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Nordsachsens Milchtankstellen haben viel Zuspruch

Frische Rohmilch Nordsachsens Milchtankstellen haben viel Zuspruch

Auch in Nordsachsen gibt es mehrere Milchtankstellen: Hier können sich Bürger frische Rohmilch zapfen – und so einen ganz anderen Geschmack erleben als bei fettarmer H-Milch aus dem Supermarkt. Inzwischen gibt es einen festen Kundenstamm, für die Agrarbetriebe sind die Milchtankstellen aber oft nur ein kleines Zubrot.

Anika Weißwane aus Krina ist an der Milchtankstelle Hohenroda seit Juni 2016 Stammkundin.
 

Quelle: Wolfgang Sens

Nordsachsen.  Als im vergangenen Jahr die Milchpreise im Keller waren, galten sie als ein zumindest symbolisches Mittel, dem gegenzusteuern – die Milchtankstellen. Ein fairer Preis für ein regionales Produkt. Jeder, der wollte, konnte sich hier frische Milch zapfen. Auch in Nordsachsen wurden damals einige solcher Milchtankstellen eingerichtet – doch wie ist nun, ein gutes Jahr später, die Bilanz?

Seit Juni des vergangenen Jahres gibt es auch in Hohenroda in der Luckowehnaer Straße die Möglichkeit, frische Milch zu „tanken“. Die Agrargenossenschaft Hohenroda wird dadurch allerdings nicht reich, es ist nur ein Zubrot. Aktuell werden am Tag um die 80 Liter Milch verkauft – im Vergleich zu den 15 000, die die Genossenschaft in Richtung der Molkerei verlassen, ist es wirklich nicht mehr als das. Die Milch wird in der Molkerei auch täglich vor der Weiterverarbeitung untersucht. Da die Milchtanks in der Zapfstelle aus demselben Bestand befüllt werden, ist so auch sichergestellt, dass die Rohmilch unbelastet ist.

Imagegewinn für Landwirte

Vor allem erhoffen sich die Landwirte dadurch einen Imagegewinn, mit den Endkunden direkt in Kontakt zu kommen. Daher haben sie sich in Hohenroda auch zertifizieren lassen, dass nur genfreies Soja verfüttert wird. Trotzdem müsse die Milch abgekocht und in wenigen Tagen verzehrt werden. Anders als die weiterverarbeitete Milch wird sie nur gekühlt, gefiltert und nimmt dann die 150 Meter über den Hof. Sie wird nicht pasteurisiert und homogenisiert. Das heißt, sie enthält noch Mikroorganismen, ist nicht fettreduziert und der Fettanteil setzt sich mit der Zeit in den Flaschen ab.

„Am Anfang war viel Neugier dabei“, erzählt Vorstand Jörg Reihe, wie die Tankstelle ankomme. Zum Teil sei da noch das Doppelte umgesetzt worden. Statt am Wochenende kommen die Kunden jetzt vor allem am Freitag. Am Montag werde nachgekauft. In der Schulzeit sorge zudem das Maislabyrinth nebenan dafür, dass auch am Samstag und Sonntag wieder mehr Nachfrage bestehe. Die Kunden kommen aus der Umgebung, aber auch aus Taucha, Leipzig, Schkeuditz, Anhalt-Bitterfeld oder Wittenberg, verraten die Kennzeichen. Oft seien es Stammkunden, „aber es gehen immer noch neue Flaschen weg“, so Reihe. Die Milch gibt es von 5 bis 23 Uhr und sie stammt maximal vom Vortag. Weshalb auch Pendler und sogar Schichtarbeiter den Bogen über die B 2 machten, erzählt Reihe.

Ein Umweg für frische Milch

Einen Umweg nimmt auch Thorsten Kowalski von der B 184 auf sich, um nach der Arbeit noch am Milchautomaten des Landguts Brodau in der Werbeliner Straße einzukehren. Der ist täglich von 6 bis 22 Uhr geöffnet. Ein, zwei Mal die Woche macht er das: Er ist Berufspendler zwischen Bitterfeld und Leipzig, der Tipp kam von einem Bekannten. „Die Milch schmeckt frisch deutlich besser, auch wenn man sich an das Aroma erst einmal gewöhnen muss“, sagt er. In der Tat: Ist man nur fettreduzierte H-Milch gewohnt, wirkt diese im Vergleich fast wässrig; die Rohmilch ist aromatischer und auch leicht süßer.

Das Abfüllen ist in dem wie eine Kuh gesprenkelten Häuschen im Delitzscher Ortsteil Brodau so wie auch in Hohenroda. Der Automat ist dasselbe Schweizer Fabrikat. In ihm sorgt ein Rührwerk beständig dafür, dass sich der Fettgehalt von 3,7 Prozent nicht absetzt. Wer kein eigenes Gefäß hat, kann auch hier für 50 Cent in eine Kasse des Vertrauens eine 1-Liter-Glasflasche direkt vor Ort kaufen. Diese schräg wie beim Bierzapfen unter den Hahn gehalten, Geld einwerfen und ein Liter Milch fließt passgenau. Auch hier kostet dieser einen Euro. Bei Thorsten Kowalski spritzt es etwas. Der Vorführeffekt!

Erfolgsgeschichte auch in Laas

 Entgegen der Empfehlung kocht Kowalski die Milch nicht ab. Auch der Nächste, der an diesem Spätnachmittag in das kleine Häuschen kommt, tut dies nicht. „Wer trinkt denn schon warme Milch?“, ist sein Argument. Der Mann kommt gerade aus seinem Garten in Zschortau und fährt mit dem Rad weiter nach Delitzsch. „Die Milch wird getrunken, wie sie ist.“ Die erste Flasche von der Hinfahrt sei leer, jetzt komme die zweite dran.

Zu einer Erfolgsgeschichte ist mittlerweile auch die Milchtankstelle der Agrargenossenschaft Laas (Gemeinde Liebschützberg) geworden, die sich direkt neben dem Einkaufscenter zur Direktvermarktung der eigenen Produkte auf dem Firmengelände befindet. Seit November 2016 haben die Bürger hier täglich von 6 bis 20 Uhr die Möglichkeit, am Automaten frische Rohmilch, die allerdings ebenfalls zu Hause noch abgekocht werden muss, zu zapfen. Das wird auch rege in Anspruch genommen. „Täglich 60 bis 80 Liter gehen durch den Automaten“, resümiert Dietmar Wiesner, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Laas.

Bürgermeister als Kunde

Zu den ersten Kunden gehörte auch der Liebschützberger Bürgermeister David Schmidt“, der zur Inbetriebnahme der Milchtankstelle mit Blick auf die Agrargenossenschaft von einem Leuchtturm für die Region sprach. „Sie haben das Investment gewagt. Das ist sicher nicht ohne Risiko. Dafür möchte ich danke sagen, dass sie das ermöglicht haben und ich werde immer wieder herkommen und Milch holen.“

Die Kunden können sich unterdessen auf deren Qualität verlassen, verspricht Wiesner. Denn die 400 Kühe des Unternehmens, die täglich 9000 Liter Milch liefern, würden ausschließlich mit genfreiem Futter versorgt. An der Zapfstelle gebe es Milch mit einem Fettgehalt von 4,5 Prozent und 3,5 Prozent Eiweiß. „Die Milch hat natürlich einen ganz anderen Geschmack und man kann im Gegensatz zur H-Milch alles daraus machen – Quark und Joghurt genauso wie Butter und Käse“, schwärmt Wiesner.

Von Manuel Niemann und Heinz Grossnick

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