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Neuer Virus in Mittelsachsen

Neuer Virus in Mittelsachsen

Das bislang in Deutschland sehr selten auftretende Schmallenberg-Virus ist zum ersten Mal in Mittelsachsen nachgewiesen worden. Das bestätigte gestern der Amtstierarzt des Landkreises, Dr. Markus Richter, auf Nachfrage dieser Zeitung.

Entdeckt wurde das Virus durch die Totgeburt eines Schaflammes. "Es wurde eine Probe eingeschickt. Der Nachweis des Virus erfolgte am 3. Februar dieses Jahres", so die Pressesprecherin des Landratsamtes Mittelsachsen, Cornelia Kluge.

Laut Dr. Markus Richter ist die durch das Schmallenberg-Virus hervorgerufene Tierkrankheit noch nicht melde- oder anzeigepflichtig. Da es keine spezielle Verordnung zur Bekämpfung dieser Erkrankung gibt, werden keine weiteren Schritte eingeleitet. Es sei aber denkbar, dass in absehbarer Zeit eine Anzeigepflicht dafür eingeführt wird. In welchem Ort und Landwirtschaftsbetrieb beziehungsweise Stall die Totgeburt erfolgte, die offensichtlich auf das Schmallenberg-Virus zurückzuführen ist, wollte der Amtstierarzt nicht sagen, nicht einmal in welchem der drei Altkreise.

Im Nachbar-Landkreis Nordsachsen wird nicht ganz so geheimniskrämerisch mit dem Schmallenberg-Virus umgegangen wie in Mittelsachsen. Bei Landwirt Dirk Stiller in Wellerswalde (Altkreis Oschatz) hat kürzlich ein Mutterschaf ein völlig entstelltes, nicht lebensfähiges Lamm zur Welt gebracht. Eine Internet- recherche brachte den Landwirt auf die Idee, dass es einen Zusammenhang mit dem Schmallenberg-Virus geben könnte. Das tote Lamm wurde zur Analyse in ein Labor geschickt. Anfang dieser Woche erhielt das Veterinäramt im Landratsamt Nordsachsen einen Zwischenbefund über den Nachweis des Schmallenberg-Virus. Einen weiteren Verdachtsfall gibt es in der Dahlener Heide sowie aus der Region um Eilenburg.

"Möglicherweise wird es weitere Fälle geben, weil wir nur jetzt in der Lammzeit die Auswirkungen des Schmallenberg-Virus erkennen können. Ansonsten wissen wir noch relativ wenig über diesen Virus", so die Salbitzer Tierärztin Anja Mauksch. Sie hält es für wichtig, möglichst viel Material zu sammeln und den Pharmaunternehmen zur Verfügung zustellen, damit ein Gegenmittel entwickelt werden kann. "Bei der Blauzungenkrankheit hat dies auch in relativ kurzer Zeit geklappt", sagt die Tierärztin.

H. Rösner/O. Büchel

 

❏ Das "Schmallenberg-Virus" ist bei Schafen, Ziegen und Rindern nachgewiesen worden. Die Übertragung erfolgt vermutlich durch stechende Insekten.

❏ Bislang wurde das Virus in Deutschland 20mal, in den Niederlanden 52mal und in Belgien 14mal (Stand 11. Januar 2012) nachgewiesen. Die bisherigen Nachweise wurden in den Bundesländern Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen geführt. Am 30. Januar wurde der erste Fall in Thüringen gemeldet.

❏ Derzeit gibt es keine Hinweise, dass das Virus Menschen infizieren kann, es ist jedoch nicht ausgeschlossen. Veterinär- und Gesundheitsbehörden untersuchen das Vorkommen. Ein Impfstoff zum Schutz vor der Infektion ist noch nicht verfügbar.

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