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Oschatz Oschatz-Info führt durch mehrstöckige Keller im Stadtzentrum
Region Oschatz Oschatz-Info führt durch mehrstöckige Keller im Stadtzentrum
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00:21 06.03.2018
Ute Oehmichen verrät einige Geheimnisse über den Keller unter der ehemaligen Rathausapotheke. Quelle: Kristin Engel
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Oschatz

Was ist dran an dem Gerücht, Oschatzer Häuser seien unterirdisch miteinander verbunden und geheime Wege führten unter dem Neumarkt durch? Dieser Frage gingen jetzt die Teilnehmer der Oschatzer Kellerführung auf den Grund. Als Experten waren Dana Bach, Leiterin des Stadt- und Waagenmuseums und Ute Oehmichen, Leiterin der Oschatz-Information, mit dabei. Die beiden Frauen führten durch die Keller und nahmen die Teilnehmer mit auf eine Zeitreise.

Seit vier Jahren bietet die Oschatz-Information bereits diese Kellerführungen an. Ähnliche Führungen gab es bereits 2000/2001, angeboten von der Volkshochschule. „Damals waren auch wir dabei und fanden die Führung wahnsinnig spannend. Doch nach zwei Jahren fanden diese nicht mehr statt. Das war sehr schade und der Grund für uns, so eine Führung selbst mit in das Programm zu nehmen. Doch nie hätten wir gedacht, dass es sich so großer Beliebtheit erfreut“, erinnert sich Ute Oehmichen.

Oschatz wurde mehrfach von Stadtbränden heimgesucht

Auch wenn es viele Aufzeichnungen zu den Häusern und ihrer Geschichte in Oschatz gibt, gäbe es doch kaum welche über die Keller. Diese bestehen jedoch bereits länger als die meisten Häuser, die sich darüber befinden. Der Grund: Oschatz wurde mehrfach von Stadtbränden heimgesucht. So begaben sich die Teilnehmer der Führung auf eine Reise durch die Zeit – bis in das 16., 15., 14., ja sogar bis in das 13. Jahrhundert. Los ging es am Rathaus. Das ursprüngliche Rathaus wurde im Jahr 1477 erbaut, 60 Jahre später wieder abgerissen, Grundstücke dazu gekauft und ein größeres errichtet.

Das Gebäude, in dem sich jetzt die Oschatz-Information befindet, war einst die Ratsapotheke. „Wir stehen jetzt im 16. Jahrhundert“, sagt Ute Oemichen, als sich alle im ersten Keller unter der Oschatz-Information befinden. Sie weist darauf hin, dass manchmal ein wenig Wasser über die Treppen fließt. Doch warum? Ein paar Stufen weiter oben befindet sich ein kleiner Raum, in dem man noch ansatzweise einen alten Brunnen erkennen kann. Die Wasserader wurde vermutlich zugesetzt, doch das Wasser sucht sich noch immer seinen Weg. Aus der Zeit der Apotheke befindet sich noch heute ein kleiner Tresor hier unten. Ein „Giftschrank“, in dem die Medikamente aufbewahrt wurden. Später wurde dieser jedoch nur noch als kleine Bar genutzt, denn aus dem Apothekenkeller wurde im 20. Jahrhundert ein Partyraum – „Zur Seufzergruft“. Verschiedene Bilder an der Wand zeugen noch von lustigen Abenden.

Mehrstöckige Keller in Oschatz

„Bei dem Bau eines Hauses wurde immer mit dem Keller angefangen. Wenn das Haus verändert wurde, wurde wieder ein neuer Keller gebaut. Das ist die Erklärung dafür, dass es auch drei-etagige Keller in Oschatz gibt.“

Keller waren in der damaligen Zeit lebensnotwendig, da die Bewohner hier unter anderem ihre Lebensmittel gelagert haben. Einige sollten auch als Luftschutzbunker genutzt werden. Doch was ist, wenn das Haus einstürzte, während sich die Bewohner im Keller versteckt hielten? Gab es für sie tatsächlich eine Rettung durch andere Keller, oder wurde mit dem verschlossenen Ausgang ihr Schicksal besiegelt? Die Teilnehmer der Führung kennen nun die Antwort.

Mehrere unterirdische Arrestzellen

Weitere Antworten gibt es in den Kellern des Neumarktes 4, 6 und 8 sowie in der Altoschatzer Straße 31. Hier war die damalige Stadt zu Ende. Neben dem Altoschatzer Stadttor befand sich in damaligen Zeiten die Wohnung des Röhrmeisters mit Werkstatt. Dessen Aufgabe war es, die Wasserleitungen in der gesamten Stadt zu kontrollieren und zu reparieren.

Auf der anderen Seite hatte der Torschreiber seinen Sitz. Er kontrollierte die Passanten, die in die Stadt hinein und hinaus wollten. Ein paar Meter weiter befinden sich die Stadtfronknechtewohnung, angrenzend an die Ratsfronfeste, die 1574 erbaut wurden. „Bis 1945 war dies eine Gerichtsstätte mit mehreren Arrestzellen. In den 50er Jahren wurde es erst zum Museum“, sagt die Museumsleiterin.

Somit besichtigen die Teilnehmer hier nun keine Kellerräume, sondern Arrestzellen – drei an der Zahl. Deutlich lassen sich hier Inschriften an den Wänden erkennen. Darunter auch die Zeichnung des Galgens mit drei Totenköpfen, die daran baumeln (siehe rundes Foto oben). Andere Inschriften geben nach wie vor Rätsel auf. Löschte man hier unten das Licht, konnte man nicht mehr die Hand vor den Augen erkennen. Und auch den Insassen sei es nicht anders ergangen, als das letzte Stück ihrer Kerze niedergebrannt war. Ein erdrückendes Gefühl. So waren auch die Teilnehmer froh, wieder an die Oberfläche zu gelangen. Nur sie wissen nun, was es mit den hartnäckigen Gerüchten über die Oschatzer Unterwelt auf sich hat. Und nach wie vor stecken hier Geheimnisse, die noch nicht gelüftet werden konnten. Und das sei auch gut so, findet Dana Bach: „Gerade diese Geheimnisse machen es so spannend.“

Hinweis: Nur noch wenige freie Plätze sind für die diesjährigen Kellerführungen vorhanden, Tel. 03435/970242.

Von Kristin Engel

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