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Oschatz Oschatzer Familie Korn ist seit 120 Jahren im Dachdecker-Geschäft
Region Oschatz Oschatzer Familie Korn ist seit 120 Jahren im Dachdecker-Geschäft
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08:00 16.02.2016
Das Wohn-und Geschäftshaus der Familie Korn in Oschatz. Quelle: Foto: Dirk Hunger
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Oschatz

Ein solides Tonziegeldach kann bis zu 50 Jahre halten – legt man diese Rechnung zugrunde, dann ist die Dachdeckertradition der Familie Korn in Oschatz zweieinhalb Tonziegeldächer lang. Anfang des Jahres 1896 verschlug es einen aus dem Thüringischen stammenden Dachdeckergesellen auf der Walz an die Döllnitz. Albin Korn meldete sein Gewerbe, eine Schieferdeckerei, sogleich an, die Erlaubnis, es zu betreiben, erteilte der Oschatzer Stadtrat am 28. Januar – vor gut 120 Jahren also. Das vom damaligen Bürgermeister Robert Härtwig unterzeichnete Dokument ist in der Firmenchronik enthalten und markiert die Geburtsstunde einer wahren Dachdecker-Dynastie der Collm-Region. Diese hat auch das Handwerk in Mügeln und Wermsdorf entscheidend geprägt. Ein Familienunternehmen, das seinesgleichen sucht.

Historische Fotos aus dem Familienalbum der Korns. Quelle: Dirk Hunger

Der erste Firmensitz der Dachdeckerei Albin Korn war in der Oschatzer Gartenstraße. Der Zugereiste gründete eine Familie, nach der Hochzeit mit Marie Clauß wuchsen die vier Kinder Richard, Else, Curt und Erich im neuen Wohn- und Geschäftshaus in der Theodor-Körner-Straße auf. Dort ist das Unternehmen nach umfangreicher Sanierung auch heute wieder zu finden.

Der älteste Sohn Richard fiel im Krieg, Erich und Curt erlernten das Handwerk ihres Vaters. Dieser wiederum kam im Jahr 1923 bei der Ausübung seiner Tätigkeit ums Leben: Den Sturz vom Dach des Rittergutes in Mannschatz überlebte Albin Korn nicht. Erich und Curt übernahmen daraufhin das Geschäft des Vaters und expandierten; es entstand eine Zweigstelle in Wermsdorf, die Erich Korn unter seine Fittiche nahm, nachdem der dortige Dachdeckermeister 1933 ebenfalls bei Bauarbeiten vom Schloss abstürzte. Curt Korn führte den Oschatzer Betrieb weiter, gab ihn 1962 an seinen Sohn Curt junior ab, arbeitete jedoch noch fünf Jahre selbst mit. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Lagerplatz an der Gasanstalt aufgegeben, es entstand ein neues, größeres Betriebsgelände. Eine Marktlücke schloss Curt Korn mit der Produktion eigener Betondachsteine.

Meisterbrief der Dachdecker-Familie. Quelle: Dirk Hunger

Betrachtet man den Stammbaum der Familie Korn, der ebenfalls in der Chronik integriert ist, genauer, fällt auf, dass bald bei großen Feierlichkeiten untereinander gefachsimpelt werden konnte, was die Zunft angeht. Denn Erich Korns Tochter Inge schloss den Bund fürs Leben mit einem Dachdeckermeister, und auch Eleonore, die Schwester von Curt Korn junior heiratete einen Dachdecker, nämlich Günther Keilwagen. Curt unterstützte seinen Schwiegersohn bei der Gründung eines eigenen Betriebs. Auch Keilwagens Sohn Peter und Enkelsohn Matthias erlernten den Dachdeckerberuf und erklommen während ihrer Zeit die Dächer in Mügeln und Umgebung.

Doch auch in Oschatz wurde die Tradition weitergeführt. Ralf Korn (geboren 1956) und sein Sohn Henry (heute 37 Jahre alt) sorgten mit ihren beruflichen Entscheidungen dafür, dass der Name Korn in Oschatz nunmehr in der fünften Generation für Dachdecker- und Dachklempnerleistungen steht – letzteres obliegt Henry Korn, der auch darin seinen Meister absolviert hat. Ralf und Henry Korn handhabten es bis vor wenigen Jahren wie ihre Vorfahren: Vater und Sohn steigen den Kunden gemeinsam auf die Dächer.

Und die Voraussetzungen dafür, dass sich diese Praxis wiederholt, ist gegeben. Henry Korns Söhne Bastian (8) und Adrian (4) sind potenzielle Nachfolger. Auch Ralf Korns Sohn Denis schloss eine Dachdeckerlehre ab, machte jedoch später sein Hobby zum Beruf und gründete ein international bekanntes Musikhaus mit Sitz in Lonnewitz. Doch auch in diesem Oschatzer Ortsteil haben die Dachdecker Spuren hinterlassen, denn das Lager der Dachdeckerei ist dort zu finden. Seit 1. Dezember 2010 lenkt der jetzige Inhaber Henry Korn die Geschicke des Betriebs. Die Arbeit in der fünften Generation verpflichtet.

Von Christian Kunze

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