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Oschatzer Ex-Stadtwehrleiter: „Auch bei jedem kleinen Einsatz lernt man dazu“

Feuerwehr Oschatzer Ex-Stadtwehrleiter: „Auch bei jedem kleinen Einsatz lernt man dazu“

Karsten Saack ist Feuerwehrmann, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes, im zuständig für vorbeugenden Brandschutz und war bis vor kurzem noch Stadtwehrleiter in Oschatz. Im OAZ-Interview berichtet der 52-Jährige von seiner Karriere und der aktuellen Situation der Feuerwehren in der Collm-Region.

Ex-Stadtwehrleiter Karsten Saack, sein Nachfolger Lars Natzke, Frank Breitfeld vom Landratsamt, Oberbürgermeister Andreas Kretschmar und die Kameraden Christopher Brix und Olaf Reinicke (v.l.) im Februar 2014.

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz. Karsten Saack ist Feuerwehrmann, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes, im zuständig für vorbeugenden Brandschutz und war bis vor kurzem noch Stadtwehrleiter in Oschatz. Im OAZ-Interview berichtet der 52-Jährige von seiner Karriere und der aktuellen Situation der Feuerwehren in der Collm-Region.

Herr Saack, Sie sind Feuerwehrmann, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes (LFV), im Rathaus zuständig für vorbeugenden Brandschutz und waren bis vor kurzem auch noch Stadtwehrleiter in Oschatz. Das klingt nach viel Stress. War das der Grund dafür, warum Sie nicht mehr zur Wahl des Wehleiters angetreten sind?

Genau so ist es. Meine Aufgaben in all diesen Funktionen sind über die Jahre immer umfangreicher geworden. Da fiel es mir nicht schwer, eine davon abzugeben. Zumal mit Lars Natzke ein guter Nachfolger bereitstand.

Was hat Sie damals, 1986, dazu bewegt, Feuerwehrmann zu werden?

Einen Schlüsselmoment, auf den ich das festlegen könnte, gibt es nicht. Ich war schon vorher länger in der AG „Junge Brandschutzhelfer“ tätig und habe mich dann letztlich auch bei meiner Berufswahl dafür entschieden, in diese Richtung zu gehen. Damals brauchte man allerdings noch eine abgeschlossene Ausbildung dafür, also habe ich meine Lehre als Fahrzeugschlosser beendet und anschließend sechs Monate an der Feuerwehrschule gelernt.

Was hat sich in Ihren 15 Jahren als Stadtwehrleiter verändert?

Wir haben vor allem neue Ausrüstung für die hiesigen Feuerwehren angeschafft. Unter anderem ein neues Mannschaftsfahrzeug für Oschatz, ein Tragkraftspritzenfahrzeug für Limbach und Schmorkau sowie neue Löschfahrzeuge und Gerätehäuser in der gesamten Region.

Ist der Berufsalltag eines Brandbekämpfers durch den technischen Fortschritt denn sicherer geworden?

Klipp und klar: nein. Das liegt besonders an der Zunahme von gefährlichen Stoffen, die im Umlauf sind. Die Schutzausrüstung ist zwar auch besser geworden, ungefährlich ist das Ganze deshalb aber noch lange nicht.

Gab es einen Einsatz, der Ihnen immer im Gedächtnis bleiben wird?

Schwer zu sagen. Es gab so viele, auch bei jedem noch so kleinen lernt man etwas dazu. Irgendwelche Kuriositäten gab es nicht, am eindrücklichsten war wohl aber 2002 das Hochwasser in Torgau. Das war definitiv unser größter Einsatz.

Hat sich das Klischee von den Katzen im Baum bewahrheitet?

(lacht) Ja, aber bei weitem nicht so oft, wie man vielleicht denkt, sondern eher selten.

In Ihrer Funktion als Vorsitzender des LFV haben Sie zuletzt das Projekt „Einsatz-Nachsorge-Team“ ins Leben gerufen. Wie wurde das bisher angenommen?

Nun, der Sinn dahinter ist ja, dass ein Wehrleiter nach traumatischen Einsätzen psychologische Betreuung für seine Feuerwehrleute anfordern kann, wenn also zum Beispiel Kinder in Unfälle verwickelt waren. Man kann also sagen: Je weniger das Team zum Einsatz kommt, desto besser. Und glücklicherweise war das bisher auch noch nicht notwendig. Es gab einzig einen Probeeinsatz bei einer Katastrophenschutzübung in Brandenburg – das lief sehr gut ab.

Wie sieht es denn derzeit personell bei der Feuerwehr in der Region aus?

Wie überall: durchwachsen. Die Anzahl der Feuerwehrleute ist dabei noch nicht einmal das große Problem, diese Zahl ist sogar recht stabil geblieben. Schwierig ist aber, dass viele von ihnen heute zu einem Arbeitsplatz außerhalb der Stadt pendeln und deshalb nicht ausrücken können, wenn es tagsüber zu einem Einsatz kommt. Schließlich haben wir hier keine Berufsfeuerwehren, sondern ausschließliche Freiwillige. Hinzu kommt, dass die Zahl der Feuerwachen in der Region in den vergangenen Jahren von acht auf fünf geschrumpft ist.

Fällt es heutzutage schwer, junge Menschen für die Freiwillige Feuerwehr zu begeistern?

Zunächst sei gesagt, dass wir einen Altersdurchschnitt von 30 Jahren haben, viel jünger geht es also kaum. Was funktioniert, ist der technische Aspekt – Technik zieht die jungen Leute noch immer an. Der Knackpunkt ist aber, dass wir ihnen in diesem Bereich keinen festen Arbeitsplatz und deshalb keine Perspektive anbieten können. Dazu fehlen uns einfach die finanziellen Mittel. Auch die lokale Wirtschaftskraft fehlt: Wer hier keinen Job findet, wandert ab oder pendelt aus.

Zurück zu Ihnen: Wann waren Sie denn das letzte Mal bei einem Einsatz dabei?

(überlegt kurz) Am 1. März, nachdem von Unbekannten Öl in den Limbacher Teich geschüttet und anschließend von uns abgeschöpft wurde.

Ich ging davon aus, dass Ihr letzter Einsatz deutlich länger her sei. Also sind Sie noch regelmäßig im Außeneinsatz, wenn irgendwo Alarm geschlagen wird?

Natürlich, ich bin ja nach wie vor bei der Feuerwehr. Allerdings bin ich nicht bei jedem Kleinbrand dabei, sondern vornehmlich bei speziellen Einsätzen, bei denen Führungskräfte gebraucht werden. Zum Beispiel wenn eine Person mitgefährdet ist.

Lars Natzke hat Sie nun als Stadtwehrleiter abgelöst. Welchen Rat haben Sie ihm mitgegeben?

Nun, wir haben schon zwei Wahlperioden zusammengearbeitet, er war zehn Jahre lang mein Stellvertreter. Er weiß genau Bescheid, was zu tun ist. Ihm einen Rat mitzugeben ist also nicht notwendig.

Von Christian Neffe

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