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Oschatz Oschatzer Brandstifter zündelt aus Frust
Region Oschatz Oschatzer Brandstifter zündelt aus Frust
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17:41 28.08.2013
Zwei mal wurden die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Oschatz und Polizisten Ende Februar zum Einsatz am Königreichssaal gerufen. Quelle: Dirk Hunger

Falls der 32-jährige Angeklagte wegen schwerer Brandstiftung verurteilt werden sollte, kommt er deshalb höchstwahrscheinlich nicht in eine psychiatrische Klinik oder geschlossene Anstalt, sondern in ein ganz normales Gefängnis. Noch ist es aber nicht so weit.

Mit Spannung erwarteten gestern am Landgericht Leipzig die Prozessbeteiligten eine Antwort auf die Frage: Warum wollte Robert L. im Februar an zwei Tagen in Folge den Gemeindesaal der Zeugen Jehovas in Brand setzen? Der Angeklagte selbst äußerte sich nicht dazu. Und auch der psychiatrische Gutachter Kasten konnte nach Gesprächen mit Robert L. nur den Versuch einer Antwort wagen. "Er wollte damit seinen Frust abbauen", sagte der 49-jährige Facharzt für Psychiatrie. Zudem habe der Angeklagte gesagt, dass ihn eine Fernsehnachricht zu den Brandstiftungen veranlasst habe. Inhalt des Beitrages: Bundeskanzlerin Angela Merkel wolle jetzt mit den Zeugen Jehovas zusammenarbeiten.

Mit Frust kämpft der gelernte Rohrleitungsbauer Robert L. bereits seit Jahren. 2002 wurde er von seinem Arbeitgeber entlassen, machte danach mit Sachbeschädigung, Körperverletzung und Nötigung auf sich aufmerksam. 2003 versuchte sich der Oschatzer mit einer Mixtur aus Salzsäure und Pflanzenschutzmittel umzubringen, was misslang. Im gleichen Jahr kletterte er unter Drogeneinfluss auf das Dach des Leipziger Hauptbahnhofes und wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Nach Einschätzung von Gutachter Kasten leidet der Angeklagte unter "leichten, vorübergehenden seelischen Störungen". Eine generelle Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen liege nicht vor. Das heißt: Eine Einweisung des Angeklagten in eine psychiatrische Klinik kommt nach Einschätzung des Facharztes nicht in Frage. Der Experte äußerte sich außerdem zur Rückfallgefahr des Oschatzers, der bereits 2011 in ein Wohnhaus in Zschöllau einen Brandsatz aus Wunderkerzen geworfen hatte. "Er hat keine kritische Sicht auf seine Taten", so Kasten. Ein gewisses Rückfallrisiko sei deshalb gegeben.

Verurteilt wurde der Angeklagte gestern nicht. Denn sein Verteidiger Axel Kaufmann will erst einmal beweisen, dass bei der Brandstiftung am 28. Februar die Eingangstür zum Königreichssaal nach dem Verlöschen des Brandsatzes nicht selbstständig weiter gebrannt habe. "Das ist für die Schuldfrage entscheidend, weil es dann nur eine versuchte Brandstiftung wäre", begründete Kaufmann seinen Beweisantrag. Das Gericht entscheidet nun, ob ein Brandschutzgutachten in Auftrag gegeben wird. Der Prozess wird am 6. September fortgesetzt.

Frank Hörügel

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