichte des stillen Örtchens“. Eine Schau, die schon auf Schloss Rochlitz und Burg Kriebstein für Lacher und Furore sorgte und nun in Teilen in Oschatz zu sehen ist. Bereichert wird sie Schau durch Leihgaben aus Privatbesitz, den Museen in Mügeln und Döbeln sowie der Firma Bad&Heizung Schneider in Oschatz.

Zu sehen in der Ausstellung des Stadt- und Waagenmuseum Oschatz Drauf geschissen - Die Geschichte des stillen Örtchens. Quelle: Kristin Engel

Was ganz und gar nicht in die Toilette gehört und welcher Aufwand notwendig ist, um das schmutzige Abwasser der Region wieder zu klären, darüber informiert der Abwasserverband Untere Döllnitz für den Zeitraum der Sonderausstellung mit einer digitalen Präsentation und Material zum Mitnehmen.

Frank Schneider zeigt eine Toiletten-Bidet-Kombination, reinigt mit Wasser ohne Papier. Quelle: Christian Kunze

Neben diesen Hinweisen zu den alltäglichen Bedürfnissen des Menschen und wie damit umgegangen wird, liefert „Drauf geschissen“ allerdings auch kuriose Einzelheiten. So haben Besucher die Gelegenheit, sich eine Auswahl der Nachttopfsammlung des Riesaer Ehepaar Taugnitz anzusehen. Ganze 160 Stück nennen sie ihr Eigen, einst waren es doppelt so viele. Egal ob mit Sprüchen oder Blümchenmuster, alles ist vertreten. Zur Sammlung soll gar ein Exemplar aus Meißner Porzellan gehören. Nicht jeder hatte ein Klo zu Hause. Das führte im Mittelalter dazu, dass die ärmeren Menschen Urin und Kot einfach aus dem Fenster entsorgten – mitten auf die Straße. Das barg die ein oder andere unangenehme Überraschung für die Fußgänger.

Nachttopf mit Spruch Quelle: Christian Kunze

Die Entdeckungsreise umfasst außerdem einen Rundumschlag zum Thema Hygiene. So erfahren Neugierige unter anderem, welche Materialien vor dem Popularitätsschub des Klopapiers zum Säubern verwendet wurden. Ton, Steine, Scherben, Schwämme oder Pflanzenreste, in Adelskreisen dagegen Seidentücher oder Schafwolle – jeder nach seinen Möglichkeiten. Papier zum Abputzen des Hinterns kannten die Chinesen schon im 13. Jahrhundert, in Deutschland kam dieses Prozedere dagegen erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Mode.

Japaner sind Vorreiter

Vorreiter in Sachen Sauberkeit sind die Japaner. Dort ist es bereits seit einigen Jahren Mode, gänzlich auf Papier nach dem Stuhlgang zu verzichten. Ein spezielles Wasserklosett (WC) macht Papier überflüssig. Nach vollendetem Geschäft reinigt Wasser aus einer Düse im Klobecken den Intimbereich. Dabei lassen sich Druck und Temperatur des Wassers ebenso regulieren, wie die Temperatur der Klobrille. „Die neueste Ausführung dieser Toilette beinhaltet darüber hinaus einen Fön, der das anschließende Abtrocknen zum Kinderspiel werden lässt“, sagt der Oschatzer Frank Schneider vom gleichnamigen Sanitärunternehmen. Er stellt ein Modell dieses modernen WC für die Ausstellung zur Verfügung.

Der Vorläufer der heutigen Toilettenbürste kann im Stadt- und Waagenmuseum jetzt ebenso bestaunt werden, wie der Ursprung der Begriffe „Stuhlgang“, „Donnerbalken“ und der Bezeichnung „00“ für die Toilette in öffentlichen Gebäuden. Zu sehen und zu kaufen gibt es außerdem Toilettenpapier mit unterschiedlichen Motiven.

Von Christian Kunze

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