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Oschatz Neue Schlossherren im Gestüt Graditz
Region Oschatz Neue Schlossherren im Gestüt Graditz
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00:36 20.05.2018
Anmut und Tempo zeigen die Tiere bei der alljährlichen Gestütsschau in Graditz. Quelle: Foto: Luisa Maria Horter
Graditz

Sie begeistert jährlich etwa 2000 Besucher: die große Gestütsschau in der idyllischen Parkanlage an der Elbe bei Torgau. Auf der Paradieskoppel gibt die Sächsische Gestütsverwaltung im Hauptgestüt Graditz am 27. Mai in einem zweistündigen Programm abwechslungsreiche Einblicke in die Welt der Pferde. Beginnend mit den berittenen Jagdhornbläsern werden Junghengste und Jungstuten, reiterliche Vorführungen der Lehrlinge sowie Schaubilder aus dem Gestütsleben zu sehen sein. Ausgewählte Hengste aus dem Zuchtgebiet Sachsen-Thüringen werden unter dem Reiter präsentiert, wertvolle Zuchtstuten und lebensfrohe Fohlen sind freilaufend zu erleben.

Die jährlich im Mai stattfindende Schau bildet den Höhepunkt im Veranstaltungskalender des Hauptgestüts und hat eine langjährige Tradition. Trotzdem wird es in diesem Jahr auch einige Veränderungen geben. Das liegt unter anderem an den beiden neuen Gesichtern im Gestüt: Siegmund Hintsche und Philipp Klingbeil.

Neue Gesichter im Gestüt

Siegmund Hintsche, langjähriger Gestütsleiter im Landgestüt Sachsen-Anhalt, übernahm die Stelle als Gestütsleiter im Hauptgestüt Graditz als Nachfolger von Steffen Bothendorf, der am 31. Januar 2018 gesundheitsbedingt aus dem Dienst der Sächsischen Gestütsverwaltung ausscheiden musste.

„Ich kenne das Hauptgestüt schon lange und hege eine lange persönliche Beziehung zu Mensch und Tier hier in Graditz“, so Siegmund Hintsche. Bleiben wird er bis Ende 2019. Dann wartet der verdiente Ruhestand. „Bis dahin werde ich gemeinsam mit Philipp Klingbeil das Gestüt leiten, sodass er die Gestütsleitung übernehmen kann. Ich freue mich auf die neuen Aufgaben, die auf uns zukommen werden.“

Philipp Klingbeil ist seit Dezember letzten Jahres als Assistent der Gestütsverwaltung im Hauptgestüt Graditz tätig. Als die Zusage kam, schrieb er gerade an seiner Doktorarbeit zum Thema Tierwohlbeurteilung beim Pferd an der Uni Kiel. „Für mich war es einfach ein großes Glück“, so Philipp Klingbeil. Es folgte der Umzug von der Studentenbude in die Gestütsleiterwohnung im Schloss. „Es ist traumhaft. Ich habe mich vom ersten Tag an hier wohl gefühlt. Das ganze Flair des Gestütes, die wohltuende Ruhe am Morgen. Ich muss nur aus dem Fenster schauen...“

Schon als Kind Reitunterricht

Mit den meisten Abläufen im Gestütsalltag ist Philipp Klingbeil bereits vertraut. Schon als Kind erhielt er im Gut Emmershausen, dem bekannten Trakehnergestüt, seinen ersten Reitunterricht. Er absolvierte sein landwirtschaftliches Grundstudium an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, machte seinen „Master of Science“ im Fach Agrarwissenschaften Schwerpunkt Agribusiness und schloss sein Studium im Bereich Pferdewissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen erfolgreich ab. Parallel dazu engagierte sich Klingbeil für den Trakehner-Verband und war als Jungzüchter aktiv. Seine Doktorarbeit beendet er nun parallel zu seinen neuen Aufgaben.

Voller Veranstaltungskalender

Und das sind einige. Nicht nur der tägliche Betrieb muss reibungslos funktionieren, auch mehrere wichtige Veranstaltungen sind für 2018 im Gestüt Graditz geplant.

Kurz nach der großen Gestütsschau wird das vor mehreren Jahren letztmalig ausgerichtete Turnier der Auszubildenden ein Comeback im Hauptgestüt erleben. Am ersten Wochenende im Juni ist es soweit. „Es sind Wettkämpfe unter Turnierbedingungen und damit eine Besonderheit für die angehenden Pferdewirte. Wir sind gespannt, wie es angenommen wird. Wenn alles nach Plan läuft, wird das Lehrlingschampionat künftig ein fester Bestandteil in Graditz werden“, sagt Siegmund Hintsche.

22 Auszubildende lernen derzeit mit dem Schwerpunkt Haltung und Service im Hauptgestüt Graditz, weitere absolvieren ihre Ausbildung in der Fachrichtung Klassische Reitausbildung im Landgestüt in Moritzburg. Die Sächsische Gestütsverwaltung, ein Staatsbetrieb des Freistaates Sachsen, ist somit einer der größten Ausbildungsbetriebe für Pferdewirte. Bevor man sich für eine Ausbildung entscheidet, ist es sinnvoll, ein Praktikum zu absolvieren, um festzustellen, ob der Beruf des Pferdewirts wirklich der richtige ist.

Neu in diesem Jahr ist der Kindertag. Am 5. Juni können Kindergartengruppen und Grundschulklassen nach Voranmeldung einen Tag lang im Hauptgestüt Graditz Stallluft schnuppern. Für die Kleinen gibt es hier jede Menge rund um die Vierbeiner mit dem weichen Fell und den großen braunen Augen zu entdecken. Das Programm beinhaltet Ponyreiten, eine Gestütsführung, einen Besuch bei Schmied und Tierarzt sowie eine Wissens- und Bastelstraße. Außerdem dürfen die Kinder an einer Fohlentaufe teilnehmen. „Sie werden die Fohlen kennenlernen und dürfen ihnen Namen geben. Es ist seit vielen Jahren das erste Mal, dass so etwas hier durchgeführt wird“, sagt Philipp Klingbeil.

Im Anschluss an den Kindertag folgt schon der nächste Höhepunkt des Jahres: der Deutsche Jungzüchterwettbewerb vom 8. bis 10. Juni. Graditz ist der Austragungsort. „Deutschlandweit kommen die besten Jungzüchter hierher. Ziel dieser Veranstaltung ist es, junge Leute verstärkt an die Zucht und das Beurteilen der Zuchttiere heranzuführen“, so Klingbeil. Schon neben seinem Studium widmete er sich der Vorbereitung und Vorstellung von jungen Pferden zu Körungen oder Stutenschauen. Dieses Wissen kommt ihm jetzt in Graditz zu Gute. Die traditionellen Zuchtveranstaltungen wie die Fohlenschau, die Stuteneintragung oder die Auswahl der Junghengste sind ein fester Bestandteil im Gestütsjahr.

Erfolgreiche Zukunft

Für Siegmund Hintsche und Philipp Klingbeil ist eines ganz klar: Sie möchten die Traditionen erhalten, aber auch mit der Zeit gehen und das Hauptgestüt Graditz so in eine erfolgreiche Zukunft führen.

Und Veränderungen hin oder her: Mehr als zufrieden sind alle Gestütsmitarbeiter mit dem Wichtigsten in Graditz – den Pferden. Die gesamte Zuchtentwicklung ist überaus positiv. Einige Tiere stechen sogar besonders hervor. Da wäre zum Beispiel die vierjährige Stute „Diamant“. Sie war 2017 überragende Siegerstute beim Stutenchampionat in Wolfersdorf. In diesem Jahr wurde sie Reservesiegerin beim DSP-Stuten-Championat in München und beste Stute ihres Jahrgangs.

Sieger im Bundesturnier

Oder „Freiherr von Stein“, ein Trakehner Hengst aus der eigenen Zucht. Mehrere entscheidende Wettkämpfe hat er bereits erfolgreich gemeistert. So ging er als Sieger im Trakehner Bundesturnier 2017 hervor und belegte den dritten Platz beim Bundeschampionat der vierjährigen Reitpferde in Warendorf. Anfang März brachte die Staatsprämienstute Rabea ihr erstes lang erwartetes Fohlen zur Welt: eine bildhübsche dunkelbraune Stute, die nun ihrerseits als Hoffnungsträgerin heranwächst und den Frühling im Galopp auf ihren langen Fohlenbeinen über die weitläufigen Graditzer Weiden in vollen Zügen genießt.

Von Kristin Engel

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