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Region Oschatz Oschatz im Ausnahmezustand
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22:10 22.08.2013

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Auf jeden der 15 0000 Einwohner kommt scheinbar ein Sicherheitsbeamter. Die Stadt befindet sich im Ausnahmezustand.

Von Roland Herold

Doch Lucio Foscaro, der Besitzer des Eiscafés, reibt sich die Hände. Seit dem sächsischen König im Jahre 1905 hat Oschatz nicht mehr so einen prominenten Besuch erlebt.

Kurz vor 19 Uhr landet Angela Merkel mit dem Hubschrauber, der sie von ihrem nachmittäglichen Auftritt in Wernigerode herübergebracht hat. Im pinkfarbenen Blazer, begleitet vom sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (ebenfalls CDU) und unter dem Jubel der rund 3000 Zuschauer meist älteren Semesters erklimmt sie die Bühne. Dass es immer wieder auch einige Buh-Rufe gibt - darüber steht sie.

SPD-Herausforderer Peer Steinbrück hatte gewarnt: "Angela Merkel lullt die Leute ein." Nun sagt sie einfach: "Ich bin gekommen, um mit Ihnen darüber zu reden, was wir Ihnen anbieten können und welche Vorstellungen Sie haben." Das macht Eindruck.

Zunächst bricht sie eine Lanze für Selbstständige, Unternehmer und Handwerker. "Das Wichtigste ist, dass wir Menschen mit der Lust haben, etwas zu unternehmen." Diesen dürfe man seitens der Politik keine Knüppel zwischen die Beine werfen. Auch Neiddiskussionen seien unangebracht. Dann geht die Kanzlerin auf das Thema ein, das die Region besonders drückt - den demografischen Wandel. "Wenn wir mehr Ältere sind und weniger Jüngere, werden wir etwas tun müssen für die Pflege", sagt sie. Deshalb sei dies auch der einzige Punkt im Regierungsprogramm, wo man im Falle einer Wiederwahl die Beiträge erhöhen müsse. Sowohl im Interesse der Pflegeheime als auch in dem der häuslichen Pflege. Wieder Beifall. Auch die Ungerechtigkeit, dass Mütter, deren Kinder nach 1992 geboren wurden, im Rentenrecht bessergestellt sind, soll künftig beseitigt werden, verspricht die Kanzlerin.

Und schließlich drückt sie sich auch nicht um das böse R-Wort. Seit sich Finanzminister Wolfgang Schäuble verplappert und von einem dritten Rettungspaket für Griechenland gesprochen hat, schießen die Spekulationen ins Kraut. Die CDU-Spitzenkandidatin sagt dazu nun vieldeutig: "Jeder muss seine Verantwortung Zuhause wahrnehmen." Aber wer dies tue, der habe dann auch Anspruch auf die Solidarität der anderen...

Merkel, die ein wenig abgespannt wirkt, aber entschlossen und eindringlich auftritt, hat die Menge auf ihre Seite gezogen. Und während der Beifall noch tobt, eilt der parteilose Oschatzer Bürgermeister Andreas Kretschmar im grauen Anzug und mit dem Goldenen Buch auf die Bühne. Der Anzug des Bürgermeisters, das Kostüm der Kanzlerin und das Buch der Stadt, in dem sich schon der König verewigt hat: Grau-Pink-Gold. Dazu noch die Nationalhymne. Noch mehr geht heute nicht in Oschatz.

Das letzte Wort hat dann der junge Torgauer Marian Wendt, der den populären Bundestagsabgeordneten Manfred Kolbe im Wahlkreis 152 beerben soll und die Starthilfe sichtlich genießt.

"Ich fand die Rede gut", sagt Lucio Foscaro, der Besitzer des Eiscafés. Und das Geschäft habe ja auch gebrummt. "Nun muss man etwas tun, dass das in Oschatz immer so ist. Denn sonst ist hier immer alles ausgestorben."

Roladn Herold

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