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Oschatz Notdienst lindert Schmerzen des todkranken Oschatzers Günther Ehrlich
Region Oschatz Notdienst lindert Schmerzen des todkranken Oschatzers Günther Ehrlich
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06:00 24.11.2016
Petra Reiprich und ihr Lebensgefährte Günther Ehrlich in ihrem Urlaub in Ida Oberstein. Quelle: Foto: privat
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Oschatz

„Viele Menschen denken, wenn sie uns rufen, ist es bereits das Ende. Aber so ist es noch lange nicht“, sagt Dr. Ina Schmitzer, Geschäftsführerin der Leipziger Palliativgesellschaft, die den Palliativnotdienst in Torgau betreibt. Vielmehr verstehen sie sich als Unterstützer in einer Zeit, in der genau diese Hilfe so dringend benötigt wird. Palliativ bedeutet schmerzlindernd, aber nicht die Ursachen einer Krankheit bekämpfend.

„Für mich war der Palliativnotdienst ein Lichtblick in der schweren Zeit des nahenden Abschieds“, sagt Petra Reiprich aus Oschatz. Am 11. September verlor ihr Lebensgefährte Günther den Kampf gegen den Krebs. „Sein monatelanger Leidensweg nach Bekanntwerden dieser heimtückischen Krankheit hat damit ein Ende gefunden. Was bleibt, sind Schmerz und Kummer über den Verlust, aber auch viele schöne Erinnerungen an die Zeit, die ich mit ihm verbringen durfte. Es waren zehn wundervolle Jahre Gemeinsamkeit“.

Unterstützung war sehr wichtig

Petra Reiprich ist ein herzlicher Mensch. Während des Gesprächs lacht sie, weint sie. Heute wie damals ist sie froh darüber, dass sie stets mit der Unterstützung ihrer Familie und Freunde rechnen konnte. „Es tut gut, darüber reden zu können. Ohne die Unterstützung des Palliativnotdienstes wäre damals alles viel schwerer gewesen.“ Als Altenpflegerin wusste sie vom Palliativdienst. „Als mein Lebensgefährte wieder im Krankenhaus war, erkundigte ich mich beim Sozialdienst, was ich tun könnte. Diese gaben mir die Nummer des Teams aus Torgau. Günther lag in Oschatz auf der Palliativstation.“ Hier sei das Pflegepersonal einfühlsam gewesen und habe eine gute Arbeit gemacht. „Es war wirklich spitze. Das hat er selbst gesagt. Doch für mich stand fest, dass ich ihn Zuhause pflegen wollte. Der Palliativdienst hat uns viel Angst genommen. Frau Schmitzer sagte zu meinem Lebensgefährten: Wir sind hier, damit Sie keine Schmerzen, haben. Die Mitarbeiter sind sehr beruhigend auf ihn eingegangen. Es tat richtig gut. Ich konnte mich immer melden, wenn ich Hilfe brauchte. Ich hätte zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen können.“

Das fünfköpfige Team um Ina Schmitzer besteht aus ausgebildeten Krankenschwestern und Altenpflegern mit einer Zusatzausbildung, die für ganz Nordsachsen zuständig sind. Sie betreuen zwischen 35 und 45 Patienten parallel, sind 24 Stunden am Tag erreichbar.

„Viele Leute wissen nicht, dass wir helfen. Meistens werden wir von den Krankenhäusern, Ärzteschaften, Onkologen oder Pflegediensten empfohlen. Wir übernehmen die medizinische Versorgung, machen Schmerztherapie, organisieren Hilfsmittel, verschreiben Physiotherapie im eigenen Heim und gehen auf die Bedürfnisse der Patienten ein. Die Schwestern sind immer in Rufbereitschaft und stehen mit den fünf Ärzten aus den Krankenhäusern in Wermsdorf, Torgau und Oschatz in Kontakt“, so Ina Schmitzer. Auch Petra Reiprich bekam durch den Palliativnotdienst für ihren Lebensgefährten schnell gute Medikamente. „Wir wurden von der Apotheke in Oschatz gleich beliefert. Ich arbeite in der Altenpflege und habe daher viel Umgang mit sterbenden Menschen. Doch privat ist es etwas vollkommen anderes. Man kann dann damit gar nicht umgehen und hat Angst. Es geht einem natürlich viel mehr ans Herz“, so die Oschatzerin.

Die Chemotherapie nach der Diagnose Anfang Mai 2016 wurde bald wieder abgebrochen. Schnell stand fest, dass es keine Heilungschancen für Günther Ehrlich mehr gab. Rippenfellkrebs sei selten und würde meist zu spät erkannt.

Die Mitarbeiter des Palliativnotdienstes gehen nicht nur auf den Patienten, sondern auch auf die Angehörigen ein. Doch auch für sie ist es oft kein leichter Beruf. „Wir haben ein sehr gutes Team. Wir haben jeden Tag eine Beratung, wo jeder über seine Patienten reden kann. Alle sechs Wochen gibt es eine externe Supervision. So können sich die Mitarbeiter ihren Kummer auch mal von der Seele reden“, sagt die Geschäftsführerin, betont aber auch, dass sie ein sehr stabiles Team habe.

„Die Mitarbeiter haben regelmäßig nachgefragt, wie es ihm geht, wie es mir geht. Er hat immer schwer Luft bekommen. Daher haben sie den Sauerstoffgehalt im Blut gemessen und die richtige Schmerzmitteldosierung ermittelt. Das hat spitze geklappt“, sagt Petra Reiprich.

Betreuung in gewohnter Umgebung

Der Dienst konzentriert sich auf Patienten mit fortgeschrittenen Erkrankungen, die nicht mehr lange zu leben haben. Meist sind das Tumorerkrankungen, Herzinsuffizienz oder neurologische Erkrankungen. Ein Ziel des Dienstes ist es, dass der Patient nicht aus seiner gewohnten Umgebung gerissen werden muss. Das gelingt in 80 Prozent aller Fälle.

„Am 11. September habe ich um 8 Uhr morgens beim Palliativdienst angerufen. Ich hatte so ein Gefühl. Günther war sehr unruhig, bekam alle vier Stunden Morphium. Meine Tochter Sandra war bei mir. Für mich war wichtig, dass er in seiner gewohnten Umgebung einschlafen konnte“, erinnert sich Petra Reiprich. „Für mich ist es wichtig, dass die Leute wissen, dass es in einer solch schweren Phase Unterstützung gibt und man damit nicht alleine sein muss. Das Team stand uns mit Rat und Tat zur Seite. Natürlich konnte es uns den Schmerz nicht nehmen. Dennoch war da dieses gute Gefühl, mit seinen Ängsten und Sorgen nicht alleine zu sein. Der letzte Weg ist war steinig, aber man muss ihn nicht alleine gehen.“

Die Oschatzerin ist bereits wieder arbeiten. Sie habe dort liebe Kollegen – und die Arbeit lenke sie ab. Doch wenn sie bei sich Zuhause zur Ruhe kommt, erinnert sich die Oschatzerin auch wieder an die schlimme, aber vor allem an die schöne Zeit, die sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Günther Ehrlich erleben durfte.

Von Kristin Engel

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