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Oschatz Neusornziger schützt Haus mit Bahnschwellen vor fliegenden Autos
Region Oschatz Neusornziger schützt Haus mit Bahnschwellen vor fliegenden Autos
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11:25 09.11.2018
Carsten Richter zwischen den Eisenbahnschwellen, die er zum Schutz seines Hauses eingegraben hat.Im Hintergrund ist der frisch sanierte Hausgiebel zu sehen, in den das Unfallauto exakt vor einem Jahr gekracht ist. Quelle: Frank Hörügel
Neusornzig

„Auf einmal hat es laut gescherbelt und gekracht.“ Dieses Geräusch hat Carsten Richter noch immer im Ohr. Genau vor einem Jahr – am 8. November 2017 gegen 22.20 Uhr – kam eine 33-jährige Leisnigerin mit ihrem roten Auto in Neusornzig von der Fahrbahn ab. Der tiefe Graben neben der Straße funktionierte wie eine Sprungschanze. Der Wagen wurde über den Gartenzaun katapultiert, rammte dort zwei geparkte Autos und krachte schließlich in einer Höhe von über drei Metern in den Hausgiebel der Familie Richter.

Leises Jammern im Garten

Carsten Richter war an diesem Abend nach seiner Spätschicht als Polizist gerade zu Hause angekommen, hatte sein Auto in der Auffahrt vor dem Hausgiebel abgestellt und mit seiner Frau Karla telefoniert. „Ich dachte erst, dass ein Laster vor unserem Haus etwas verloren hat“, erinnert sich der 61-Jährige an das plötzliche Krachen. Als er dann im stockdunklen Garten nachschaute, sah er ein völlig unbekanntes Auto hier stehen und hörte ein leises Jammern. Die Türen des lädierten Wagens waren verklemmt, ließen sich nicht öffnen. Und die Fahrerin lag direkt am Hausgiebel. „Sie ist wahrscheinlich durch die Scheibe der Fahrertür geflogen“, vermutet der Neusornziger.

Er stützte die Verletzte, bugsierte sie ins Haus und wählte den Notruf. „Sie hat sich dabei zig Mal entschuldigt.“ Die 33-Jährige überstand den spektakulären Unfall leicht verletzt.

Schäden sind reguliert

Mittlerweile sind die Schäden am Gartenzaun, dem Garagentor, der Hausfassade und den beiden Autos der Richters reguliert – Gesamtkosten etwa 20 000 Euro. „Die Schlussrechnung für die Fassade haben wir vor 14 Tagen bekommen“, sagt Carsten Richter, der mittlerweile seinen Ruhestand genießt. Auch zwölf Monate nach dem Unglück wird er noch immer an den 8. November 2017 erinnert. „Im Garten finde ich nach wie vor abgesplitterte Plasteteile von den Rückleuchten und Farbsplitter.“

Und seine Frau Karla (56) ergänzt: „Immer, wenn hier Laster oder Autos vorbei donnern, werde ich daran erinnert.“ Die Unfallkurve hat seitdem nichts von ihrer Gefährlichkeit eingebüßt. Im März hatte ein Fahrzeug den Gartenzaun des Nachbarn wegrasiert. Und genau vor 14 Tagen ist Richters Katze beim Überqueren der Straße vor ihrem Haus totgefahren worden. Karla Richter: „Jetzt schaffen wir uns keine Katze mehr an, das ist zu gefährlich.“

Wiedersehen im Amtsgericht Torgau

Die Unfallverursacherin hat Carsten Richter seitdem nur einmal wieder gesehen, bei der Gerichtsverhandlung im Mai in Torgau. „In der Pause kam sie zu mir und hat sich entschuldigt.“ Ganz besonders habe ihr leid getan, dass ihr Auto eine große Holzmühle zerstört hatte – ein Andenken an den verstorbenen Bruder von Carsten Richter.

Nach dem Unfall wandte sich Carsten Richter an das zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) mit der Bitte, eine schützende Leitplanke an seinem Grundstück zu bauen. Das Amt lehnte ab. Ein Grund: Laut Gesetz dürften innerorts bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde keine Schutzplanken erricht werden. Auch der Vorschlag des Hauseigentümers, die Höchstgeschwindigkeit im Bereich der Kurve auf 30 Kilometer pro Stunde zu reduzieren, fand bisher kein Gehör bei den zuständigen Behörden. „Da war keiner da, da gab es keine Unterstützung.“

Findlinge zu teuer

Also blieb den Neusornzigern nichts anderes übrig, als die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Die erste Idee, die „Einflugschneise“ mit großen Findlingen zu versperren, zerschlug sich. „Das hätte 7000 Euro gekostet – und war uns zu teuer“, sagt Carsten Richter.

Dann hatte er eine bessere Idee, die mittlerweile in die Tat umgesetzt worden ist. Der Pensionär grub vier Eisenbahnschwellen aus Holz zum Schutz senkrecht jeweils etwa einen Meter tief in die Erde ein. „Wir konnten nicht warten, bis der Nächste in unser Grundstück fährt“, sagt Karla Grundig. Außerdem hat der Nachbar hinter den Holzschwellen – ebenfalls in der Einflugschneise – ein Gartentor gebaut, das mit zwei einbetonierten Metallpfählen im Boden verankert ist.

Umzug nach Baden-Württemberg geplant

Richters hoffen nun, dass diese provisorischen Schutzeinrichtungen in nächster Zeit ihre Funktion erfüllen. Zumindest so lange, bis sie ihr Haus in Neusornzig verkauft haben und zu den beiden Töchtern nach Baden-Württemberg gezogen sind.

Von frank hörügel

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