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Oschatz: Zwarte Pieten treiben Schabernack

Oschatz: Zwarte Pieten treiben Schabernack

Von einer ruhigen Adventszeit können diese drei Männer nur träumen. Für Sint Nicolaas und seine beiden Mohren - Süßigkeiten-Piet und Koch-Piet - ist jetzt Hochsaison.

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Sint Nicolaas wird auf dem Oschatzer Weihnachtsmarkt von Koch-Piet (l.) und Süßigkeiten-Piet unterstützt. Fotos: Dirk Hunger

Quelle: Dirk Hunger

Ihren 28. Auftritt in diesem Jahr hatten die Blomberger am Sonnabendnachmittag auf dem Oschatzer Neumarkt. Doch wer steckt eigentlich hinter dem weißen Bart und den tiefschwarzen Gesichtern?

 

Von Frank Hörügel

 

"Unsere richtigen Namen möchten wir nicht nennen. Die Kinder sollen doch denken, dass wir echt sind. Wenn wir nach unseren Namen gefragt werden, dann sagen wir: Sint oder Piet", sagt Sint Nicolaas mit holländischem Akzent. Der 68-jährige Pensionär stammt aus Holland und kam 1976 als Soldat nach Deutschland. Seit reichlich zehn Jahren ist er Mitglied des Vereins Sint Nicolaas in der Oschatzer Partnerstadt Blomberg.

 

In diesem Jahr ist der Sint das neunte Mal in Oschatz und wie immer mit Leidenschaft bei der Sache. "Natürlich ist das auch eine gewisse Belastung. Aber die faszinierten Blicke der Kinder bringen mir ein Stück Zufriedenheit. Und mir ist es auch wichtig, diese Tradition am Leben zu erhalten", sagt er. In Oschatz fällt das nicht leicht, da die Tradition des Sint Nicolaas in Sachsen nicht verwurzelt ist. "Die Kinder sprechen mich hier oft als Weihnachtsmann an", sagt der 68-Jährige.

 

Beim Auftritt auf dem Oschatzer Weihnachtsmarkt bekommt der Sint Unterstützung von sieben Mohren (Pieten) aus Oschatz und zwei Blomberger Pieten. Das Wort Pieten stammt von Zwarte Piet aus dem Holländischen und heißt übersetzt "Schwarzer Peter". Besonders beliebt bei den Oschatzer Kindern ist der Süßigkeiten-Piet. Denn der verteilt das sogenannte Streugut - Pfeffernüsse und Schaum-Süßigkeiten. Süßigkeiten-Piet ist 48 Jahre alt und im richtigen Leben Justizvollzugsbeamter. Der geborene Blomberger war am Wochenende das dritte Mal in Oschatz. "Ich mache immer den Piet und habe einfach Spaß, wenn ich die Begeisterung der Kinder sehe", sagt er. Und Süßigkeiten-Piet nennt noch einen weiteren Beweggrund, warum er in jeder Adventszeit ins Kostüm schlüpft und sich das Gesicht schwärzt. "Hinter dieser Fassade kann ich mich verstecken und ein anderer Mensch sein. Selbst die Verwandtschaft erkennt mich nicht."

 

Das schätzt auch Koch-Piet. Der 58-Jährige hat bis zu seiner Pensionierung als Koch gearbeitet. "Als Koch-Piet kann ich mich ein bisschen gehen lassen und Schabernack treiben", sagt der Blomberger. Wenn er mit schwarzem Gesicht und im Kostüm unterwegs ist, dann hält Koch-Piet meist den Mund - aus gutem Grund. "Man darf nicht so viel reden, sonst wird man von Bekannten oder Verwandten erkannt."

 

Für Gesprächsstoff im Blomberger Verein Sint Nicolaas hat unlängst die Kritik der Vereinten Nationen gesorgt, die die Tradition als rassistisch bezeichneten. Die schwarz geschminkten Pieten seien die Sklaven des weißen Sint Nicolaas, wetterten Experten der Vereinten Nationen. "Das stimmt doch nicht: Die Pieten sind keine Sklaven, sondern meine Helfer", kontert der Blomberger Sint Nicolaas. Mittlerweile, ergänzt Süßigkeiten-Piet, ist die Diskussion in Blomberg wieder abgeflaut. Die Chancen stehen also gut, dass sich die Oschatzer auch 2014 am Anblick der Zwarten Pieten erfreuen können.

Frank Hörügel

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