Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Oschatz Neujahrsempfang: Oschatzer Stadtchef setzt auf Integration der Flüchtlinge
Region Oschatz Neujahrsempfang: Oschatzer Stadtchef setzt auf Integration der Flüchtlinge
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:37 06.01.2016
Prosten beim Neujahrsempfang in Oschatz auf ein erfolgreiches Jahr 2016 (v.l.): Kai Emanuel (Landrat Nordsachsen), Claus Gröhn (Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig), Andreas Kretschmar (Oschatzer Oberbürgermeister), Martin Büchner (Vorstandsmitglied der Sparkasse Leipzig), Kerstin Kretschmar (Ehefrau des Oberbürgermeisters), Maik Wächtler (Oschatzer Gastronom), Stefan Bräuer (Stadtrat) und Nils Taube (Bäckermeister).   Quelle: Dirk Hunger
Anzeige
Oschatz

 Der erste Neujahrsempfang in Nordsachsen und der einzige in der Collm-Region in diesem Jahr ging am Dienstagabend in Oschatz über die Bühne. Etwa 200 Vertreter aus Wirtschaft, Kommunalpolitik und Gesellschaft trafen sich zum Jahresauftakt im Thomas-Müntzer-Haus. Dabei ging es Oberbürgermeister Andreas Kretschmar (parteilos) nicht nur darum, seinen Gästen zuzuprosten. Kretschmar nutzte den Neujahrsempfang auch dazu, kritische Worte loszuwerden. „Es gibt viele Themen, die in der Öffentlichkeit diskutiert werden, die aber nicht direkt die Stadtverwaltung betreffen Ich glaube aber, dass es trotzdem wichtig ist, sich mit klaren Worten zu positionieren“, so Kretschmar über seine Neujahrsrede 2016. Im Fokus des Oberbürgermeisters standen der Blick auf die Ergebnisse 2015, Einwanderung und Bürokratie:

Ergebnisse 2015

„Wir haben 2015 in unseren Wald investiert und am Stranggraben aufgeforstet, den Beyerbach in Limbach und zweieinhalb Kilometer Feld- und Wirtschaftswege saniert, und wir haben im vergangenen Jahr die Theodor-Körner-Straße gebaut. Die Zuzüge überwiegen die Wegzüge auch unabhängig von den Flüchtlingen in der Stadt. Die Arbeitslosenquote ist stabil bei deutlich unter 10 Prozent und schließlich werden 2016 sogar die beiden Autobahnanbindungen an die A 14 fertig, welche wir 2001 in den Masterplan für die Landesgartenschau geschrieben hatten. Manche Saat braucht lange, bevor sie keimt und Früchte trägt“, meinte Kretschmar.

Flüchtlinge in Oschatz

„Wir werden die Menschen, die bei uns in der Stadt Zuflucht finden, in unser Leben einbeziehen. Dabei sind wir in Oschatz im Vergleich zu anderen Städten ganz vorn dabei, ohne dass ständig in den Medien darüber berichtet wird. Vielleicht funktioniert es ja gerade deshalb so entspannt. Das Oschatzer Bündnis für Demokratie, Menschlichkeit und Toleranz leistet die Arbeit hinter den Kulissen. Einfach, weil es den rund 50 Mitgliedern wichtig ist. Weil sie sich dafür interessieren, wer neu in unsere Stadt gekommen ist. Integration ist für mich, die Menschen durch Arbeit in unser Leben einzubinden. Und in der Freizeit miteinander über die verschiedenen Kulturen ins Gespräch zu kommen. Die Flüchtlinge interessieren sich für unsere Geschichte und unsere Kultur. Und wir wiederum hören ihnen zu, nur so wird ein Schuh draus. Oschatz wird dabei nicht schleichend zu einem kleinen Damaskus, Oschatz bleibt Oschatz – bereichert durch neue Einwohner.“

Die Schulband der Oschatzer Robert-Härtwig-Oberschule umrahmte den Neujahrsempfang musikalisch. Quelle: Dirk Hunger

Bürokratie

„Ich möchte Sie auf eine kleine Exkursion in die moderne Gesetzgebung der Bundesregierung mitnehmen. Das neue Meldegesetz, welches noch restriktiver als bislang daher kommt, verbietet es den Bürgermeister, den Senioren zum Geburtstag zu gratulieren. Das Meldeamt darf mir nicht mehr mitteilen, wer ein Jubiläum hat. Das ist geheim. Damit ist sich der Gesetzgeber in Berlin ganz sicher, dass die Oberen mit den Unteren ja nicht ins Gespräch kommen! Denn die Geburtstagsgratulationen sind eine prima Gelegenheit, mit der ganzen Familie des Jubilars über dies und das zu schwatzen. Der Freistaat macht dazu eine richtige Verordnung, um ins Gespräch zu kommen. Es wird also richtig viel Geld ausgegeben für eine Sozialraumkonferenz… Wenn Du nicht mehr weiter weißt, bilde einen Arbeitskreis. Eine Sozialraumkonferenz ist eine Veranstaltung mit viel Kaffee und Papier, wo Menschen verschiedener Behörden darüber beraten, wie wir besser mit unseren Bürgern ins Gespräch kommen könnten. Bei den Seniorengeburtstagen komme ich gut ins Gespräch. Auch über den Sinn und Unsinn mancher Gesetze und Vorschriften aus Berlin, Dresden oder von uns selbst.“

Noch mehr Bürokratie

„Die Oschatzer Oberschule bekommt seit fünf Jahren eine neue Fassade. Der historische Putz wird für mehrere Millionen Euro saniert, auch dort ist ein Bauende in diesem Jahrzehnt absehbar. Damit dauert die Sanierung etliche Jahre länger als der ursprüngliche Bau der Schule. Während wir uns über Fördermittel freuen, erhalten wir die Information, dass die Behörden, welche die Fördermittel dann ausgeben, die Standards anheben wollen. Ehe wir also fertig sind, uns über das Brückenprogramm zu freuen, ist das Geld schon alle, denn für künftige Planungen gelten bald schärfere Regeln. Geschlagene vier Jahre bemühte sich die Stadtverwaltung um Fördermittel für den neuen Hort, die europaweite Ausschreibung für einen Planer hat ein Jahr gedauert. Und dann mussten diese Genehmigungen, jene Zulassungen und eine ganz spezielle Spezialanalyse auch noch sein. 360 000 Euro hat die Stadt ausgegeben, ohne dass ein Stein auf den anderen gesetzt wurde.“

Von Hagen Rösner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Trauer um den verstorbenen Sänger und Entertainer Achim Mentzel: Die Stimmungskanone hatte auch in Nordsachsen viele Fans und stand mehrfach in der Region auf der Bühne.

06.01.2016

Das nordsächsische Dörfchen Treptitz ist in den Fokus der Forschung gerückt. Seit die Einwohner ihre Abwasserentsorgung und Wärmeversorgung selbst organisiert und dafür Preise eingeheimst haben, ist das Leibniz-Institut auf den Ort aufmerksam geworden. Die Wissenschaftler spüren dabei besonders der Motivation und dem Zusammenhalt der Treptitzer nach.

09.01.2016

Normalerweise versieht der Oschatzer Türmer Ulrich Uhlitzsch seinen Dienst über den Dächern von Oschatz allein. Jetzt erhielt er jedoch Besuch von zwei sächsischen Kollegen. Die Türmer von Zittau und von Schwarzenberg ließen ihre Hörner und Trompeten über der Stadt erschallen.

08.01.2016
Anzeige