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Oschatzer Ex-Schulleiterin Gabriele Neubert als fitte Rentnerin

Thomas-Mann-Gymnasium Oschatzer Ex-Schulleiterin Gabriele Neubert als fitte Rentnerin

Unzählige Oschatzer kennen sie: 20 Jahre lang war Gabriele Neubert Schulleiterin am Thomas-Mann-Gymnasium. Seit viereinhalb Jahren ist sie nun im Ruhestand – doch die 69-Jährige hat noch viel vor. Sogar Unterricht gibt sie wieder, diesmal an der Volkshochschule.

Gabriele Neubert hält sich fit.

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz. Natürlich interessiert sich Gabriele Neubert für die weitere Entwicklung des Thomas-Mann-Gymnasiums in Oschatz. Schließlich führte sie 20 Jahre lang erfolgreich ihre Schüler zum Abitur. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie sich mit Ratschlägen oder Kritik in den Schulablauf einmischt. Sie weiß, dass ihre ehemaligen Kollegen weiterhin wertvolle pädagogische Arbeit leisten. Und doch tut es Gabriele Neubert gut, auf der Straße von Lehrern, Eltern und Schülern an die alten Zeiten erinnert zu werden und dass ihre Einsatzbereitschaft als Schulleiterin geachtet und geschätzt wurde.

„Direkt nach der Wende wurde ich Schulleiterin. Das hieß aber auch, dass man von da an sehr viel Verantwortung übernahm. Zuvor war ich auf dem Landratsamt tätig. Es gab für das Amt als Schulleiterin drei Bewerber“, erinnert sich die 69-Jährige. Entschieden wurde schließlich auch von den Schülern, Eltern und Lehrern. Und so konnte Gabriele Neubert ihr neues Amt beginnen. „Ich wurde mit offenen Armen aufgenommen.“ Erfahrungen als Lehrerin brachte sie auch bereits mit. Sie war Sport- und Deutschlehrerin an der Ernst-Schneller-Oberschule in Oschatz. „In den 20 Jahren am Thomas-Mann-Gymnasium herrschte immer ein sehr harmonisches Verhältnis zwischen den Lehrern. Und ich habe das Gefühl, dass sich das auch auf die Schüler übertrug. Es gab neben dem Lernen auch immer Humor, Spaß und Freude im Alltag.“ Kein Tag sei ohne Lachen vergangen. Und auch bildungsmäßig war das Niveau an der Schule sehr hoch. „Das Thomas-Mann-Gymnasium gehörte immer zu den besten Schulen. So gut wie jedes Jahr hatten wir 1,0er-Abiturienten, die auch in Dresden für ihre hervorragenden Leistungen ausgezeichnet wurden. Wir waren an vielen Projekten beteiligt. So zum Beispiel am Projekt ,Profil Q’, bei dem neue innovative Unterrichtsmethoden erprobt wurden. Hierbei war die Selbstständigkeit der Schüler gefordert. Ja, wir haben viel unternommen, um die Schüler zur Selbstständigkeit zu erziehen. Wir bekamen das Feedback der Schüler, dass sie durch diese Maßnahmen auch im Studium gut klarkamen“, erzählt die Oschatzerin.

Neuer Lebensabschnitt

Gerne habe sie noch bis zum letzten Tag gearbeitet. Wissend, dass dann ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Diesen sei sie vor viereinhalb Jahren optimistisch entgegen gegangen. „Ich würde aber lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich die Zeit an der Schule nicht vermisse. Es gab dort viele liebe Menschen. Ich erinnere mich auch gerne an die Traditionen. Zum Beispiel an das Volleyballturnier oder an den Ball der Ehemaligen, an die Chorkonzerte oder Theaterveranstaltungen.“

Doch ganz mit Schule abschließen konnte sie bisher noch nicht. Das ist auch nicht möglich, unterrichtet sie doch auch heute noch drei Kurse an der Volkshochschule. In einer Erwachsenengruppe gibt sie Englischunterricht. „Letztendlich sind die Erwachsenen wie Schüler. Ohne einen leichten Druck geht es nicht. Ausreden für nicht gelernte Vokabeln haben sie viele. Dennoch wird jede Woche ein kleiner Test geschrieben.“ Gabriele Neubert lacht bei dem Gedanken an die lustige Truppe von sieben bis zehn Teilnehmern. Wer jetzt denkt: „Das waren doch früher nicht ihre Unterrichtsfächer“, der hat recht. Denn um Englisch unterrichten zu können, musste sie es erst selbst erlernen. „Während meiner Zeit als Schulleiterin arbeiteten unsere Schüler zusammen mit Schülern aus vier weiteren Ländern an einem sogenannten Sokrates-Projekt. Die Geschäftssprache dabei war Englisch. Als Schulleiterin wollte ich das Projekt natürlich unterstützen. Kein Wort Englisch zu verstehen, ging da natürlich gar nicht. Daher habe ich mich dahintergeklemmt, Nachhilfe bei einer Kollegin genommen und so viele englische Nachrichten gehört, wie nur irgendwie möglich. Ich hätte schon Lust darauf, mal ein halbes Jahr in einem englischsprachigen Land zu verbringen. Doch das ist wahrscheinlich nie praktisch umsetzbar.“ Dennoch streicht sie diesen Gedanken nicht vollständig aus ihrem Kopf. Denn auch eine kürzere Reise in die USA, nach Schottland oder England könne sie sich gut vorstellen.

Hund Bella Donna

Doch erst einmal genießt Gabriele Neubert die freie Zeit in der gemeinsamen Wohnung mit ihrem Mann. Überall kann man dort alte Schätze entdecken: Der rustikale Schreibtisch in der Arbeitsecke, das restaurierte Landschaftsbild über dem Sofa, der historische Kleiderständer im Flur. All diese Dinge sind umrahmt von einer neumodisch gestalteten Wohnung. „Mir gefällt es hier sehr gut. Ich finde auch, dass die Kombination zwischen alt und neu sehr gut harmonisiert“, so die Oschatzerin. Seit vielen Jahren sind die beiden Kinder aus dem Haus. Während sich der Sohn eine eigene Baufirma in Wermsdorf aufbaute, zog es die Tochter nach Rheinland-Pfalz, sie ergriff, wie ihre beiden Eltern, den Beruf des Lehrers. Am Berufsschulzentrum unterrichtet sie Mathematik und Maschinenbau. Die Enkelkinder von Gabriele Neubert sind bereits sieben und 27 Jahre.

Doch ganz so ruhig ist es seit einer Weile nicht mehr. Denn man kann – klack, klack, klack – kleine Hundetapsen über das Parkett laufen hören. Gabriele Neubert lacht: „Man sagt doch immer: Das letzte Kind hat meistens Fell.“ Sie hatte bereits oft Hunde. Doch schon seit vielen Jahren nicht mehr. „Ich habe mir gesagt, dass ich mir wieder einen Hund anschaffen werde, sobald ich Rentnerin bin und auch genügend Zeit habe. Und da ist sie: Bella Donna.“ Sie hatte sich für einen weiblichen American Cocker Spaniel entschieden, der sie jeden Morgen begleitet.

Denn pünktlich um zehn Uhr geht es los. Dann ist Nordic Walking angesagt. Im Sportpark werden zwei Mal in der Woche die Muskeln stimuliert. Im Freizeit- und Erlebnisbad Platsch geht es einmal in der Woche in die Sauna. Hier kann sie entspannen und abschalten. Denn sich gesund und fit zu halten, ist für die 69-Jährige sehr wichtig. Und zum Ausgleich greift sie zurzeit gerne mal zu einem spannenden Kriminalroman, den sie sich aus der Bibliothek ausleiht. Sie liebt das Kabarett, geht ins Kino und ins Theater nach Leipzig. In Dresden besucht sie die Museen oder genießt gemeinsam mit ihrer Schwester ein klassisches Konzert. Große Reisen unternehmen sie und ihr Mann Frank eher selten. Und wenn es doch mal heißt „Koffer packen“, dann geht es ins Sauerland, das Enkelkind besuchen. Viele Dinge spuken ihr durch den Kopf. „Ich wollte gerne mit dem Malen anfangen. Diese Idee habe ich aber vorerst verworfen. Einen Roman zu schreiben – das wäre noch ein weiterer Traum. Der Inhalt würde sich natürlich aus meinem eigenen Erfahrungsbereich, der Schule, zusammensetzen.

70. Geburtstag im Oktober

Während sie ihren Leidenschaften nachgeht, kümmert sich ihr Mann, der ehemalige Biologie- und Chemielehrer, um das Haus und den Garten. „Es gibt für uns immer so viel zu tun, dass wir uns gegenseitig nie auf die Nerven fallen und dann auch die gemeinsame Zeit genießen können. Gemeinsame Interessen sind genauso wichtig wie Freiräume“, sagt sie mit einem Lachen, während ihr Mann gerade die Badehose einpackt. Denn es geht ab in die Schwimmhalle. „Wichtig ist es, über dieselben Dinge lachen zu können, Toleranz zu zeigen und die Fehler des anderen zu akzeptieren, sich nicht ärgern über die Schwächen des Anderen, denn schließlich hat man auch eigene. Das sind Dinge, die eine Beziehung im Gleichgewicht halten.“

Im Oktober wird dann gefeiert. Denn der 70. Geburtstag soll zu einer schönen Erinnerung werden. In einer Gaststätte ist bereits ein Saal gemietet. Auch gebowlt werden kann dann nach Lust und Laune. Doch auch eine kleine Überraschung warte dann auf die Gäste. Denn ein Kulturprogramm ist schon in Planung. Ihr 70. Geburtstag bietet Gabriele Neubert auch die Gelegenheit, auf die vergangenen Jahre zurückzublicken, an die Zeit zu denken, als sie das Thomas-Mann-Gymnasium leiten durfte.

Von Kristin Engel

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