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Nordsächsische Bauern stecken mitten in der Frühjahrsbestellung

Landwirtschaft Nordsächsische Bauern stecken mitten in der Frühjahrsbestellung

Im Landkreis Nordsachsen ist die Frühjahrsbestellung in vollem Gange. Während im Westteil des Kreises die Agrargenossenschaft Beerendorf den Mais als Hauptfrucht bereits in die Erde gebracht hat, warten Landwirte weiter östlich, auf wärmere Tage, um die Felder mit schwereren Böden bestellen zu können.

Parallel zur Frühjahrsbestellung bringen die Beerendorfer Landwirte auf einem anderen Schlag die erste Ernte des Jahres ein. Der Winterroggen wird siliert und später an die Milchkühe der Genossenschaft verfüttert.
 

Quelle: Wolfgang Sens

Nordsachsen.  Frank Giesel von der Agrargenossenschaft Beerendorf steuert seinen Traktor mit der Drillmaschine morgens zu einem Schlag unweit des Delitzscher Ortsteils. Mit 6,3 Hektar zählt das Feld zu den kleineren, die die Genossenschaft bewirtschaftet. Es ist das letzte Feld, auf dem in diesem Jahr Mais als Hauptfrucht gelegt wird.

Auf dem Schlag mit der Nummer 231 hatte der Landwirtschaftsbetrieb im vergangenen Jahr nach der Ernte die Zwischenfruchtmischung Terra life Mais gedrillt, wobei der Name schon darauf hinweist, dass Mais als Folgekultur vorgesehen ist. Im Winter sind die Zwischenfruchtpflanzen abgestorben. „Damit wurde im Boden Humus angereichert und Stickstoff gebunden“, erklärt Gerhard Schladitz, Vorstandsvorsitzender der Beerendorfer Genossenschaft. Vor der Frühjahrsaussaat ist der Rest der Zwischenfrucht untergegrubbert und das Feld mit Gärreststoffen – Gülle – aus der betriebseigenen Biogasanlage gedüngt worden.

Autopilot übernimmt Steuerung

Nachdem Frank Giesel den Schlag erreicht hat, füttert er den Computer in der Zugmaschine mit der entsprechenden Nummer des Feldes, das dann auf einem der Displays im Fahrerhaus erscheint. „Ich habe alle unsere Felder mit dem Traktor vor ein, zwei Jahren vermessen und die GPS-Daten im Computer hinterlegt, so dass er den Standort jederzeit erkennt“, erklärt der Landwirt.

Auszubildende May-Be Eysoldt ertastet auf dem Feld, ob das Häckselgut schon angetrocknet ist

Auszubildende May-Be Eysoldt ertastet auf dem Feld, ob das Häckselgut schon angetrocknet ist.

Quelle: Wolfgang Sens

Im Rechner gespeichert ist auch die Arbeitsbreite der Drillmaschine. „Wir arbeiten generell mit einer Breite von sechs Metern“, erzählt der Traktorist. Maschinen mit dieser Breite zieht der John Deere 8320 P mit seinen 320 Pferdestärken ohne Probleme. Zuerst drillt Giesel das Vorgewende, wie die Bauern den äußeren Rand eines Feldes bezeichnen.

Danach geht es an die Hauptfläche, wobei der Maschinist den Autopiloten im Fahrzeug nutzt. Im Display ist der Standort von Traktor und Drillmaschine sowie die bereits bearbeitete Fläche, sie hebt sich farblich vom noch unbearbeiteten Teil ab, zu sehen. Über GPS steuert der Rechner den Traktor genau auf eine weiße Linie zu, auf der das Fahrzeug beim Drillen bleibt. So zieht das Gefährt mit einer Geschwindigkeit von 8,8 Kilometern je Stunde schnurgerade Bahn für Bahn. Am Ende des Feldes erhält der Fahrer vom Rechner das Signal „Wenden“. Per Knopfdruck hebt Frank Giesel die Drillmaschine an und dreht per Hand um. „Es gibt aber auch schon Maschinen, die automatisch wenden“, erzählt der Landwirt. Danach überlässt er die Steuerung wieder dem Computer.

Alle 15 Zentimeter ein Maiskorn

Die Feldbearbeitung beginnt Frank Giesel immer an der längsten Seite des Feldes hin zur kürzesten. Jeweils in acht Reihen im Abstand von 75 Zentimetern legt die Maschine alle 15 Zentimeter ein Maiskorn in die Erde. „Rund 88 800 Körner pro Hektar“, zeigt der Computer dem Landwirt an. „Theoretisch“, merkt dieser an.

Aus Erfahrung weiß Giesel jedoch, dass er in diesem Tempo 25 bis 30 Hektar an einem Tag schafft. Über die Osterfeiertage hat der gelernte Agrotechniker und Mechanisator auf dem Nachbarfeld Zuckerrüben gedrillt. 40 Jahre ist der 56-Jährige schon im Betrieb, zuerst in der LPG und seit 1991 in der Agrargenossenschaft Beerendorf.

Maschinist Frank Giesel  erklärt, wie die Mais-Saatmaschine funktioniert

Maschinist Frank Giesel erklärt, wie die Mais-Saatmaschine funktioniert.

Quelle: Wolfgang Sens

Nur zwei, drei Kilometer Luftlinie entfernt, fahren an diesem Tag Mitarbeiter der Genossenschaft auf einem 52 Hektar großen Schlag zwischen Beerendorf und Beerendorf-Ost die erste Ernte des Jahres ein. Der Futterroggen ist wie die anderen Wintergetreidearten im September des Vorjahres gedrillt worden. „Geerntet wird der Roggen mit Unterstützung eines Lohnunternehmers kurz vor dem Ährenschieben, nachdem das Massenwachstum abgeschlossen ist“, erklärt Gerhard Schladitz.

Als Futter für die Milchkühe der Agargenossenschaft wird das Getreide siliert. Dafür lassen die Landwirte die gehäckselten Roggenpflanzen ein, zwei Tage auf dem Feld von Wind und Sonne antrocknen. Danach muss das Häckselgut für vier Wochen ins Silo, bis es als Futter zur Verfügung steht. Der abgeerntete Schlag wird in der Folge mit Mais als Zweitfrucht bestellt. „Je nach Witterung wird uns das Maislegen noch bis etwa 10. Mai beschäftigen“, schätzt der Vorstandsvorsitzende und spricht von einer normalen Frühjahrsbestellung.

„Wir orientieren uns gern am Austrieb der Birken, denn diese sind ein guter Indikator für den Verlauf der Vegetationsperiode“, plaudert Schladitz aus dem Nähkästchen. 2016 haben die Birken 8 bis 15 Tage eher ihren Blattstand erreicht. Begonnen haben die Beerendorfer Landwirte mit der Frühjahrsbestellung Ende März mit den Zuckerrüben und am 11. April beim Mais. Bis Juni folgen dann Pflanzenschutzmaßnahmen. Bereits im Februar wurden nach erfolgter Bodenanalyse Dünger und Gülle ausgebracht.

Auf einen Feld an der Ortsverbindungsstraße von Beerendorf nach Beerendorf-Ost wird das Futtermittel Silage geerntet

Auf einen Feld an der Ortsverbindungsstraße von Beerendorf nach Beerendorf-Ost wird das Futtermittel Silage geerntet.

Quelle: Wolfgang Sens

Die verarbeitete Gülle stammt ausnahmslos aus der eigenen Milchviehanlage. Sie wird als Rohstoff den betriebseigenen Biogasanlagen zugeführt. Diese verlassen sie als Gärreststoffe, die als Dünger auf den Feldern dem natürlichen Kreislauf zugeführt werden.

Vom Biber geflutet

Neben Zuckerrüben, Silomais und Winterroggen baut die Agrargenossenschaft noch Winterweizen und Wintergerste, Triticale, Raps und Ackergras an. 60 Hektar der insgesamt 1380 Hektar bewirtschafteter Fläche sind Dauergrünland, wobei 25 Hektar davon regelmäßig der Biber flutet. Fünf Prozent der Anbaufläche muss die Genossenschaft für sogenannte Greeningmaßnahmen bereitstellen, so fordert es die EU. 25 Hektar davon lässt der Betrieb entweder brach liegen oder sie als Blühwiesen gedeihen.

In diesem Jahr feiert die Agrargenossenschaft Beerendorf ihr 25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass lädt sie am 18. Juni in die Milchviehanlage im Delitzscher Ortsteil Selben zum Hoffest ein. Seit Jahren unterstützen die Beerendorfer Landwirte in mehreren Orten auch auf unterschiedlichste Weise das dörfliche Leben und Vereine.

Von Thomas Steingen

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