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Oschatz Oschatzer Frauen kämpfen gegen Unsicherheit
Region Oschatz Oschatzer Frauen kämpfen gegen Unsicherheit
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06:00 23.02.2016
Das kann weh tun: Wie sich die Frauen gegen Angreifer wehren können, vermitteln ihnen die Übungsleiter. Quelle: Fotos: Dirk Hunger
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Oschatz

„Es ist wichtig, dass die Teilnehmer ein Bewusstsein dafür bekommen, dass sie sich verteidigen können, wenn sie angegriffen werden. Und nicht verängstigt durch die Stadt laufen müssen“, sagt Peter Peuker. Er ist Vorstandsvorsitzender des Polizeisportvereins Oschatz. Gemeinsam mit drei weiteren Übungsleitern trainiert er Mittwochabend bereits zum fünften Mal mit den rund 50 Teilnehmerinnen des Selbstverteidigungskurses. Insgesamt sind zehn Termine geplant – jeweils eine Stunde. Wenn der Wunsch bestünde, könne man auch über eine Verlängerung des Kurses sprechen, so der Vorsitzende. Auch einen neuen Kurs zu beginnen steht er nicht verschlossen gegenüber - je nachdem, ob Interesse besteht. Bei den Teilnehmerinnen spielt das Alter keine Rolle. Von 16 bis 60 Jahren ist alles dabei. Doch was genau lernen diese Frauen hier?

Mischung aus Karate und Kung fu

„Sie lernen Shaolin Kempo, eine chinesische Kampfsportkunst, die durch verschiedene japanische Karate-Systeme beeinflusst wurde. Hier vermischt sich Karate und Kung fu. Auch die Selbstverteidigung gehört dazu“, erklärt er. Doch von der Zahl der Frauen, die sich für den Kurs angemeldet haben, ist auch er überrascht. „Wir haben einen ähnlichen Kurs bereits vor einigen Jahren angeboten. Damals lag die Resonanz zwischen 20 und 30 Teilnehmerinnen. Ich denke, dass die Teilnehmerzahl dieses Mal mit den Vorkommnissen in Köln zusammenhängt. Viele Frauen tragen ein Gefühl der Unsicherheit mit sich.“

Im Kurs, der hauptsächlich als Partnerübung stattfindet, wird vermittelt, dass es das Beste ist, schwierige Situationen zu vermeiden und den Ort zügig zu verlassen. „Wir bilden keine Spezialisten aus. Um Selbstverteidigung zu beherrschen, müsste man diese ständig betreiben. In den zehn Stunden können nur die Grundlagen vermittelt werden“, betont Peuker. In den kommenden Wochen wird das Verteidigen mit Alltagsgegenständen, wie Regenschirm, Schlüssel, Zeitung oder Handtasche, erprobt. Die Frauen sollen merken, dass die sich im Ernstfall verteidigen können und nicht machtlos sind.

Der Polizeiverein besteht bereits seit 1953. Damals hieß er noch Sportgemeinschaft Dynamo und wurde nach der Wende in Polizeisportverein umbenannt. Seit 1992 wird hier der Kampfsport betrieben. Vorsitzender Peter Peuker hat den Shaolin Kempo ins Leben gerufen. „Ich hatte durch Zufall ein Buch mit dieser Kampfsportart gelesen. Es ist eine gemischte Sportart, die nicht straff auf einen Stil geprägt ist.“

Er trat mit dem Autor des Buches, Klaus Konrad aus Nordrhein Westfalen, in Kontakt. Mehrere Jahre fuhr Peter Peuker in die Kampfsportschule, trainierte selbst, um diese Art des Kampfes zu erlernen, machte einen Übungsleiterschein und trainierte bereits zu dieser Zeit die erste Kinder- und Jugendgruppe in Oschatz. „Damals standen plötzlich 100 potenzielle Teilnehmer vor der Tür. Viele mussten wir wieder weg schicken, da die Halle nicht ausreichte. Heute hat der Polizeisportverein 65 Mitglieder. In den Kindergruppen sind Teilnehmer ab sechs Jahre. Das älteste aktive Mitglied ist 66. Zwei Mal die Woche trainieren die Kinder und Jugendlichen Kampfsport, einmal in der Woche die Erwachsenen. Doch im Verein wird auch das Sportschießen betrieben. Vor knapp zehn Jahren kam das Bogenschießen hinzu, das einmal in der Woche trainiert wird. „Aus gesundheitlichen Gründen konnte ich nicht mehr so viel Kampfsport betreiben. So führte ich das Bogenschießen in den Verein ein. Es ist ein Konzentrationssport, der auch sehr anstrengend ist, aber auch wirklich viel Spaß macht. Doch es ist ganz egal, welche Sportart betrieben wird – oder wo es gemacht wird: Wichtig ist, dass die Kinder und Jugendlichen, aber auch die Erwachsenen überhaupt Sport treiben und nicht den ganzen Tag vor dem Fernseher, Computer oder Handy sitzen. Das ist mir wichtig!“

Neue Mitglieder willkommen

Der Polizeisportverein ist fast der einzige Verein, der seit 1992 Kampfsport betreibt und auch der erste Verein, in dem Shaolin Kempo praktiziert wurde. „Wir leben von Mundpropaganda. Wir nehmen das ganze Jahr über neue Mitglieder auf. Und wer weiß, vielleicht findet sich auch in dem aktuellen Frauenselbstverteidigungskurs jemand, der in den Polizeisportverein eintreten möchte“, sagt Peter Peuker.

Von Kristin Engel

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