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Neues Heft zur Geschichte der Mügelner Industrie

Wirtschaft Neues Heft zur Geschichte der Mügelner Industrie

Die Stadt Mügeln war einst ein blühender Industriestandort. Von den größten Betriebe haben bis auf einen alle überlebt. Meist ist die Zahl der Beschäftigten jedoch niedriger als in der Blütezeit der Mügelner Industriebetriebe. Und auch die Produktpalette hat sich gewandelt.

Das neue Heft des Mügelner Heimatvereins

Quelle: privat

Mügeln. Mit einer Auflage von 500 Stück erschien kürzlich das 10. Heft der „Kleinen Mügelner Schriften- und Mitteilungsreihe“, die der Heimatverein Mogelin heraus gibt. Der Titel: „Zur Geschichte der Mügelner Industriebetriebe“. In dem Heft erhalten Interessierte einen Einblick in die einst größten Betriebe Mügelns (ohne Ortsteile) nämlich Varia, Ruka, Lipsia, Mafa und Feuerbach.

Die Erzeugnisse dieser Unternehmen erlangten zum Teil Weltruf, wurden mit internationalen Medaillen geehrt und besaßen zu DDR-Zeiten vielfach ein Alleinstellungsmerkmal. Zusammengestellt hat das 98 Seiten umfassende Helft Günter Schwerdtner. Wer darin liest, entdeckt Bekanntes und Neues. Für viele Mügelner ist der Begriff Varia beispielsweise verbunden mit den Produkten wie Farbkästen und Knetmasse. Dabei liegen die Wurzeln des Unternehmens 1872 und gehen auf die Herstellung von Tuchschuhen zurück. Zu DDR-Zeiten holte die Varia mit der Malpalette „Brillant“ eine Goldmedaille auf der Leipziger Messe. Die Varia war aber auch Alleinhersteller von Augen- und Gesichtsschutz wie Schweißerbrillen für die gesamte DDR. Nach der Wende wurde die Firma privatisiert und auf ihre Stärken gesetzt, nämlich die vorrangige Herstellung von Farbkästen, Schulmalfarben und Modelliermassen. Zudem kamen weitere Produkte hinzu.

Ende 1894 sind die Wurzeln eines weiteren Unternehmens zu finden: Die Ruka wurde als Ofen-, Porzellan- und Tonwarenfabrik Mügeln gegründet, begann ab September des Folgejahres mit der Produktion in den Abteilungen Wandplatten und Ofenherstellung. Nicht nur in Deutschland waren die Erzeugnisse gefragt, exportiert wurde sogar nach Übersee. Zu DDR-Zeit waren nicht nur Ofenkacheln begehrt. Als Konsumgut gefragt waren beispielsweise die zu vielen Heimatfesten oder Jubiläen angefertigten Keramikbierkrüge, wo in mancher Kellerbar der eine oder andere Krug als Erinnerung noch steht.

Ein wichtiger Betrieb in Mügeln war die Lipsia Chemische Fabrik Mügeln, auf deren Gelände heute verschiedene Firmen angesiedelt sind. Ihre Gründung geht auf eine Überlegung des Mügelner Apothekers Heinrich Konrad zurück. Er regte an, aus dem in der Gegend vorkommenden dolomitischen Kalk Magnesium zu gewinnen. Am 7. Oktober 1898 wurde die Fabrik als Aktiengesellschaft gegründet. Vielschichtig waren die Erzeugnisse, die im Laufe der Jahre hergestellt wurden. Sie reichen von Düngekalk, über Rohstoffe für verschiedene Industriezweige bis hin zu Putz- und Waschmitteln. Darunter war manche „Bück-Dich-Ware“ wie Gardienenwaschmittel, die Hausfrauen schätzten. Aber auch Leipziger Olympioniken und andere Sportler konnten auf ein Erzeugnis aus Mügeln schwer verzichten: Magnesia. Es wurde benutzt, damit Hände der Turner beispielsweise am Reck oder Barren besseren Halt hatten oder Speer oder Kugel sicherer in den Händen der Sportler lag.

Eine Erfolgsgeschichte ist von Beginn an die der Mügelner Maschinenfabrik, deren Anfang in der Schlosserei von Richard Kleeberg liegt. Der war so geschäftstüchtig, dass er 1913 auf dem Anger eine Maschinenfabrik baute. 1919 verkaufte er den Betrieb, Eigentümer wurde die Deutsche Baumaschinen Gesellschaft Rammer und Co. Diese war auf die Entwicklung und den Bau von Mischmaschinen spezialisiert. Ein Gesellschafter war Curt Rammer, der sogar Patente auf diesem Gebiet besaß. Ab 1924 war Rammer Alleininhaber. Wechselvolle Jahre folgten, über die im Heft viele interessante Dinge zu lesen sind. Auch die, dass Curt Rammer 1932 einer der Initiatoren für den Bau des Mügelner Stadtbades war. Heute sind fördertechnische Anlagen Hauptprodukte der „Mafa“, sie kommen in 45 Ländern der Welt zum Einsatz.

Verschwunden in der Mügelner Industrielandschaft ist die Firma Feuerbach, die ebenso unter verschiedenen Firmennamen im Laufe der Zeit firmierte. 1944 wurde die Firma als Betriebsteil der in Leipzig-Plagwitz ansässigen Sächsischen Röhrenfabrik KG gegründet. Vorgesehen war, hier wasserdichte Kartuschen für U-Boote herzustellen. Doch dazu kam es nicht. Nach dem Krieg beginnend, wurden Metallwaren wie Schubkarren in diesem Betrieb produziert. Den Namen Feuerbach hat der Volksmund zum Firmennamen gemacht. Warum, ist im Helft nachzulesen. Ebenso, warum keinen Nachfolgebetrieb mehr gibt.

Von Bärbel Schumann

Mügeln 51.2364187 13.045206
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