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Oschatz Oboe oder Fagott: Hier erklingen selbst Exoten
Region Oschatz Oboe oder Fagott: Hier erklingen selbst Exoten
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17:52 09.01.2015
Susanne Hornemann leitet die Oschatzer Musikschule. Quelle: Dirk Hunger

Sie führt nach wie vor die Geschäftsstelle Oschatz der Musikschule "Heinrich Schütz" des Landkreises Nordsachsen an der Dresdener Straße und blickte für die OAZ auf dieses Jahrzehnt zurück.

Anfang 2005 nutzten "450 Schüler im Alter von eineinhalb bis 60 Jahre" das Angebot der Musikschule Oschatz, wurde vor zehn Jahren berichtet. Wie sieht das heute bei geschrumpfter Einwohnerzahl in Stadt und Landkreis aus?

Wir sind mit rund 500 Schülern an der Obergrenze unserer Möglichkeiten angekommen. Die Räume, die Finanzen und damit die Fördermittel für den Unterricht und die Honorare, die wir den Lehrkräften zahlen können, geben nicht mehr her.

Abwanderung aus der Region und gesunkene Geburtenraten haben das Interesse an musikalischer Ausbildung nicht abschwächen können? Wie ist Ihnen das gelungen?

Das liegt unter anderem daran, dass mir ein engagiertes Team zur Seite steht. Als ich selbst im Jahr 2000 als Honorarkraft hier anfing, gab es - damals noch im Bürgerhaus - fünf, sechs Unterrichtsfächer. Es ging eng zu, war aber familiär. Ich habe mich bemüht, auch nach dem Umzug an die Dresdener Straße, diesen Geist zu erhalten. Wir stimmen uns unkompliziert zum Beispiel darüber ab, welche Schüler in welchen kleinen Ensembles oder Projekten mitwirken, wo sie sich am besten entwickeln und ihren Leistungsstand zeigen können. Ich glaube, die Eltern unserer jungen Schüler sehen, dass ihre Kinder hier eine gute Ausbildung erhalten. Das hat sich herumgesprochen.

Wie viele Lehrkräfte wirken an dieser Entwicklung mit?

Insgesamt sind das rund 20. Genau genommen gibt es eine volle und zwei halbe Stellen ausschließlich für Oschatz. Eine weitere halbe Stelle teilen wir uns mit Torgau. Alle anderen Lehrkräfte arbeiten auf Honorarbasis, kommen zum größten Teil aus Dresden oder Leipzig hierher. Das zu organisieren gehört zu meinen Aufgaben.

Zu den großen Veränderungen in den vergangenen zehn Jahren gehörte die Kreisreform. Wie stark hat das Sie und die Musikschule betroffen?

Wir hatten damals starke Befürchtungen, was dabei für ein Riesenbetrieb entstehen würde. In der Tat ist es so, das wir vor zehn Jahren eher ein Torgauer Anhängsel, eine Außenstelle waren. Heute können wir als relativ selbstständige Geschäftsstelle agieren. Der größere Verbund im neuen Landkreis führt auch dazu, dass man mehr Kollegen hat, mit denen man sich austauschen und mit denen man zusammenarbeiten kann. Die Fusion bot die Chance, das Jugendsinfonieorchester zu bilden - eine tolle Entwicklungsmöglichkeit für viele junge Instrumentalisten.

Was hat sich an den Angeboten geändert, seit Sie in Oschatz die Leitung übernommen haben?

Es gibt die Klassiker, die immer nachgefragt werden, wie Klavier, Geige, Flöte, Akkordeon und Schlagzeug. Für Gitarrenunterricht bekommen wir wöchentlich Anfragen rein. Auch Exoten wie Oboe und Fagott können wir bei ausreichender Nachfrage anbieten. Großen Zuspruch finden unsere Tanzangebote. Und natürlich reagieren wir auf die Nachfrage. Es gab schon Kurse für Mandoline ebenso wie für E-Gitarre. Wenn es keine Veränderungen gäbe, hieße das Stillstand. Das wollen wir nicht.

Wo kommen "Ihre" Musikschüler her? Wie weit gehen Sie ihnen entgegen?

Natürlich sind wir auch außerhalb unseres Gebäudes aktiv, zum Beispiel in der musikalischen Früherziehung in Kindereinrichtungen oder in Ganztagesangeboten der Schulen. Das ist seitens unserer Partner auch immer eine Geldfrage. Manche Zusammenarbeit endet dann eben. Nach der musikalischen Früherziehung setzen eine Reihe der Eltern die Ausbildung ihrer Kinder bei uns fort. Größer ist der Anteil der Kinder, die gleich im Haus mit der Ausbildung beginnen und dann bei der Stange bleiben. Bei manchen erwacht das Interesse erst in der Schulzeit oder im Erwachsenenalter - das ist überhaupt kein Problem. Regional gesehen kommen unsere Schüler aus dem gesamten Großraum Oschatz, einzelne auch aus Ostrau oder der Torgauer Gegend. Dahinter steht oftmals der Wunsch, von einem bestimmten Lehrer unterrichtet zu werden.

Welche Rolle spielt der Geldbeutel?

In der Tat sind die Eltern vieler unserer Schüler Akademiker, für des einfach zur Bildung gehört, dass ihr Kind ein Instrument erlernt. Aber wir sind für alle offen und bieten - auch nach der Erhöhung der Gebühren vor vier Jahren - faire Preise. Das ist nach wie vor ein staatlich geförderter Unterricht, bei dem die Schüler beziehungsweise deren Eltern nur einen Bruchteil der tatsächlichen Kosten tragen müssen.

Als sie in Oschatz eine Festanstellung erhielten, sind Sie hierher gezogen. Ist die Stadt inzwischen ihre Heimat?

Auf jeden Fall, besonders seit unsere Kinder hier aufwachsen. Eine Freundin hat mir gegenüber Oschatz als Insel der Glückseligkeit bezeichnet. Es gäbe hier an Schulen alles, was man braucht, auch eine Musikschule und das ohne die Gefahren, die eine Großstadt in sich birgt. Zugegeben, dass großstädtische Kulturleben, wie ich es im Studium kennen gelernt habe, vermisse ich manchmal. Aber dann sind Dresden und Leipzig ja nicht außer der Welt.

www.heinrichschütz.de

Kaminski, Axel

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