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Oschatz Nordsachsen wird Pilotregion für neues Notfallsystem
Region Oschatz Nordsachsen wird Pilotregion für neues Notfallsystem
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14:39 23.02.2018
Der kassenärztliche Bereitschaftsdienst mit bundeseinheitlicher kostenloser Nummer Quelle: privat
Nordsachsen

Die Notfallaufnahmen in den Krankenhäusern haben einen enormen Zulauf, die Zahl der behandelten Patienten steigt kontinuierlich. „Das können aber nicht alles Notfälle sein, denn die Anzahl der wirklichen Notfälle ist relativ stabil, zeigt die Erfahrung, es sei denn, wir haben extreme Situationen, zum Beispiel eine Grippe-Epidemie“, stellte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Sachsen, Dr. Klaus Heckemann, fest.

Keine Gebühr für Notambulanz

Dieser dramatischen Entwicklung müsse man von Seiten der KV jetzt entschieden entgegensteuern, „weil die Politik noch nicht bereit ist, so wie es vernünftig gewesen wäre, eine Gebühr für den Besuch der Notaufnahme einzuführen“.

Praktisch hätte das so ausgesehen, dass jeder, der die Notaufnahme aufsucht, ohne Unterscheidung ob es ein Notfall ist oder nicht, beispielsweise eine Gebühr von 20 Euro zu bezahlen hätte. Diese Gebühr wäre natürlich nicht sofort und vor Ort zu begleichen. Dafür hätte es andere Wege und Möglichkeiten gegeben. „Damit hätte sich das Problem drastisch reduzieren lassen“, ist sich Dr. Heckemann sicher. „Leider ist die Politik nicht sehr mutig, sie ist hier eher populistisch.“

Deshalb habe sich die KV dazu entschlossen, sogenannte „Bereitschaftspraxen“ einzurichten. „Ein System, das sich bereits in Thüringen seit einigen Jahren bewährt hat“, bemerkte Heckemann. Diese Bereitschaftspraxen sollen dann besetzt sein, wenn sie wirklich gebraucht werden, also in der Regel nicht in der Zeit von 22 bis 8 Uhr. Wer in der tiefen Nacht medizinische Hilfe in Anspruch nimmt, sei in der Regel auch ein Notfall und in der dortigen Notaufnahme am Krankenhaus gut aufgehoben.

Bereitschaftspraxis in Delitzsch

Um die Dienstbelastung der niedergelassenen Ärzte nicht noch mehr zu strapazieren, werden die bisherigen kleinen Dienstbereiche für die Bereitschaftsdienste zu einem großen zusammengelegt. Außerdem werde für den Landkreis Nordsachsen eine Bereitschaftspraxis etabliert. Sie wird voraussichtlich in Delitzsch sein. „Es wird einen zentralen Fahrdienst geben“, kündigte Dr. Heckemann an.

Die Vermittlung erfolgt immer über die bundesweite und kostenlose Rufnummer 116 117. Egal, von wo in Sachsen diese Nummer gewählt wird, der Anrufer kommt immer in der zentralen Vermittlungsstelle Sachsen heraus. Von dort erfolgt dann der Einsatz der diensthabenden Ärzte. Wer wann einen Arzt geschickt bekommt, entscheidet ebenfalls die Vermittlungszentrale nach der Schwere der Erkrankung.

Dort sei neben dem Disponenten auch ein Arzt. Möglich sei dann auch eine telefonische Beratung. Manchen Patienten reiche das bereits, weiß Dr. Heckemann aus eigener Erfahrung. Er räumte ein, dass der Patient unter Umständen auf den Hausbesuch auch etwas länger warten müsse. Als nachteilig werde das nicht von ihm gesehen, denn wenn es lebensbedrohlich ist, hilft der Notarzt und sonstige Akutfälle werden im normalen Praxisbetrieb den Arzt auch nur im Ausnahmefall zum Unterbrechen seiner Sprechstunde veranlassen. „Im Bereitschaftsdienst fährt auch immer der Arzt einen Patienten an, der am nächsten zu erreichen ist, starre Dienstbezirke gibt es nicht mehr.“ Damit werden die neuen Möglichkeiten der Kommunikation und der zentralen Einsatzsteuerung optimal genutzt.

Ärzte finanzieren das neue System mit

Die Fahrer besitzen in aller Regel medizinische Grundkenntnisse, können damit auch den Arzt zum Patienten begleiten und unterstützen. Es ist vor allem für Ärztinnen auch ein Vorteil, wenn sie nachts in unbekannter Gegend nicht allein unterwegs sein müssen.

Für die niedergelassenen Ärzte bedeutet das neue System, dass sie es mit einer monatlichen Umlage aus ihrem Honorartopf mitbezahlen. Vermutlich werden sich auch die Krankenkassen daran beteiligen, indem sie Kosten für den Fahrdienst übernehmen. „Wir schaffen damit schließlich auch ein besseres Angebot für die Versicherten“, erklärte der Vorstandsvorsitzende.

Dass die Ärzte derzeit nicht begeistert sind, dass sie etwas bezahlen müssen, was sie vorher nicht mussten, ist für den KV-Vorsitzenden verständlich. Am Gesetzgeber komme man aber eben nicht komplett vorbei. Die Forderung der vollen Finanzierung einer neu geforderten Struktur wird trotzdem weiterhin vehement gegenüber der Politik vertreten. Natürlich gebe es auch die Möglichkeit, dem Gesetz in einer Minimalvariante Folge zu leisten, das heißt „Dienst nach Vorschrift“. Aber das wäre aus Sicht von Heckemann „grob fahrlässig“. Auch weil es andere Bundesländer bereits erfolgreich umsetzen. In Thüringen gibt es das System bereits seit sieben Jahren flächendeckend und es funktioniere.

Künftig werde es so sein, so erklärte der KV-Vorsitzende, dass die Ärzte von zu Hause abgeholt werden, wenn sie zum Einsatz kommen müssen. Jeder niedergelassene Arzt sei zum Bereitschaftsdienst verpflichtet, betonte er zudem. Und der werde seiner Auffassung nach mit 100 Euro pro Einsatz auch gut bezahlt. Zudem gibt es ein Garantiehonorar für einen 12-Stunden-Dienst von 600 Euro. Allerdings wird dieses ausschließlich durch Umverteilung aus den budgetierten Ärztehonoraren finanziert. „An einem Wochenende können Ärzte durchaus an einem Tag auch mehr als 1000 Euro verdienen.“ Ein Betrag, der aus seiner Sicht angemessen ist.

Nordsachsen Pilotregion

Das neue System führe zum anderen dazu, dass im Durchschnitt die Zahl der Dienste für die Ärzte in einigen Regionen halbiert werden könne. Beginnen soll es in Sachsen mit drei Pilotregionen. Nordsachsen ist eine davon. Start ist im Sommer.

Von Ditmar Wohlgemuth

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